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Mindelheim

13.05.2019

Mindelheimer steht nach Prügelei vor Gericht

Nach einer Schlägerei in Mindelheim muss das Gericht jetzt klären, ob der Täter in Notwehr gehandelt hat.
Bild: Alexander Kaya

Plus Auf einem Faschingsball flogen die Fäuste. Jetzt muss geklärt werden, ob es Notwehr war.

Ein zertrümmerter Kiefer, eine blutende Platzwunde und mehrere Schürfwunden – so lautet das gravierende Resultat eines Faustschlags, den ein heute 21-Jähriger Mitte Januar während einer Faschingsfeier austeilte. Opfer der Attacke war ein 35-jähriger Vereinskamerad, der den jungen Mann einst selbst trainiert hatte. Doch was war zuvor passiert? Handelte der Schläger etwa in Notwehr? Mit dieser Frage beschäftigte sich nun das Amtsgericht Memmingen.

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Alles beginnt auf einer Faschingsparty wenige Tage vor dem Faustschlag. Dort bandelt der nun Angeklagte mit einer jungen Frau an – das Problem: Sie ist damals mit dem späteren Opfer liiert, verschweigt dies jedoch. Es kommt zur Affäre. Das Paar trennt sich anschließend. „Damit war das Thema für mich erledigt“, sagte der 35-jährige Betrogene nun vor Gericht.

Der 35-Jährige ging zu Boden

Kurz darauf, auf der internen Vereinsfeier, begegnen sich die beiden Männer gegen 0.30 Uhr an der Bar. Beide haben bereits Alkohol getrunken und beginnen ein Gespräch, dessen Atmosphäre eine Zeugin als „normal, nicht unbedingt aggressiv“ bezeichnet. Kurz darauf fällt der Schlag, dessen Wucht den eigentlich kräftigen 35-Jährigen zu Boden bringt. Was unmittelbar davor passiert war, ist unklar – auch, weil dem Opfer jegliche Erinnerung an die Auseinandersetzung fehlt.

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Der Angeklagte gab über seine Anwältin Renate Bens zwar zu, den Schlag ausgeteilt zu haben – dies jedoch aus Notwehr. Demnach hätten ihn das spätere Opfer und ein weiterer, als Mönch verkleideter Mann an der Bar in die Zange genommen und aufgefordert, die Feier zu verlassen. Da er dem nicht nachkam, habe ihn der 35-Jährige attackiert. „Diesem Schlag konnte mein Mandant ausweichen. Anschließend holte er selbst aus und traf“, so Anwältin Bens. „Er ist somit einem Angriff zuvorgekommen und hat aus Notwehr gehandelt.“

Eine Zeugin, die mit dem Opfer noch kurz zuvor an der Bar gestanden hatte, schilderte die Vorgänge anders. Demnach sei der als Mönch verkleidete, stark alkoholisierte Mann dem späteren Schläger nachgegangen. Das spätere Opfer sei den beiden dann gefolgt. „Ich hatte aber den Eindruck, dass er eher schlichten wollte. Aggressiv wirkte er jedenfalls nicht.“ Wenige Minuten später habe sie dann nur noch gesehen, wie der damals 20-Jährige zugeschlagen habe. Ein weiterer Zeuge sprach davon, der junge Mann sei vor seinem Schlag zwar bedrängt, aber nicht mit einem Faustschlag attackiert worden.

Für das Opfer aus Mindelheim hatte der Schlag schwerwiegende Folgen

So oder so hatte die Attacke für den Geschädigten schwerwiegende Folgen, die sich nicht auf die unmittelbaren Verletzungen beschränkten. Nach einer ersten Operation, während der ihm eine Metallplatte eingesetzt wurde, gelangten Keime in die Wunde. Ein weiterer Eingriff war erforderlich. Dabei wurde ein Nerv durchtrennt, wodurch ein Teil seiner unteren Gesichtshälfte wohl taub bleiben wird. Möglicherweise verliert der 35-Jährige deswegen auch zwei Zähne.

Was an jenem Abend tatsächlich zum gravierenden Faustschlag führte, blieb vorerst im Vagen. Richter Markus Veit beschloss deshalb, die Verhandlung zu unterbrechen und demnächst fortzuführen. Dann sollen vier weitere Zeugen – darunter auch der als Mönch verkleidete Mann – aussagen.

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