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Goldhochzeit

16.01.2019

Mit Fleiß und Bescheidenheit zu neuen Wurzeln

Glückwünsche zur Goldenen Hochzeit von Galina und Viktor Gossen überbrachte Türkheims Bürgermeister Christian Kähler (links).
Bild: Reinhard Stegen

Galina und Viktor Gossen sind seit 50 Jahren verheiratet. Vor knapp einem Vierteljahrhundert verließen sie Kasachstan und zogen nach Türkheim. Wie das Unterallgäu zu ihrer zweiten Heimat wurde

Die Lebensgeschichte von Galina und Viktor Gossen, die jüngst ihren 50. Hochzeitstag feierten, umfasst bis heute zwei große Kapitel. Verbunden sind sie gewissermaßen durch einen Szenenwechsel von einem 6000 Kilometer entfernten Dorf bei Aktjubinsk in Kasachstan nach Türkheim im Unterallgäu.

Es sind zwei sehr unterschiedliche Welten, die sie prägten - ein doppeltes Migrantenschicksal formte sie. Im 18. Jahrhundert folgten viele Deutsche dem Ruf von Zarin Katharina der Großen und Ihrem Versprechen von Land und Freiheit und wanderten nach Russland aus. Ihre Herkunft verband sie auch dort weiterhin, wo sie in dörflichen Gemeinschaften ihre alten Lebensgewohnheiten ungebrochen pflegten. Die Neusiedler, die sie für die angestammte Bevölkerung so blieben, erlebten mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg Anfeindungen und Deportation. In diese Zeit wurden Galina und Viktor geboren. Viktor begann in der an Bodenschätzen reichen Region im Bergbau zu arbeiten. Damit nicht genug: Der ehrgeizige junge Mann absolvierte nebenher noch ein Ingenieurstudium.

In diese Zeit fiel seine erste Begegnung mit Galina, die ein Auge auf ihn geworfen hatte. Sie verstand es, seine Aufmerksamkeit zu erregen und bald waren sie nicht nur ein Paar, sondern auch bereits angehende Eltern. Die erste Tochter wurde vor 52 Jahren geboren, zwei Jahre bevor eine Eheschließung in der damaligen Sowjetunion offiziell möglich war; dazu musste Galina erst 18 Jahre alt werden. Die zweite Tochter ist zehn Jahre jünger.

Der sehr jungen Familie ging es gut: Galina arbeitete als Erzieherin, Viktor machte Karriere als Ingenieur bei dem Bergbauunternehmen. Alles schien perfekt, und doch war da die Anziehung aus dem fernen Westen, dem Land der Vorfahren. Und diese Spannung – russisch zu sprechen, aber sich doch noch irgendwie deutsch zu fühlen – nahm zu, nachdem Viktors Eltern sich für eine Rückkehr in die Heimat ihrer Vorfahren entschieden hatten.

24 Jahre sind die Gossens inzwischen in Deutschland und haben seitdem keinen Fuß auf die Stätten Kasachstans gesetzt, wo sie aufgewachsen sind und einen großen Abschnitt ihres Lebens verbracht haben. Doch so ganz einfach ist Integration auch nicht für die, die ihrer Wurzeln wegen nach Deutschland zurückgekehrt sind. Das musste das Goldene Hochzeitspaar mit seinen beiden Töchtern erfahren. Mit seinem Diplom als Bergbauingenieur, das er stolz zeigt, fand Viktor keinen angemessenen Job. Doch Galina und Viktor waren sich nicht zu schade auch in anderen Bereichen zu arbeiten und schafften es mit Fleiß und Sparsamkeit zu bescheidenem Wohlstand und einer eigenen Wohnung.

Regen Austausch pflegen sie mit ihren Töchtern, Enkeln und anderen Russlanddeutschen. Viktor fühlt sich integriert und betont, dass sie zufrieden seien mit ihrem Leben. Galina kritisiert lediglich, dass sie zu Hause und auch bei der Unterhaltung mit Freunden immer noch zu oft ins Russische verfielen – aus alter Gewohnheit sozusagen.

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