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Mindelheim

01.10.2019

Nach Weikmann-Brand: Wann vergeht der Gestank?

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4 Bilder
Diese Drohnenaufnahme zeigt eindrucksvoll die Zerstörung, die das Großfeuer und die anschließenden Löscharbeiten auf dem Gelände der Firma Weikmann in Mindelheim angerichtet haben.

Plus Mit einem Autokran werden derzeit Futtermittel- und Getreidereste aus den Weikmann-Silos entfernt. Warum stinkt es dort so? Und sind die Dämpfe giftig?

Nein, gut riecht es wirklich nicht auf dem Gelände der Firma Weikmann in Mindelheim. Rund zweieinhalb Monate nach dem Großbrand des Agrarhandels liegt über dem Gelände ein Geruch, der an eine Mischung aus Schweine- und Hühnerstall erinnert und an nasse Asche. Geht es nach Otto Weikmann und dem Sicherheitsbeauftragten Dr. Klaus Theisen, soll mit dem Gestank aber bald Schluss sein. Wobei „bald“ freilich relativ ist: Je nach Witterung wird es wohl schon noch mindestens 30 Tage dauern, bis die rund 800 Tonnen Futtermittel abtransportiert sind, die immer noch in den Silos liegen und dort, feucht vom Löschwasser, vor sich hingären.

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„Das ist der kleine Gestank“, erklärt Armin Gilg von der zuständigen Versicherung. Der große Gestank komme vor allem aus dem Keller, wo Getreidestaub und Löschwasser eine stinkende Brühe gebildet haben, die nun abgepumpt wird. Die Arbeiter tragen Overalls, Helme und Mundschutz. Nicht, weil die Stoffe oder Dämpfe in irgendeiner Form giftig oder gesundheitsschädlich wären, sondern um sich vor dem Gestank und dem Getreidestaub zu schützen. „Das ist alles biologisch“, betont Klaus Theisen. „Aber es stinkt halt.“

Vor zweieinhalb Monaten brannte es bei der Firma Weikmann in Mindelheim

Und zwar zum Ärger vieler Nachbarn seit dem Brand vor zweieinhalb Monaten. Erst nach all dem verbrannten Holz, Metall und Getreide, dann nach dem, was davon übrig blieb. „Das bedauern wir wirklich sehr, dass die Bevölkerung den Gestank und den Lärm über Wochen ertragen musste“, beteuert Otto Weikmann. „Wir sind heilfroh, dass in absehbarer Zeit ein Ende in Sicht ist.“ Doch früher habe man nicht mit der Leerung der 18 Silos beginnen können, die in Erwartung der diesjährigen Ernte glücklicherweise nicht alle gefüllt waren. Schließlich glühten darin noch bis vergangenen Freitag die letzten Glutnester.

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Auch der Keller ist erst zugänglich, seit ein Chemiker, der seit dem Brand auf dem Gelände ist, die Räume freigegeben hat. Zuvor war dort Methangas nachgewiesen worden. In sehr geringer Menge zwar, aber Klaus Theisen will kein Risiko eingehen. Schließlich haftet er persönlich, wenn irgendetwas schiefläuft und sich einer der Arbeiter verletzt. Deshalb sind auch zwei Höhenretter im Einsatz: Weil das Dach des Lagers eingestürzt ist, die verkohlten Balken in den Silos liegen und die verbliebenen Decken nicht begehbar sind, müssen die Silos von oben mit einem Autokran geleert werden, der von einem herkömmlichen Kran gesteuert wird. Sollte es dabei Probleme geben, sind die Höhenretter sofort zur Stelle. Ist es wie am Montag zu windig, steht der Autokran still. Alles andere wäre zu gefährlich.

In wenigen Monaten soll schon wieder eine improvisierte Produktion bei Weikmann möglich sein

Um die Leerung zu beschleunigen wurde am Freitag außerdem ein Loch in die Seitenwand des Lagers geschlagen, um auch von dort auf die Silos zugreifen zu können. Während hier unübersehbar der Rückbau läuft, bringen Mitarbeiter der Firma Belfor die Silos in einem anderen Gebäude auf Vordermann, die den Brand überstanden haben. Die hölzernen Wände werden abgeschliffen und gereinigt, später vom Chemiker kontrolliert und – wenn keine Brandrückstände mehr nachweisbar sind – wieder für die Produktion freigegeben, die derzeit mehrere andere Futterwerke übernehmen. Weikmann hofft, dass schon in wenigen Monaten wieder eine improvisierte Produktion möglich sein wird.

Die Feuerwehr Mindelheim löscht den Großbrand einer Lagerhalle der Firma Agrarhandel Weikmann.
Video: Johann Stoll

Ob die jetzt abgebrochenen Hallen wieder am bisherigen Standort errichtet werden, ist nach wie vor offen. Als wahrscheinlicher gilt jedoch, dass das Unternehmen ins Industriegebiet aussiedelt. Diesen Schluss lässt nicht zuletzt der Entwurf des Bebauungsplans „Im Eichet östlich, Allgäuer Straße südlich, Heimenegger Weg westlich“ zu, den der Stadtrat wie berichtet auf den Weg gebracht hat und der Gebäudehöhen von bis zu 30 Metern zulässt, wie sie auch für den Agrarhandel Weikmann unabdingbar wären.

Der Schaden des Brandes bei Weikmann liegt "sicher im zweistelligen Millionenbereich"

Als Ursache für den Großbrand, bei dem nicht nur Lager und Silos, sondern auch große Teile der Produktion zerstört wurden, gilt ein Kurzschluss in einer Filteranlage im Produktionsbereich der älteren der beiden Hallen, die inzwischen weitgehend rückgebaut ist. Versicherungsexperte Gilg rechnet mit einem Schaden, der sich „sicher im zweistelligen Millionenbereich“ bewegen werde.

Lesen Sie hier mehr über den Brand bei Weikmann und seine Folgen:

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