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Wanderung in Mindelheim

06.11.2017

Neue Entdeckungen aus alter Zeit

Bei der Wanderung durch den Mindelheimer Stadtwald haben sich die Teilnehmer auf Zeitreise begeben und dabei viel Neues erfahren.
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Bei der Wanderung durch den Mindelheimer Stadtwald haben sich die Teilnehmer auf Zeitreise begeben und dabei viel Neues erfahren.
Bild: Ulla Gutmann

Eine Zeitreise mit Stadtförster und Kreisheimatpfleger im Mindelheimer Stadtwald offenbart viel Interessantes.

Der Stadtwald östlich von Mindelheim nahe dem Funkmasten ist nicht nur ein schönes Wandergebiet, sondern verbirgt auch Zeichen vorchristlicher Besiedlung. Dies erfuhren die mehr als 30 interessierten Teilnehmer, die zusammen mit Kreisheimatpfleger Peter Hartmann und Stadtförster Peter Heckel den herbstlich gefärbten Wald und seine Schätze erkundeten.

Ein sogenanntes Lappenbeil war hier entdeckt worden, das Hartmann auf die Urnenfelderzeit zwischen 1200 bis 800 vor Christus datierte. Das aus Bronze gefertigte „Kopfteil“ des Beils durften alle Teilnehmer der Wanderung in die Hand nehmen und Hartmann erzählte, dass er in der Nähe des Fundortes auf Eisenerzgruben gestoßen sei, die es auch auf der gegenüberliegenden Seite von Mindelheim, im Bergwald, gibt. Heute sieht man davon nur noch Vertiefungen im Waldboden. Dort zu graben oder mit Elektrosonden zu suchen, ist übrigens verboten – auch wenn das verlockend erscheint, weil man hier noch mehr Fundstücke vermutet.

Mal ging es auf Forstwegen, mal quer durch den Wald und Brigitte Klein aus Türkheim fand außer Pilzen auch zwei (neuzeitliche) Schädel und einen Knochen von Rehen. Sie war mit ihrem Mann nach Mindelheim gekommen, wegen der Aussicht auf eine schöne Wanderung, bei der man dazu Geschichtliches und Forstwirtschaftliches erfährt. Denn Stadtförster Heckel erklärte an einigen Stellen die verschiedenen Baumarten. Immer noch dominiere der Fichtenbestand, es gebe aber auch einige Tannen und Laubbäume wie Buche oder Eiche und sogar einen Esskastanienbaum. Wie standfest Tannen auch am Westrand sind, wo Stürme mehr Kraft besitzen, bezeugten zwei abgebrochene Exemplare, deren Wurzeln tief in der Erde verankert blieben, während der Sturm den Stamm weiter oben knickte. Ziel sei es, langfristig mehr Mischwald zu fördern und Baumarten, die robuster auf den Klimawandel reagieren, so Heckel.

Noch heute sind Spuren eines Weges zu sehen

Kreisheimatpfleger Hartmann zeigte sogenannte Schummerbilder vom Stadtwald, auf denen nur Erhebungen und Vertiefungen, aber keine Bäume dargestellt sind, sowie Luftaufnahmen. Damit seien eher Besonderheiten wie etwa die viereckige Begrenzung einer mutmaßlichen Keltenschanze zu erkennen, als wenn man mitten im Wald steht. Den Ort dieser vermutlich ehemaligen Keltenschanze zeigte er den Teilnehmern im Stadtwald und später alte Hügelgräber. Besonders wichtigen Persönlichkeiten gaben die Kelten viele Gaben mit ins Grab für ihren Aufenthalt im Jenseits. So hatte Hartmann auch Keramikscherben aus der Hallstadtzeit zur Ansicht dabei, die er in Grabstätten bei Nassenbeuren gefunden hatte.

Da der Mensch ohne Salz nicht leben kann und es bei Mindelheim keine Vorkommen gibt, wurden damals Wege angelegt und Ochsen- oder Pferdekarren transportierten jeweils, um die Tiere zu schonen, maximal 20 Zentner Salz, erzählte Hartmann. Mindelheim profitierte davon, an so einer Handelsstraße zu liegen, die über St. Anna kommend über Mindelheim, Erkheim und Memmingen führte. Spuren so eines sogar zweispurigen Weges, der Gegenverkehr problemlos ermöglichte, sind auch heute noch im Stadtwald zu sehen.

Unter den Teilnehmern waren auch Kaspar Mayer und seine Frau Gertie. Sie sind oft unterwegs im Stadtwald und doch haben sie an diesem Tag Neues entdeckt und erfahren. Ein ganz besonderer Herbstspaziergang mit vielen Informationen und ein Anreiz, sich in Zukunft bewusster im Wald umzuschauen.

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