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Blitzmarathon

19.04.2018

Nur eine Temposünderin geht der Polizei ins Netz

Die Polizeioberkommissare Siegfried Lenzgeiger (links) und Jürgen Stechele sowie Praktikantin Nadine Rothermel haben die Autofahrer auf der Staatsstraße bei Schlingen kontrolliert.
Foto: baus

An den Messstellen in Amberg und Schlingen des Blitzmarathons sind die Beamten zufrieden. Ob sie selbst wohl auch schon mal geblitzt wurden?

An der Staatsstraße zwischen Pforzen und Bad Wörishofen, direkt an der Abzweigung Richtung Schlingen, haben Siegfried Lenzgeiger und Jürgen Stechele das Lasermessgerät aufgebaut. Dass die beiden Polizeioberkommissare auf der Lauer lägen, kann man allerdings nicht behaupten: Gerade Siegfried Lenzgeiger in seiner neongelben Sicherheitsweste ist schon von Weitem zu sehen. Und das ist auch so gewollt. Schließlich ist die Messstelle Teil des gestrigen bayernweiten Blitzmarathons und der dient laut Jürgen Stechele vor allem dazu, die Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren, den Tacho im Blick zu behalten. „Weil zu hohe Geschwindigkeit ist halt eine der Hauptunfallursachen“, so Stechele. Und sie ist ausschlaggebend dafür, wie schwer die Beteiligten verletzt werden.

Im vergangenen Jahr hat das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West, das auch für das Unterallgäu zuständig ist, insgesamt 28216 Unfälle erfasst und damit 5,39 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei wurden 5672 Menschen verletzt und 70 getötet. Im Unterallgäu hat es 3672 mal gekracht. Hier gab es laut Statistik 709 Verletzte und 19 Menschen starben. Der Blitzmarathon soll dazu beitragen, diese Zahlen zu senken.

„Das sind offene Kontrollen“, erklärt Stechele. „Wir verstecken uns nicht hinterm Baum.“ In den Medien wurden sowohl der Blitzmarathon an sich als auch die Messstellen veröffentlicht. „Wer dann immer noch zu schnell fährt, hat halt Pech gehabt.“ So wie die Fahrerin des weißen BMW, den Siegfried Lenzgeiger an diesem Morgen an den Fahrbahnrand lotst. Kurz zuvor hat die Frau noch in der Zeitung von der Aktion gelesen – und sie dann doch vergessen. „War ich zu schnell?“, fragt sie schuldbewusst, als sie die Autotür öffnet und Siegfried Lenzgeiger ihren Führerschein und die Fahrzeugpapiere reicht. Ja, war sie. Das Messgerät zeigt 112 Stundenkilometer an, erlaubt sind auf der Staatsstraße aber – was zur Verwunderung der Beamten viele Autofahrer tatsächlich nicht zu wissen scheinen – jedoch nur 100 Stundenkilometer. „Ich hab jetzt einfach nicht dran gedacht. Ich bin eigentlich kein Raser“, sagt die Frau und zückt ergeben ihren Geldbeutel. Zehn Euro sind für diese Ordnungswidrigkeit fällig, das war’s. Der Verwaltungsaufwand ist geringer als bei einem „Blitzer“, bei dem die Zahlungsbescheide nachträglich verschickt werden und Siegfried Lenzgeiger ist zudem überzeugt: „Die Einsicht beim Verkehrsteilnehmer ist größer, wenn er auf frischer Tat ertappt wird.“

Anschließend guckt Jürgen Stechele wieder durch das Messgerät, richtet es auf die Nummernschilder der entgegenkommenden Autos und startet die Messung. Doch Siegfried Lenzgeiger muss kein einziges Mal mehr die Kelle heben. „Die sind alle brav“, sagt Jürgen Stechele. „Aber im Grunde will man das ja. Das dient ja der Verkehrssicherheit. Würden hier alle mit 120 Sachen durchrauschen, würde man sich schon fragen: Nehmen die Leute das überhaupt ernst.“

Er und sein Kollege haben den Eindruck, dass die Unterallgäuer generell nicht die schlimmsten Temposünder sind. Ist die Straße frei und gerade, seien manche einfach in Gedanken. „Und dann sind sie plötzlich auf 115. Aber der Großteil hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Und dann gibt’s halt Ausreißer“, sagt Jürgen Stechele. So wie beim Blitzmarathon im vergangenen Jahr: 163 Stundenkilometern hat das Messgerät damals bei einem Autofahrer nahe Schlingen angezeigt. „Das ist schon massiv. Da darf der Fahrer dann ein paar Tage zu Fuß gehen“, sagt Stechele.

Allerdings hätte es dem Fahrer auch nicht mehr geholfen, wenn er vor der Messstelle abgebremst hätte: Das Gerät reicht einen Kilometer weit – und funktioniert zugleich wie ein Fernglas. Die Beamten sehen deshalb nicht nur die gefahrene Geschwindigkeit, sondern auch, ob der Fahrer angeschnallt oder mit dem Handy am Ohr unterwegs ist. Auch solche Vergehen werden beim Blitzmarathon geahndet, der übrigens heute um sechs Uhr morgens wieder endet.

Und die Polizisten selbst, wurden die auch schon mal „geblitzt“? „Ja“, gibt Siegfried Lenzgeiger unumwunden zu. „Wir sind ja auch nur Menschen.“ Sein Kollege meint derweil mit einem verschmitzten Grinsen: „Das würde ich nie zugeben.“

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