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Mindelheim

13.09.2020

Sie wollen sich gegen 5G in Mindelheim wehren

In Mindelheim will die Bürgerinitiative „Aufklärung 5G Mindelheim“ über den neuen Mobilfunkstandard 5G informieren. Das Bild zeigt die Initiatorinnen Susanne Streitel (links), Birgitta Müller-Auerbacher (dritte von links) und Sonja Twachtmann (dritte von rechts) mit einem Teil ihrer Mitstreiter.
Bild: baus

Plus Welche Risiken die neue Bürgerinitiative „Aufklärung 5G Mindelheim“ sieht – und welche Alternativen.

Auf der Karte der Telekom ist Mindelheim bislang ein weißer Fleck – zumindest dann, wenn man sich nur den Stand des Netzausbaus für den neuen Mobilfunkstandard 5G anzeigen lässt. Und ginge es nach Susanne Streitel, Sonja Twachtmann und Birgitta Müller-Auerbacher könnte das auch gerne so bleiben. Zusammen mit mehreren Mitstreitern wollen sie im Oktober die Bürgerinitiative „Aufklärung 5G Mindelheim“ gründen, weil sie der neuen Technik mit großer Sorge entgegensehen.

Sie berufen sich auf Wissenschaftler und Mediziner, die warnen, dass die vielfach stärkere und neuartige Strahlenbelastung im Giga-Hertz-Bereich krank machen kann. So soll bereits Strahlung weit unter den in Deutschland geltenden Grenzwerten unter anderem den Zellstoffwechsel und die Herzfrequenz verändern, die Fruchtbarkeit stören und das Krebsrisiko erhöhen. Gibt es jedoch Hinweise darauf, dass eine neue Technik schädlich sein könnte, müsse nach dem Vorsorgeprinzip vor ihrem Start nachgewiesen werden, dass sie unbedenklich sei. Das aber sei bei der Einführung von 5G nicht geschehen.

Die Bürgerinitiative Mindelheim stellt den Fragen nach dem Nutzen

Außerdem, so Birgitta Müller-Auerbacher, sei der Nutzen nicht ersichtlich: So schließe 5G beispielsweise keine Funklöcher und erlaube außerhalb von Städten keine besseren Datenübertragungsraten als LTE. Auch autonomes Fahren, Industrie 4.0 und das sogenannte „Internet der Dinge“, also Smarthome-Anwendungen, kämen ohne den neuen Mobilfunkstandard aus.

Sie wollen sich gegen 5G in Mindelheim wehren

Die drei Initiatorinnen stört, dass mit dem 5G-Ausbau längst begonnen wurde, ohne dass die Bürger im Vorfeld entsprechend informiert worden wären. „Ich würde einfach gerne vor der Einführung dieser neuen Technologie wissen, welche Auswirkungen sie hat“, sagt Birgitta Müller-Auerbacher. Auch über den Ausbau, der im Hintergrund voranschreite, erfahre man wenig. „Man bleibt so im Unklaren.“

Vermisst wird eine öffentliche Diskussion über Nutzen und Risiken in Mindelheim

Die drei Frauen vermissen eine öffentliche Diskussion über Nutzen und Risiken des neuen Mobilfunkstandards, der möglicherweise nicht nur gesundheitliche Auswirkungen haben könnte, sondern sich auch in einem immensen Stromverbrauch für Hunderttausende Sendeanlagen bemerkbar machen könnte: Dort, wo 5G leistungsstark verfügbar sein soll, also etwa in Fußgängerzonen und entlang von Straßen, sollen den Kritikern zufolge alle 100 bis 150 Meter Kleinzellen entstehen, deren Strahlung problemlos Hauswände durchdringe. Neben einer deutlich höheren Strahlenbelastung berge das außerdem auch die Gefahr einer weitreichenden Überwachung der Bürgerinnen und Bürger, befürchten die Aktivisten.

Viele von ihnen wüssten gar nicht, was 5G überhaupt ist, ist Sonja Twachtmanns Erfahrung. „Deshalb geht es uns vor allem um Aufklärung“, sagt sie. Und zwar mit sachlichen Argumenten und „nicht auf dieser Angst-Schiene“. Allerdings vertrauten viele blind auf Technik, ohne das nötige Hintergrundwissen zu haben, glaubt Birgitta Müller-Auerbacher. Sie möchte die Bürger für mögliche Gefahren sensibilisieren und sie dazu anregen, sich selbst Gedanken zu machen.

Man sei nicht technikfeindlich, betonten die Mobilfunk-Kritikerinnen in Mindelheim

Alle drei betonen, dass sie nicht technikfeindlich sind. „Wir sind nicht gegen Mobiltelefone und Mobilfunk“, sagt Susanne Streitel. „Aber man sollte selber entscheiden können, ob man sich dieser Strahlung aussetzen möchte oder nicht“, findet sie. Ihr Elektrosmog-Detektor, ein Strahlungsmessgerät, zeigt schon jetzt am Mindelheimer Marienplatz die Warnstufe „Gefahr“ an. Wenn die Strahlenbelastung durch 5G weiter zunähme, werde das für elektrosensible Menschen zum Problem. „Wo sollen sie noch leben“, fragt Susanne Streitel.

Sie und ihre Mitstreiter wünschen sich einen vernünftigen Umgang mit der neuen Technik und dass auch Alternativen geprüft werden. Denkbar wären etwa der Ausbau des bisherigen LTE-Netzes und mehr Glasfaseranschlüsse, über die Daten nicht nur schneller und zuverlässiger übertragen werden, sondern die auch deutlich weniger Energie verbrauchen als eine Funkverbindung.

Ihrer Meinung nach sollten die Mandatsträger ihrer Verantwortung gerecht werden und diese nicht nach oben abgeben. Allzu viel Handhabe haben die Politiker auf lokaler Ebene allerdings nicht: Die Kommunen können den 5G-Ausbau nicht verhindern, sondern den Betreibern lediglich Standorte unterbreiten, die in ihren Augen besser geeignet sind. In Mindelheim hatte der Bauausschuss im Mai beschlossen, dass sich die Stadt bei Neubau- oder Erweiterungsabsichten von Mobilfunkbetreibern aktiv in die Standortwahl einbringt.

Doch davon lässt sich die Bürgerinitiative nicht entmutigen. Sie ist überzeugt, den 5G-Ausbau stoppen zu können, bis bewiesen ist, ob die Technik schädlich ist oder nicht – wenn nur genügend Bürger ihre Stimme dagegen erheben. „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“, lautet der Wahlspruch der Bürgerinitiative, die Mindelheim in den vergangenen Tagen ein bisschen bunter gemacht hat: Auf farbigen Plakaten weist sie auf die Risiken von 5G hin – und auch auf den Vortrag „Mobilfunk und 5G – völlig unbedenklich?“ mit dem Sprecher der Bürgerinitiative Wolfratshausen zum Schutz vor Elektrosmog, Hans Schmidt. Der Vortrag findet am Donnerstag, 17. September, im großen Saal des Forums in Mindelheim statt. Einlass ist ab 18.15 Uhr, der Vortrag beginnt um 19 Uhr. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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