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Mundartwettbewerb in Mindelheim

24.03.2016

So hören sich Sieger an

Sie gewannen den Mundartwettbewerb: Dr. Johann Liebrich, Petra Klotz, Reinhard Heuß, Christine Ledermann und Alfons Biber.
Bild: Ulf Lippmann

Die Mindelheimer und die Memminger Zeitung haben einen Mundartwettbewerb veranstaltet. Hier kommen die Sieger im Video.

Fast 100 Unterallgäuer haben sich am Mundartwettbewerb der Mindelheimer und Memminger Zeitung beteiligt. Vor Kurzem wurden die Sieger gekürt - hier kommen ihre Texte und je ein Video, das die Autoren beim Vortrag zeigt.

Die ersten fünf Plätze belegten folgende Teilnehmer:

Petra Klotz aus Amendingen sinnierte über den Memminger Dialekt:

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Bei mir merkt jeder ziemlich schnell, mei Dialekt isch ganz schpeziell. Bin i verreist, dann kommt sofort: „Wo spricht man so? Wo liegt der Ort?“

In Bayern, kommt’s mir erscht in Sinn, doch wenn i in d’r Hauptstadt bin, merk i’s und hör’s an jedem Eck, von „bayrisch“ bin i ganz weit weg.

Guat, dann grenz i’s eaba ei’, no möcht i halt vom Allgäu sei. Mit dene fühl i mi verbonda, dia lehnet’s ab, wohn viel z’weit donda.

Aber Schwob will i mi nenna, des laß i mir ganz g’wieß it nemma. Do wirft d’r Württaberger ei’, dass er „der echte Schwabe“ sei.

I bin verwirrt und wer’ ganz schtill, weil mi koiner „sprochlich“ will. Mei Reda isch a Duranand, irgendwo vom Niemandsland.

In Zukunft isch mir des egal, mei Dialekt isch erschte Wahl. Bin i verreist und’s kommt von dort: „Wo spricht man so? Wo liegt der Ort?“

Dann sag i jedem: „Hoarch guat na! Wia i schwätz, schwätzt ma z’Memminga!“

Hier geht‘s zum Video von Petra Klotz

Christine Ledermann aus Türkheim schrieb ihre Verse über "s’Leaba":

Jed´s Leaba haut sein eigna Gang und, i hoff doch, an bsondra Klang. Doch kommt´s drauf a in welchem Teil der Welt geboara wearsch, dass´d heil aufwachsa kasch, kriabig in Ruah zum Essa hausch, allweil grad gnua.

Jed´s Kend an Zapfa haut zum nolla und schöpfa kasch ganz aus ´m Volla. A Bett zum Schlaufa hausch all Dag. Des isch´s was jeder geara mag.

Doch ka des alls au anderscht sei des Leaba voller Todesgschrei, in Armut, Angst und voller Noat zum Essa hausch koin Ranka Brot!

Wia soll des moara weitergauh? Dau ka di d´Hoffnung scha verlauh!

Drum semmer dankbar dass mer hand des Leaba gschenkt kriagt in ma Land wo´s friedlich isch, wo´s ei guat gauht, wo Freiheit herrscht, wo ma eis laut a Luft zum Schnaufa und zum Leaba. Des kennt doch gar nix scheaners geaba!

Hier geht‘s zum Video von Christine Ledermann

Alfons Biber aus Bedernau erläuterte, was "Dr Bedernauer Dialekt" ist:

Dr Dialekt weard allweil minder, Hochdeutsch redt ma mit seina Kinder, weil jeder echte Schwaub von Welt, manchmal in da Trugschluss fällt, wenn ma redt als wia a Preiß, g´hört ma zum gehobena Kreis, nau haut ma beruflich g´seah, en Riesenvorsprung vornaher. Deam sott ma aber nau empfehla, dua di it lang mit Hochdeutsch quäla, weil ma vielleicht in kurzer Zeit, alls was ma weiß, in englisch sait. Beim Singa isch es eh scho so, fremdländisch klingt Dei Radio.

Drum sind mer froah daß in Beadernau, wo dr Himmel isch ganz bsonders blau, a Schwäbisch gschwätzt weard wie fast neana, luag nauf und na, ob heana, deana. Eiser Schwäbisch klingt fast wia Musik, wer des it glaubt, dean hand mer dick.

Mir schwetzat selta nauch dr Schrift, drum schüttlets mi wia Ratzagift, wenn oi ihr schwäbisch dund verstecka, und schämat sich glei zum verrecka, für ihr schöana Muattersprauch, dia sollat sich des merka auch, a Schwaub wenn Hochdeutsch sprecha ma, hört sich des allweil schwäbisch a.

Liaber a guats Schwäbisch g´schwätzt, als Hochdeutsch, wo all s´ R dinn kretzt. Und ois isch lang scho guat entdeckt, Hochdeutsch isch au bloß Dialekt. Drum send mer stolz auf eiser Sprauch, dia macht eis gwiß koi Preiss it nauch.

Hier geht‘s zum Video von Alfons Biber

Reinhard Heuß aus Memmingen erzählte eine Geschichte übers alte "Kundebuach":

Am Dachboda dob en ’ra uralta Truach hau i gruschtlat ond g’fonda a o’schei’bars Buach. ’S schtauht „Kundebuach vo’ achtzeh’ siemnadreiß’g“ da’. I hock me glei na’ ond fang’s Blättera a’.

Es meichtalat zwar ond v’rpäppt isch es au, doch gauht dös bei söttige Fund it so g’nau. Nau hau’ i dia Zeit om me rom ganz v’rgeassa ond war viele Schtonda beschäftigt mit Leasa.

I fend viele Nema vo’ Memmenger Leit, Verei’ ond Berufe, dia’s längscht nomma geit: Als Boi’ringlerg’sell isch mei’ Urahn d’rbei, macht Rengla ond Knöpf us de Knocha ond Boi’.

I lies vo’ ma Fuhrma’, vom Leicha-a’sger, Vom Metzler, vom Gürtler, vom Schmied, vom Sacktrager, vom Kammmacher, Knopfmacher, Huatmacher au, vom Measserschmied, Flurschütz ond Tuachmachersfrau.

D’r Kuttler v’rschaffet dia Därm vo’ de Rinder, d’r Posamentierer macht Borta ond Bänder. A Bott fährt uf Ulm – oi dont Reagaschirm macha, d’r Wächter vom Mate duat d’Stadt überwacha.

A Loimsiader schtauht it bloß lahmaschet rom, er siadet ond rualet die Knochabrüah om. D’r Weißbloicker hängt seine Tüach’r en Wend, schpritzt Bachwaser druf, bis se blüataweiß send.

Doch oiner vo daumauls verdient heit viel Geld. ’S war der dau vom Einlass, der d’Fuhrwerk aufhält. Er fraugat dia Fuhrleit nauch ihrem Begehra, heit tuat er als Torwart dia Fuaßbäll abwehra.

Dös waret Berufe, dia’s längscht nomma geit. Heit schaffet Maschina ond Reachner statt Leit.

Hier geht‘s zum Video von Reinhard Heuß

Dr. Johann Liebrich aus Frickenhausen gab mit "Ma ond Weib" eine gereimte Geschichte aus dem Paradies zum besten:

Scho lang isch her: Em Paradies, auf ara schena Blomawies, haut eiser Herrgott oscheniert, sein Adam usanandmontiert.

Beim Zammabaua war eahm foil vo seim Skelett a gotzigs Doil. So ibrig war des oine Drom, lang duat’r drom au gar it rom, ond macht mit Ärem, Fiaß ond Leib seim eschta Mensch a bassend’s Weib.

Sein Adam haut des zemla g’schlaucht. Er hätt sei Ripp’ no notig braucht. Doch nau deicht’s en au it schleacht, lang scho suacht’r nauch ma Knecht.

Auf oimoal het’r aus da Boscha, wia dia Oi fangt a zom Goscha: Dass er no emmer budelnacket auf dera Blomawies romflacket.

Dr Herrgott sieht’s vom Hemmal doba, wia sa streitet, dia zoi Globa. „I will koi Jaumrarei me hera! Send fruchtbar ond dond ui vermehra!“

Doch komma isch, mir wisset’s all, bald dr große Sendafall. Bua jetzt gaut’s naus beim Paradies. Pfiahgott, du schena Blomawies!

Auweh Adam, jetzt wead’s mender: A zannigs Weib ond s’Haus voll Kender. Friaher waresch du dr Chef. Doch dau luag na, heit isch dei Ev!

Dr Adam isch zur Einsicht komm: „So ebbas passiert mir nomma! Hätt i bloß nia vom Apfel koschtet! Ab huir wead’s ganze Obscht vermoschdet!

Hier geht‘s zum Video von Dr. Johann Liebrich

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