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Mindelheim

30.10.2018

So pflegen die Unterallgäuer die Gräber ihrer Liebsten

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5 Bilder
„Unvergessen“ sind für Maria Hotter ihr Bruder und ihre Eltern. Mit viel Liebe pflegt sie das Grab auf dem Mindelheimer Stadtfriedhof.
Bild: Ulla Gutmann

An den Tagen vor Allerheiligen richten die Menschen die letzten Ruhestätten ihrer Verstorbenen besonders schön her.

Die Lindenallee und Kapelle Maria Schnee in Nassenbeuren sind bekannt im Unterallgäu. Hier liegt auch, idyllisch gelegen zwischen Wiesen und nicht weit vom Wald entfernt, ein Friedhof mit nur wenigen Urnengräbern. Friederike und Helmut Geistbeck kommen täglich hierher.

Ihr Sohn musste mit 44 Jahren viel zu früh sterben. Seine Urne ist in Nassenbeuren begraben

Für ihren Sohn Stefan, der mit 44 Jahren viel zu früh gestorben ist, wie Friederike Geistbeck erklärt, haben sie den Platz hier bewusst als seine letzte Ruhestätte gewählt, weil sie ganz in der Nähe in Nassenbeuren wohnen. Das Grab ist mit Natursteinen eingefasst, doch man sieht sie kaum noch, denn ein Teppich von grünen Blättern und roten Beeren bedeckt das ganze Grab. Cotoneaster – Zwergmispeln – heißt der Bodendecker. Der Grabstein zeigt ein Foto von Stefan neben der Inschrift. Die Geistbecks pflegen das Grab ihres Sohne mit viel Liebe. Für Allerheiligen ist fast alles fertig, nur die Schale fehlt noch. Die stellen sie erst später aufs Grab, zwischen die Deko-Engelchen, die aus dem roten Beerenteppich hervorlugen.

Früher wurden hier auf dem Friedhof Flüchtlinge beerdigt, die im Lohhof gelebt hatten, berichtet Helmut Geistbeck. Zwei solcher Gräber sind noch zu sehen: „Fern der Heimat“ steht auf einer Grabtafel geschrieben. Hier gibt es vermutlich keine Angehörigen mehr, die täglich vorbeikommen.

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Im Friedhof in Mindelheim ist vor Allerheiligen viel los

Vom beschaulichen Maria Schnee hin zum großen städtischen Friedhof in Mindelheim sind es gerade einmal sechs Kilometer – und doch liegen gefühlt Welten dazwischen. Hier, an der Landsberger Straße in Mindelheim, ist alles viel größer und viel belebter. Gärtnermeister Stefan Häntsche ist mit einem Trupp Gärtner unterwegs, um Gräber für Allerheiligen herzurichten. Er hat einen Kombi dabei, gefüllt mit Pflanzen und Gerätschaften. Jedes Grab wird individuell bepflanzt und geschmückt. „Passend zum Stil des Grabsteins und der Einfassung wählen wir die Pflanzensorten, Farben und die Anordnung auf dem Grab“, beschreibt Häntsche seine Arbeit. „Manchmal erzählen die Kunden auch von besonderen Interessen oder Vorlieben der Verstorbenen. Wenn jemand einst gerne in die Berge ging, wählen wir entsprechende Pflanzen wie Enzian.“ Nicht jeder hat die Zeit, sich selbst um das Grab seiner Angehörigen zu kümmern. Viele wohnen weit weg und so werden Gärtner wie Häntsche beauftragt, die Grabpflege zu übernehmen. Sogar für das eigene Grab ist das möglich: „Wenn jemand keine Verwandten mehr hat, oder niemanden, der die Grabpflege übernehmen will, kann er bei der TBF, der Treuhandgesellschaft der Bayerischen Friedhofsgärtner, einen Vertrag abschließen, zum Beispiel über eine Laufzeit von zwölf Jahren“, weiß Häntsche. Dann wird das Grab des Auftraggebers nach dessen Tod fachgerecht gepflegt. Eine unabhängige Stelle kontrolliert, ob an der letzten Ruhestätte alles in Ordnung ist.

Von Apfeltrach aus kommt Maria Hotter regelmäßig an den Mindelheimer Friedhof

Ein Stück weit von Häntsche entfernt, kauert Maria Hotter vor dem Grab ihres Bruders Alois Wiedemann. Er starb mit nur 31 Jahren bei einem Verkehrsunfall. Damals hatte ihre Mutter, die inzwischen mit ihrem Mann im selben Grab ruht, einen besonderen Wunsch an ihren Schwiegersohn, den Mann von Maria Hotter. Der versierte Hobbyhandwerker Ewald Hotter sollte aus einzelnen handgefertigten Buchstaben das Wort „Unvergessen“ schmieden. Auch in diesem Jahr legt Maria Hotter die Buchstaben in einem Bogen auf das Grab und befüllt sie mit hellen Marmorsteinen. Hotter lebt in Apfeltrach und sie kommt oft hierher, um am Grab nach dem Rechten zu sehen. Direkt vor Allerheiligen stellt sie noch eine Gärtnerschale aufs Grab und eine Kerze, die rechtzeitig angezündet wird.

Zu Allerheiligen stellt Helga Löb ein paar Rosen auf das Grab in Pfaffenhausen

Auch Helga Löb ist die Kerze wichtig. In Pfaffenhausen hat sie beobachtet, wie schon den ganzen Oktober über fleißig Gräber verschönert wurden auf dem Friedhof im Ort, wo auch sie das Grab ihrer Eltern Georg und Rosa Löb pflegt. Besonders nach einem Nachtfrost mussten viele Pflanzen entfernt werden. Helga Löbs Devise: „Das Grab muss sauber und ordentlich sein.“ Von übermäßig viel Grabschmuck hält sie nichts. Den braucht sie auch nicht, denn der Grabstein, noch gefertigt von ihrem Vater, dem Bildhauer Löb, ist für sich schon ein Schmuckstück mit dem kunstvoll gestalteten Halbrelief. Zu Allerheiligen stellt sie noch ein paar frische Rosen aufs Grab. Die Steine der Randeinfassung werden geputzt, letzte Laubblätter entfernt, dann ist alles bereit für das christliche Fest am Donnerstag, bei dem nicht nur der Heiligen gedacht wird, sondern aller Verstorbenen.

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