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Rammingen

15.01.2020

Turbulente Nominierung mit Geschrei und Geschubse

Ulrike Degenhart setzte energisch durch, dass sie doch ans Mikrofon durfte.
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Ulrike Degenhart setzte energisch durch, dass sie doch ans Mikrofon durfte.
Bild: Alf Geiger

Plus Rammmingens Bürgermeister Schwele strebt seine fünfte Amtsperiode an. Auf der Nominierungsversammlung ging es turbulent zu - wie unser Video zeigt.

Ging bei der Nominierung der gemeinsamen Liste der FWG/UWG Rammingen alles mit rechten Dingen zu? Ulrike Degenhart, die bei der letzten Wahl für die FW in den Ramminger Gemeinderat einzog, machte deutlich, was sie von dieser Liste hält: „Das ist ein Anschlag auf die Demokratie“, schrie Degenhart in den Saal und den Verantwortlichen der FWG/UWG ins Gesicht.

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Grund für ihren Ärger: Sie und FW-Rat Thomas Kerler seien gar nicht erst gefragt worden, ob sie erneut für die FW kandidieren wollen. Und weil sie das für unfair halte, forderte sie eine Abstimmung darüber, ob die von der FWG/UWG als „geschlossene Liste“ für weitere Vorschläge geöffnet werden müsse. Sie habe sich dafür beim Landratsamt schlau gemacht und erfahren, dass derartige Anträge und Änderungsvorschläge berücksichtigt werden müssten.

Ulrike Degenhart stürmte in Rammingen ans Rednerpult

Mit allem Nachdruck stürmte die zierliche Frau ans Rednerpult, wo sie vom stämmigen Wahlleiter Georg Schmid mehrfach vom Mikrofon abgedrängt wurde. Es wurde geschrien, geschubst und gejohlt – doch am Ende setzte sich Ulrike Degenhart energisch durch und es wurde doch getrennt darüber abgestimmt, ob die Kandidatenliste noch erweitert werden sollte.

Turbulente Nominierung mit Geschrei und Geschubse

Das Ergebnis war aber eindeutig: von den 210 abgegebenen Stimmen wollten 189 keine Öffnung der Liste. Degenhart reagierte enttäuscht und stellte gestern auf Anfrage der MZ klar, dass sie nun keine eigene Gemeinderatsliste initiieren wolle: „Meine Kandidaten, welche auch auf der Versammlung waren, sind leider nach diesem Szenario abgesprungen, so wie ich auch“, so Degenhart.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Trubel bei der Nominierungsversammlung der neuen Gemeinschaftsliste FWG/UWG Rammingen. Ulrike Degenhart ergreift das Wort.
Video: Alf Geiger

Der Ramminger Bürgermeister will wieder antreten

Bürgermeister Anton Schwele hingegen will es nochmal wissen: Der 67-Jährige tritt am 15. März erneut als Kandidat für das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters in der 1600-Einwohner-Gemeinde Rammingen an. Wird er gewählt, wäre das seine fünfte Amtszeit als Ramminger Rathauschef, nachdem er zuvor schon zwölf Jahre als 2. Bürgermeister aktiv war.

Bei der Nominierungsversammlung der neuen Gemeinschaftsliste der Freien Wählergemeinschaft (FWG) und der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) bekam Schwele dafür eine eindrucksvolle Mehrheit: Von den 186 abgegebenen Stimmen entfielen 161 auf Schwele, der als einziger Kandidat ins Rennen geschickt worden war.

Im proppenvollen Saal versprach Amtsinhaber Schwele: "Wir werden die bisherige Arbeit fortsetzen"

Schwele freute sich sichtlich über diesen „überragenden Vertrauensbeweis“, wie er es in seiner kurzen Dankesrede nannte. Und er versprach den Rammingerinnen und Rammingern im proppenvollen Saal des Gasthauses „Stern“, dass sie sich weiter auf ihn als Bürgermeister verlassen könnten: „Wir werden die bisherige Arbeit fortsetzen“, stellte Schwele klar.

Und dass diese bisherige Arbeit aus Schweles Sicht erfolgreich war, zeigte er zuvor in seiner Vorstellungsrede auf: Seit mehr als 50 Jahren engagiere er sich in seiner Heimatgemeinde in unterschiedlichen Funktionen und Vereinen und eben auch in der Kommunalpolitik an vorderster Front. Gemeinsam mit „der Mehrheit der Gemeinderäte“ hätten in dieser Zeit eine ganze Menge großer und wichtiger Projekte verwirklicht werden können.

Wer genau hin hörte, der konnte aus Schweles Worten durchaus auch einen versteckten Seitenhieb auf die „Opposition“ im Ramminger Gemeinderat aus den drei Vertretern der Bürgerliste der Bürgerliste und den beiden „abtrünnigen“ Gemeinderäten der FWG, Ulrike Degenhart und Thomas Kerler, heraushören. Die Gräben zwischen diesen beiden Lagern im Ramminger Rat haben in den vergangenen Jahren immer wieder hohe Wellen geschlagen und hatten sich unter anderem an der Frage nach Sinn und Unsinn des inzwischen gebauten und eingeweihten Gemeindehauses entzündet. Später in der turbulenten Nominierungsversammlung sollte noch deutlich werden, wie vergiftet das kommunalpolitische Klima in Rammingen inzwischen ist.

Schwele sprach über die Erfolge des Gemeinderats unter seiner Regie

Schwele ließ es zunächst bei dieser Stichelei bewenden und nahm lieber die Erfolge des Gemeinderates unter seiner Regie in den Fokus: Sanierung der Tiefbrunnen in Unterrammingen, neue Technik für die Trinkwasserversorgung in Oberrammingen, neue Baugebiete, die kostenlose Glasfaserversorgung für jedes Haus im gesamten Ort, eine weitsichtige Grundstückspolitik, ein neuer Bauhof mit mehreren neuen Fahrzeugen, der Ausbau der Hauptstraße, die finanzielle Unterstützung der örtlichen vereine, mehr Urnengräber, der Ausbau der VG-Kläranlage in Türkheim, Umbau und Sanierung der Schule – und allem voran eben der Bau des Gemeindehauses. Trotz all dieser Projekte mit Gesamtkosten von rund 15 Millionen Euro stehe die Gemeinde nach wie vor auch finanziell glänzend da, sei und bleibe schuldenfrei und habe sogar noch Reserven in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro angespart, wie Schwele betonte: „Der Gemeinderat musste in den vergangenen 24 Jahren noch nie eine Kreditaufnahme beschließen“.

Und die Arbeit werde den Ramminger Kommunalpolitikern auch in den kommenden Jahren bestimmt nicht ausgehen: Ganztagesbetreuung an der Grundschule, die restliche Sanierung der Trinkwasserversorgung, der Bau einer Seniorenwohnanlage, die weitere Erschließung von Baugebieten, der Bau der geplanten Bahnunterführung in Oberrammingen, der Kauf eines neuen Löschfahrzeuges für die Feuerwehr – es gebe also auch in den kommenden sechs Jahren noch viel zu tun, und Schwele machte klar, dass er dafür auch weiterhin die Verantwortung übernehmen will.

Unter dem johlenden Beifall seiner Fans zitierte Rammingens Bürgermeister Schwele aus der Bibel

Er versicherte, dass er das Vertrauen dann nicht enttäuschen werde: „Mit der Unterstützung unserer Listen wählen Sie schon die richtigen Leute. Wir haben unsere Zusagen bisher immer eingehalten und werden dies auch in Zukunft tun, darauf dürfen Sie vertrauen“, so Schwele. Und zum Schluss gab es dann doch noch einen unverblümten Seitenhieb: „Hört nicht nur auf ihre Worte, messt sie an ihren Taten. Denn viele sprechen vortrefflich und handeln schlecht“, zitierte Schwele unter dem johlenden Beifall seiner Fans im Saal aus der Bibel. Jeder der mehr als 200 Anwesenden wusste, dass damit die „Opposition“ im Ramminger Rat gemeint war.

Die FWG und die UWG waren bei der vergangenen Wahl noch mit getrennten Listen angetreten. Da es aber immer schwieriger werde, Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalpolitik zu begeistern, hätten sich die beiden Wählergemeinschaften zu einer gemeinsamen Nominierung entschlossen, erklärte FW-Gemeinderat Hans Schindele.

Nach einer turbulenten Wahl wurden die Kandidaten in der Reihenfolge ihres Stimmenanteils wie folgt nominiert: 1. Manuel Rauscher, 2. Christian Reiber, 3. Hans Schindele, 4. Georg Schmid, 5. Volker Schwarz, 6. Johann Zitzler jun., 7. Andreas Wachter, 8. Andrea Miller, 9. Anton Schwele, 10. Ulrich Binzer, 11. Thomas Kirschner, 12. Erich Schweiger.

Hier erfahren Sie mehr über die Kommunalpolitik in Rammingen:

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