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Rammingen

28.05.2015

Von Rammingen nach Boston

Zweimal im Jahr kommt Thomas Sing aus den USA in seine Heimat Rammingen zurück.
Bild: Franz Issing

Thomas Sing zaubert in den USA seinen Kunden ein Lächeln ins Gesicht - und zwar im Wortsinn.

Vor sechs Jahren flatterte dem jungen Zahntechnikermeister ein Schreiben der weltberühmten Harvard-Universität in Boston auf den Tisch. Darin wurde ihm Arbeit in Neu-England für eine begrenzte Zeit von 18 Monaten angeboten. Thomas Sing überlegte nicht lange und sagte zu. Leben und Arbeiten in Amerika, das gefiel ihm so gut, dass er sein Visum verlängern ließ und blieb, zumal berufliche Erfolge nicht ausblieben. So eröffnete der junge Mann in einer der schönsten und attraktivsten Städte an der Ostküste der USA ein eigenes Labor, arbeitet weiterhin für die Uni und bedient auch Patienten aus ganz Europa.

„Es hat sich halt herumgesprochen, dass ich deutsche Wertarbeit abliefere und den Damen wieder ein schönes Lächeln spendieren kann“, begründet er seinen beruflichen Aufstieg. Thomas Sing hat sich auf keramische Frontzahnrestauration spezialisiert und vermag auch Problemfälle zu lösen. Sein Handwerk hat er in dem Bad Wörishofer Dentallabor „Langerspacher & Christ“ gelernt und vor der Handwerkskammer für München und Oberbayern die Meisterprüfung abgelegt. „Es hat sich ausgezahlt, dass ich, stets dem Rat meines Lehrherrn folgend, nicht abgehoben habe, sondern auf dem Boden geblieben bin“, bemerkt er.

Inzwischen spricht der gebürtige Ramminger Zahntechniker auch fließend Englisch. „Fast besser als Deutsch“, scherzt er und fügt lachend hinzu:„Schwäbisch verlernt man nie.“ Und weil Thomas Sing in Massachusetts auch die Liebe seines Lebens, eine Kolumbianerin, kennengelernt und geheiratet hat, beherrscht er auch die spanische Sprache ganz passabel. Dabei hatte ihn einst sein Englisch-Lehrer am Mindelheimer Maristenkolleg als „sprachunbegabt“ eingestuft. Wie sich doch auch Pädagogen irren können.

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Thomas Sing hat schon viele Vorträge auf internationalem Parkett gehalten. „Doch noch nie war ich so nervös, wie bei meinem Referat im Forum in Mindelheim, wo mein Lehrmeister und frühere Kollegen meine fachlichen Ausführungen mit großem Interesse verfolgten“, gibt er zu. Der Zahntechnikermeister aus Boston nahm als Referent an einem Symposium des Masur-Implantat-Zentrums teil und weihte etwa 350 Zahnmediziner und Zahntechniker in die Geheimnisse seiner Kunst ein. „Die haben sich gewundert, dass da mal ein junger Spund am Rednerpult steht und es versteht, besonders die junge Generation der Zahnärzte zu motivieren.“

Der „Wahl-Bostoner“ lobt vor allem das duale Ausbildungssystem in Deutschland. „In Amerika zählen meist nur Masse und günstige Preise“, weiß er und steuert daher bewusst mit handwerklicher Qualitätsarbeit „Made in Germany“ dagegen. „Meine Kunden zählen zu den Leuten, die schon mal in etwas investieren, das lange hält und besser aussieht“, erzählt er.

Als Thomas Sing nach Amerika „auswanderte“, war der Trennungsschmerz bei den Eltern in Rammingen lange groß. Inzwischen sind sie auf ihren einzigen Sohn jedoch richtig stolz. „Weil er seine schwäbischen Wurzeln nie verleugnet hat und natürlich geblieben ist“, sagt seine Mutter. Sie ist sich auch im Klaren darüber: „In Amerika standen ihm alle beruflichen Türen offen“.

Zweimal im Jahr kommt der „Ausreißer“ nach Rammingen zu Besuch. „In Boston wohne und arbeite ich, aber hier bin ich daheim“, lautet sein Credo. Ewig will Sing ohnehin nicht in den USA seine Brötchen verdienen. Er spielt vielmehr mit dem Gedanken, sich in absehbarer Zeit „irgendwo in Süddeutschland mit einem eigenen Labor niederzulassen“.

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