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27.06.2017

Wasser, wo bist du?

In Westernach wird derzeit nach Wasser gebohrt.
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In Westernach wird derzeit nach Wasser gebohrt.
Bild: Melanie Lippl

Rund um Westernach wird gerade nach Trinkwasser gebohrt und gesucht. Doch das ist gar nicht so einfach.

Dass jederzeit sauberes Wasser aus dem Hahn kommt, ist für uns ganz normaler Alltag. Erst Zwischenfälle mit verunreinigtem Trinkwasser wie derzeit in Türkheim erinnern uns daran, wie wertvoll sauberes Wasser doch ist – und wie wenig selbstverständlich. Doch woher kommt das Wasser, das wir täglich trinken, zum Waschen und Kochen verwenden? Und wie findet man es? Vor diesen Fragen stehen gerade die Mitglieder des Zweckverbands Wasserversorgung Westernach-Egelhofen. Ihr Brunnen müsste saniert werden – oder ein neuer müsste her, womöglich an einer anderen Stelle. Doch das alles ist nicht so einfach.

Der derzeitige Brunnen, der oberhalb von Westernach direkt an der Straße in Richtung Bergerhausen liegt, besteht schon seit mehr als 60 Jahren. Der Speicher ist noch weiter oben am Berg, eine Pumpe sorgt dafür, dass das Wasser hinauf gelangt. Versorgt werden neben Westernach und Egelhofen auch Bergerhausen, Mindelberg, Doldenhausen, Heinzenhof und Lohhof. Auch wenn es sich um kleine Orte handelt: Das Leitungsnetz ist lang. Gefördert werden zwischen 80000 und 90000 Kubikmeter pro Jahr.

Eine Sanierung wäre eine „OP am offenen Herzen“

Gerhard Reichert ist der Vorsitzende des Zweckverbands. Wie er berichtet, ist das Wasserwirtschaftsamt in Kempten nicht gerade begeistert vom bisherigen Brunnenstandort an der Straße nach Bergerhausen. „Es könnte ja was passieren“, sagt Reichert und meint damit einen Vorfall, der dazu führt, dass das Wasser in der engeren Schutzzone um den Brunnen verunreinigt wird – beispielsweise durch auslaufendes Öl nach einem Unfall auf der Straße. Eine Sanierung gleiche zudem einer „OP am offenen Herzen“, so Reichert: Verunreinigungen des Wassers wären beispielsweise möglich oder dass weniger Wasser kommt als zuvor.

Ein neuer Brunnen wäre also eine sinnvolle Lösung, lautet die Schlussfolgerung. Doch wo bohren? Schließlich weiß niemand genau, woher das Wasser kommt. In Plänen von 1963 ging man von einer Tiefenwasserströmung von Bergerhausen her aus, Ende der Achtziger Jahre dachte man dann, das Wasser komme von Auerbach. Zwei Versuchsbohrungen 2014 und 2016 bei Westernach hatten ebenfalls kein zufriedenstellendes Ergebnis erbracht. Zwei Wünschelrutengänger ermittelten den bereits bestehenden Brunnen als perfekten Standort. Nur eins ist klar: Die Fragen, woher das Wasser kommt und welcher Standpunkt für einen Brunnen ideal ist, kann derzeit niemand hundertprozentig beantworten.

Um zu ermitteln, aus welcher Richtung das Westernacher Wasser kommt – und damit auch, wo ein (neuer) Brunnen und eine (neue) Schutzzone sinnvoll sind –, werden nun Probebohrungen gemacht, sogenannte „Grundwasserermittlungsbohrungen“. Sie kosten rund 50000 Euro. Sieben solcher Bohrungen sind genehmigt worden, zudem vier sogenannte Rammkernsondierungen mit einem kleineren Durchmesser, um die Deckschichten zu erkunden. Die Grundstückseigentümer sind laut Reichert alle einverstanden. Mit zwei Bohrungen zur Ermittlung von Grundwasser westlich von Westernach geht es erst einmal los.

Bald beginnen die Pumpversuche

Zwei bis drei Tage dauert es, bis eine Bohrung vollendet ist. Immer weiter schiebt sich der Bohrer in die Erde, insgesamt etwa 35 Meter tief. Immer wieder lassen die Arbeiter der Mindelheimer Firma Abt einen Teil des großen Geräts nach oben fahren. Mit dabei ist immer wieder eine neue Schicht aus der Tiefe der Erde. Alle Meter machen sich die Arbeiter Notizen und legen einen Teil des nach oben beförderten Bodens in Holzkisten, bei denen jedes Abteil mit der entsprechenden Bohrungstiefe in Metern markiert ist. Wer sich diese Kästen ansieht, weiß, wie es tief unter der Erde aussieht: Während die Klumpen aus den ersten Metern noch braun und lehmig sind, gibt es in den Schichten weiter unten fast nur noch grauen Sand. Im Anschluss an die Bohrungen wird die Bohrstelle ausgebaut und es kommt zu ersten Pumpversuchen.

Gerhard Reichert, der in der Nähe wohnt, schaut regelmäßig vorbei. Seit April 2016 ist er Vorsitzender des Zweckverbands. „Wasser ist Leben“, lautet das Motto. Natürlich hätte man sich dem Mindelheimer Wasser anschließen können, erläutert er. Aber: „Ein Wasserrecht gibt man nicht auf“, sagt Reichert und fügt hinzu, dass auch die Bürger hinter ihm stünden. Theoretisch hätten diese für die Zeit der Bohrungen ihr Wasser abkochen müssen – eine Sicherheitsmaßnahme. Damit sie sich den Aufwand sparen können „und um ein Grummeln im Bauch zu verhindern“, hat der Zweckverband nun eine Anlage besorgt, die das Wasser mittels UV-Licht keimfrei macht. Trinkbares Wasser aus Westernach soll auch weiterhin selbstverständlich sein.

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