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150 Jahre Postkarte

26.08.2020

Wetter schön, Essen gut: Urlaubsgrüße aus Bad Wörishofen

Lothar Cornely setzt seit Jahrzehnten die Kneippstadt Bad Wörishofen ins Bild. Seine Ansichtskarten gehen aus Bad Wörishofen in viele Länder. Aber das Geschäft hat sich gewandelt.

Plus Vor 150 Jahren verschickte ein Buchhändler die erste Ansichtskarte. Wie beliebt die Bild-Botschaften aus der Ferne heute noch sind, weiß kaum jemand besser als Lothar Cornely, der sie selbst herstellt.

Idylle vielerorts, Landschaftszauber und ein aktives Kurleben. All das und dazu noch einige Sehenswürdigkeiten hat die Kneippstadt zu bieten. Und kaum jemand kennt ihre Historie und die landschaftlichen Vorzüge besser als Lothar Cornely. Mit seiner Kamera und Gespür für das richtige Motiv ist der Wörishofer seit Jahrzehnten im Allgäu und vor allem in und um Bad Wörishofen auf der Jagd nach schönen Postkarten-Motiven. Die erste „Correspondenz-Karte“ verschickte im Sommer 1870 der Oldenburger Buchhändler August Schwartz. Und trotz „Whats-App“ und Co. ist die Ansichtskarte mit Urlaubsgrüßen an die Lieben daheim auch nach 150 Jahren beliebt.

„Wer findet nicht gerne eine Postkarte aus Pappe mit einem schönen Bild und lieben Grüßen aus der Ferne in seinem Briefkasten“, sagt Cornely und zeigt seine Kollektion der vielen hundert aktuellen und nostalgischen Ansichtskarten.

Schick angezogen auf Bad Wörishofens Kurpromenade: In Lothar Cornelys Sammlung finden sich auch solch alte Ansichtskarten.
Bild: Cornely Verlag/ Repro: Issing

„Ein gutes Auge und der Blick für reizvolle Details gehören schon dazu, wenn ich mich auf die Lauer lege, um Bilder einzufangen, die den Geschmack der Masse treffen“, erwähnt er und fügt hinzu: „Auch Lichtverhältnisse und das Wetter müssen passen.“ Da käme es schon mal vor, dass er ein Objekt der Begierde mehrmals aufsuchen muss, um seine Schokoladenseite abzubilden. „Wenn man da nicht den nötigen Aufwand betreibt, wird es nichts“, weiß der Fotograf aus Erfahrung. Und er verrät, dass Postkarten mit Motiven aus dem Kurpark von Bad Wörishofen nach wie vor Renner sind. Besonders gut laufen die Motive mit den Alpen im Hintergrund, verrät Cornely. In Bad Wörishofen hofft der Fotograf deshalb immer auf Föhn, damit die Berge besonders gut zur Geltung kommen. Weniger beliebt sind dagegen etwa Blumenmotive oder die Karten mit künstlerischem Anspruch, die Cornely ebenfalls gerne fertigt.

Viele hundert Motive aus der Kneippstadt Bad Wörishofen

Viele hundert Kneippstadt-Motive hat der Verleger in seinem Archiv. Winterliche ebenso, wie sommerliche Landschaftsaufnahmen. Auch Bildkollagen, Schmuckkarten sowie witzige Kneipp-Karikaturen und Ansichtskarten, die das Kurleben um anno 1900 aufleben lassen, sind darunter. Auf den nostalgischen Grußkarten aus Bad Wörishofen sieht man Kurgäste in eleganten Kleidern auf der Flaniermeile lustwandeln.

Auch Spaß muss sein, wenn es zur Kur nach Bad Wörishofen geht. Dafür sorgten auch Ansichtskarten mit Karikaturen.
Bild: Cornely Verlag/Repro: Issing

Früher versandte Cornely täglich hunderte von Postkarten an seine Kunden. Nicht selten 12.000 im Jahr. Historische Fotos ließ er reproduzieren. Zeitweise beschäftigte der anno 1932 im Rheinland gegründete und 1946 nach Bad Wörishofen übergesiedelte Verlag auch einen Grafiker, der das Bade- und Kurleben mit viel Witz auf einem Stück Pappe inszenierte. Auch heute noch sind Postkarten beliebt, wenngleich die Nachfrage sichtbar nachgelassen hat. Cornely druckt aktuell noch eine Auflage von 3000 Karten pro Jahr. Heute konzentriere sich das Geschäft hauptsächlich auf Bad Wörishofen, berichtet Cornely. Die Gäste der Kneippstadt schätzen die Ansichtskarten aus ihrem Urlaubsort nach wie vor. Früher war Cornely etwa auch in Füssen tätig, wo die Königsschlösser stehen. Für besonders beliebte Motive nimmt der Wörishofer auch durchaus wagemutige Aufstiege auf sich. Auf diese Weise setzt er beispielsweise das Schloss Neuschwanstein möglichst spektakulär in Szene. Ein Motiv, bei dem man sich von der großen Masse abheben muss, um erfolgreich zu sein.

Früher ging Lothar Cornely per Ultra-Leichtflugzeug in die Luft

Viele Aufnahmen aus Cornelys Ansichtskarten-Kollektion sind buchstäblich aus der Luft gegriffen. Während er in früheren Jahren Luftaufnahmen aus seinem Ultra-Leichtflugzeug schoss, hält heute eine Drohne Gebäude-Komplexe und Landschaften im Bild fest.

Es ist noch nicht so lange her, dass Cornely auch mit Flyern Kurbetriebe mit gut bebilderten Prospekten ins rechte Licht setzte und damit gutes Geld verdiente. Doch dieses Geschäft sei ihm quasi über Nacht weggebrochen. „Die werben nur noch im Internet um Gäste“, klagt er.

Ein gutes Auge muss Lothar Cornely schon haben, um besondere Motive zu entdecken, zum Beispiel in diesem Rosenstrauch.
Bild: Franz Issing

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