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Tussenhausen

28.04.2019

Wie sich Franz Beggel für Tussenhausen einsetzt

Familie Beggel fühlt sich wohl in Tussenhausen. Mit seinem Einsatz sorgt Franz dafür, dass der Ort attraktiv bleibt. Das Bild zeigt ihn mit seiner Frau Andrea sowie den Töchtern Johanna und Lena (rechts).
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Familie Beggel fühlt sich wohl in Tussenhausen. Mit seinem Einsatz sorgt Franz dafür, dass der Ort attraktiv bleibt. Das Bild zeigt ihn mit seiner Frau Andrea sowie den Töchtern Johanna und Lena (rechts).
Bild: Stoll

Franz Beggel gehört zu jenen, die wissen: Nur wenn viele etwas für den Ort tun, kann Tussenhausen lebenswert bleiben. Der Maibaum ist so eine gute Gelegenheit.

Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Wer aber sind diese Menschen, die sich für ihren Ort selbstlos einsetzen und jede Menge Freizeit für andere opfern? Die Mindelheimer Zeitung stellt in einer losen Reihe solche Vorbilder vor.

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Mit dem Radfahrverein fing alles an. Das war ein eingeschworener Kreis von Tussenhausener Freunden, die im Pulk gemeinsam zu fröhlichen Strampel-Touren aufbrachen und dabei besonders die Geselligkeit pflegten. Als dann vor Jahren die Mindelheimer Zeitung zum Maibaumwettbewerb aufrief, um die alte Tradition wieder aufleben zu lassen, motivierte das die Gruppe: Ja, da sind wir dabei, aber nicht als Radfahrverein, sondern als Maibaumfreunde Tussenhausen.

Franz Beggel kennt die Anfänge nur noch vom Hörensagen. Er kam dazu, da war er gerade 16 Jahre alt. Er wollte einfach Anschluss bei den Großen haben. Heute ist er 36 und seit sieben Jahren der Chef. Einen Vorsitzenden gibt es nicht. Die Maibaumfreunde sind auch kein eingetragener Verein. Einen „wilden Haufen“ nennt Beggel das Gebilde, das es allerdings Jahr für Jahr fertig bringt, einen der schönsten Maibäume im Unterallgäu aufzustellen.

Wie sich Franz Beggel für Tussenhausen einsetzt

Auch Andrea, die Frau von Franz Beggel, ist rund um den Maibaum in Tussenhausen fest eingebunden

In der Woche vor dem 1. Mai haben die 30, 35 Burschen und Männer mit ihren Freundinnen und Frauen alle Hände voll zu tun. Zuerst geht es rauf in den Angelberger Forst, wo der prächtige Maibaum geholt wird. Der Staatsforst verkauft den Maibaumfreunden jedes Jahr einen besonders schönen Baum zum Sonderpreis. Mit Bulldog und Wagen, den Bauern bereitstellen, geht es runter ins Tal in die neue Fundushalle. Dort haben die Maibaumfreunde eigene Räume, wo sie ihr Werkzeug lagern können.

In der Nacht auf Samstag, etwa zehn Tage vor dem 1. Mai, wird dann mit Hochdruck gearbeitet. Die Rinde muss runter, die Schnitzereien müssen angefertigt und die Sinnbilder am Baum befestigt werden. Wie genau heuer der Maibaum aussehen wird, das will Franz Beggel noch nicht verraten. In der Vergangenheit waren es oft die Bayern- und Tussenhausen-Wappen, die den Baum verschönerten.

Die Frauen kümmern sich an einem anderen Tag um die Kränze für den Maibaum, die aus dem Grünzeug geflochten werden. Da macht auch Andrea mit, die Frau von Franz Beggel. Auch sie setzt sich ehrenamtlich ein für ihren 1150 Einwohner zählenden Ort, in den sie der Liebe wegen von Schlingen hergeheiratet hat. Andrea Beggel hilft beim Kinderkleiderbasar mit, beim Zeltlager des Sportvereins für die Kinder, beim Mutter-Kind-Turnen und ist auch im Elternbeirat der Grundschule aktiv. Die siebenjährige Lena geht in die erste Klasse, in ein paar Jahren ist auch die zweijährige Johanna so weit.

Die Maibaumfreunde arbeiten in dieser Nacht der Nächte meist bis 2 Uhr. Dann ist der Baum fertig. Nach Hause geht dann aber keiner. Der Baum will schließlich gut bewacht sein. Bisher hat zwar noch niemand aus einem Nachbardorf versucht, zu einer Diebestour einzufallen, um den Baum gegen Flüssiges wieder herauszurücken. Aber man weiß ja nie. Sicher ist sicher.

Franz Beggel aus Tussenhausen hilft auch beim historischen Fest in Tussenhausen mit

Morgens um sechs oder sieben Uhr kommt der Kran der Firma Kaiser aus Mörgen. Das ist der Moment, wo der Baum neben der Kirche mitten in Tussenhausen aufgerichtet wird. Am 1. Mai feiern dann alle gemeinsam beim Frühschoppen mit Live-Musik von der Blaskapelle. Bei schönem Wetter kommt dann das halbe Dorf zusammen.

Warum machen Leute wie die Beggels die viele Arbeit in ihrer Freizeit? Franz Beggel ist Industrieelektroniker, hat also die Woche über gut zu tun. Er sagt, nur so kann das gute Zusammenleben auf dem Dorf gelingen. Mit der Brauchtumspflege kommen die Leute zusammen. Deshalb hilft der 36-Jährige auch bei der Organisation für das historische Fest mit, das nächstes Jahr wieder in Tussenhausen stattfinden wird. Und er gehört zum Fanclub der Musikkapelle. Immer, wenn die Musiker auswärts auftreten, fahren die Fans mit. „Wir schauen, dass wir sie bestmöglich unterstützen“. Und bei der Feuerwehr ist er auch. Da war Franz Beggel übrigens im vorigen Jahr sogar Übungsbester.

All das strahlt auf die Kinder ab. Die sollen ja später auch mal dafür sorgen, dass Tussenhausen ein lebenswerter Ort bleibt.

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