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Befragung

19.03.2015

Wo Familien der Schuh drückt

Im Prinzip sind die Familien in Mindelheim zufrieden, wie eine Befragung der Stadt ergeben hat. Aber auf einige Defizite haben die Familien hingewiesen (im Uhrzeigersinn von links): Für Jugendliche gibt es keine Disko. Das Radnetz schnitt besonders schlecht ab. Für die Spielplätze sollten modernere Spielgeräte angeschafft werden. Ärgernis sind auch die Mülltonnen auf Geh- und Radwegen.
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Im Prinzip sind die Familien in Mindelheim zufrieden, wie eine Befragung der Stadt ergeben hat. Aber auf einige Defizite haben die Familien hingewiesen (im Uhrzeigersinn von links): Für Jugendliche gibt es keine Disko. Das Radnetz schnitt besonders schlecht ab. Für die Spielplätze sollten modernere Spielgeräte angeschafft werden. Ärgernis sind auch die Mülltonnen auf Geh- und Radwegen.
Bild: Ruddigkeit, Hechelmann, jsto (2)

Stadt und Netzwerk Familie haben jetzt einen umfangreichen Wunschkatalog vorliegen. Vor allem beim Verkehr und bei Treffpunkten für Jugendliche scheint Handlungsbedarf zu bestehen

Die politisch Verantwortlichen sehen Mindelheim nicht nur gerne als Stadt der Kultur und Lebensfreude, sondern auch als besonders familienfreundlich an. Wie familienfreundlich ist die Stadt aber wirklich? Im Vorjahr hatte die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Familie an alle 1450 Familien mit Kindern einen mehrseitigen Fragebogen verschickt. Dieser ist nun ausgewertet. Fazit: Die meisten Familien sind mit ihrer Lage zufrieden. Zugleich aber haben sie eine Liste an Wünschen an die Stadt formuliert.

91 Prozent sind mit den Schulen in Mindelheim zufrieden

Im Jugend-, Kultur- und Sozialausschuss stellte Ute Bergmaier, Leiterin des Sachgebietes Soziales, die Ergebnisse vor. Der Rücklauf war mit 39 Prozent vergleichsweise hoch und übertraf sogar die Fragebogenaktion im Jahr zuvor mit den Senioren. 567 Fragebögen waren ausgefüllt zurückgeschickt worden, teilweise mit umfangreichen Anmerkungen, was die Auswertung zu einem Kraftakt nicht nur für die Verwaltung machte. Auch Helferinnen und Helfer vom Netzwerk Familie hatten alle Hände voll zu tun.

Ute Bergmaier unterteilte die Ergebnisse in vier Bereiche und wo den Familien der Schuh drückt.

129,6 Quadratmeter haben die Familien im Schnitt als Wohnfläche zur Verfügung – ein hoher Wert. Wer in Miete lebt, zahlt meist unter sechs Euro pro Quadratmeter. 41 Prozent liegen darüber. Über zu hohe Mieten klagten mehrere Familien.

Mit dem Wohnumfeld sind 86 Prozent zufrieden. Wenn es Grund zur Klage gibt, dann über Verkehrsprobleme wie zu schnelles Fahren, aber auch wegen Lärm. Knapp 17 Prozent sind mit den Einkaufsmöglichkeiten nicht zufrieden. Ein Modegeschäft für Junge fehle, es gebe keinen Bio-Supermarkt, keinen Babymarkt und im Norden der Stadt fehlt ein Supermarkt – die Debatte um die Obstwiese bekommt wieder Nahrung.

Gut beurteilten 84 Prozent die medizinische Versorgung. Es werden aber Fachärzte vermisst. Offenbar gibt es auch Informationsdefizite. Ein Hautarzt praktiziert regelmäßig am Kreisklinikum, was offenbar zu wenig bekannt ist.

Mit den Schulen sind 91,5 Prozent zufrieden. Aber in den Ortsteilen fehlen Dorfschulen, wird kritisiert. Der Schulweg sei für manche Kinder zu weit, insbesondere zum Maristenkolleg. Angeregt wurde ein Bus im Winter und bei schlechtem Wetter, der die Kinder aus dem Stadtgebiet zum Maristenkolleg fährt.

Damit haben besonders viele Familien so ihre Schwierigkeiten. Die Gehwege seien häufig zu schmal, vor allem wenn sie mit Mülltonnen zugestellt werden wie in der Kaufbeurer oder Bad Wörishofer Straße. Geh- und Radwege würden oft zugeparkt, etwa vor der Bäckerei Mandel. Zu wenige öffentliche Toiletten kritisierten 179 Familien.

Zehn Familien würden gerne aus der Maximilianstraße eine Einbahnstraße machen. Dies würde Kindern mehr Sicherheit geben. In der Krumbacher Straße gebe es zu wenig Fußgängerüberwege. Am Übergang der Krumbacher Straße vom Brunnenweg zur Leipziger Straße soll es Verbesserungen geben, kündigte der dritte Bürgermeister Roland Ahne an, der die Sitzung für den verhinderten Bürgermeister Stephan Winter leitete.

In der Allgäuer Straße wurde die Ausfahrt aus dem V-Markt als schwierig bemängelt. Es gebe dort auch keine kindgerechten Übergänge. Die Landsberger Straße wurde als gefährlich beschrieben. Ampeln würden oft bei Rot überfahren. In Mindelau werde zu schnell gefahren. Es fehle an Verkehrsberuhigung.

Zu wenig Abfallkörbe, zu hohe Hecken an Straßeneinmündungen und schlecht geräumte Wege im Winter waren weitere Kritikpunkte. Stadtbücherei und Rathaus seien nicht barrierefrei.

Die Radwege halten nur 57 Prozent für sicher. Die Zahl dieser Wege sei nicht ausreichend. Sie endeten teils direkt auf den Hauptstraßen wie an der Krumbacher Straße. Am Europabrunnen fehle eine Radspur. Beim Öffentlichen Personennahverkehr wünschen sich vor allem die Ortsteile eine bessere Anbindung an die Stadt.

Die Spielplätze stufen 81,7 Prozent der Familien als sehr gut bis befriedigend ein. Einige meinten aber, Spielgeräte seien veraltet, langweilig oder defekt. Auch die Verschmutzung wurde kritisiert, insbesondere durch Hundekot. Auch sollten die Wiesen häufiger gemäht werden. Gewünscht werden Kletterburgen, Sitzgelegenheiten und ein Infoblatt mit allen Spielplätzen Mindelheims mit Karte.

Rund ein Viertel hält das Freizeitangebot für unter 15-Jährige für verbesserungswürdig. Vor allem gebe es zu wenig davon. Ein Eislauf- oder Skaterplatz im Norden stehen auf dem Wunschzettel.

Bei den über 15-Jährigen fällt die Kritik noch schärfer aus. 35,7 Prozent vermissen Treffpunkte, eine Diskothek und Kneipen für Jugendliche. Dagegen bekamen die Angebote der Vereine und der Kirchen gute Noten. 72 Prozent nutzen diese. Besonders oft genannt wurden der TSV und die beiden großen christlichen Kirchen, aber auch die Musikangebote und die Mindelonia.

Deutlich wurde auch, wie wichtig den Familien Frei- und Hallenbad sind. Allerdings sei das Hallenbad für Kinder und Jugendliche nicht geeignet, finden 71 Familien. Auch nach dem Umbau werde das so bleiben. Das Freibad wurde in der Befragung als zu langweilig angesehen. Das Wasser sei in beiden Bädern zu kalt. Gewünscht wird auch ein modernes Kino.

Die Beratungsangebote für Familien sind einem guten Viertel nicht und weiteren 44 Prozent nur teilweise bekannt.

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