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Mindelheim
23.01.2023

Auf Zeitreise mit Horst Haitzinger

In der Ausstellung "Mehr als nur Europa" zeigt Horst Haitzinger Karikaturen mit Bezug zur Antike. Sein Herzensthema ist bis heute aktuell.

Es gibt Menschen, die nicht häufig erkannt werden, und deren Werk doch unverwechselbar ist. Menschen, die Generationen geprägt, jedoch nur eingefleischte Fans zu Gesicht bekommen haben. Horst Haitzinger ist einer dieser Menschen. Wenn Haitzinger über die Straße geht, muss er keine Sorge haben, dass Passanten ihn überrennen und nach Selfies fragen. Würde man dieselben Menschen anhalten und ihnen Haitzingers Karikaturen zeigen, würden die meisten wohl sagen: "Klar, die kenne ich." Besucherinnen und Besucher des Südschwäbischen Archäologiemuseum in Mindelheim können sich in der Ausstellung "Mehr als nur Europa" seit vergangenem Wochenende von diesem unverwechselbaren Zeichenstil überzeugen. Vor der Eröffnung sprach der Karikaturist dort unter anderem über frühere Fehler und darüber, was ihm in seiner Arbeit immer besonders wichtig war.

Gleich zur Begrüßung hat Horst Haitzinger eine kleine Geschichte über die Mindelheimer Museen auf Lager: "Vor acht Jahren hatte ich hier schon einmal eine Ausstellung. Dadurch haben sich viele Türen für mich geöffnet." Die Türen, von denen Haitzinger spricht, führten vor allem zu Ausstellungen seiner Ölgemälde. In über 60 Jahren hat Horst Haitzinger mehr als 16.000 Zeichnungen veröffentlicht, in denen er dem politischen Zeitgeschehen seine eigene Perspektive verliehen hat: zugespitzt, aber nicht zwingend überspitzt. Vor etwas mehr als drei Jahren, im November 2019, war Schluss. Seitdem ist die Ölmalerei an den Platz der Karikaturen getreten. Ob es ihm angesichts des aktuellen Weltgeschehens nicht hin und wieder in den Fingern juckt? "Auf keinen Fall. Ich bin froh, diese ganzen Katastrophen nicht mehr kommentieren zu müssen Mir würde nichts mehr einfallen." So ganz will er sich von seinem Lebenswerk natürlich nicht verabschieden. Acht Jahre nach seiner ersten Ausstellung ist der 83-jährige Österreicher mit "Mehr als nur Europa" zurück nach Mindelheim gekommen. Diese zeigt vom 21. Januar bis zum 21. Mai ausschließlich Karikaturen, bei denen sich der Künstler antiker oder mythischer Metaphern bedient hat, um das Zeitgeschehen vergangener Dekaden zu kommentieren.

Die abendliche Vernissage musste bereits vom Museum ins Stadttheater verlegt werden, so groß ist der Andrang auf seine Zeichnungen. Beim nachmittäglichen Pressetermin zeigt sich der Wahl-Bayer sichtlich erfreut, aber nicht übermäßig beeindruckt von dieser Tatsache. In Janker, Karo-Hemd und Turnschuhen schaut er sich im Museum um. "Wirklich ein sehr schönes Ausstellungsort", sagt er zu seinem Begleiter Matthias Pausch. Pausch ist Leiter des Römermuseums "Limeseum" in Ruffenhofen bei Ansbach. Er war es, der Haitzinger zu dieser Ausstellung ermutigt und die Konzeption übernommen hat. Schmunzelnd erzählt er von seiner ersten Kontaktaufnahme: "Das war total toll. Wir haben uns sofort gut verstanden und er hat mir gleich ein paar Zeichnungen mitgegeben. Dazu einen Zettel, auf dem stand, dass er mir die Werke überlässt. Einen Leihvertrag haben wir bis heute nicht."

Was Pausch von Anfang an beeindruckt hat, sind die Präzision, mit der Haitzinger die Antike widerspiegelt, sowie die Bandbreite an Sagen und Mythen, die bei ihm vorkommen. So spielen der trojanische Sagenkreis um das berühmte hölzerne Pferd oder den weniger bekannten Laokoon ebenso eine prominente Rolle wie griechische Götter und römische Herrscher. Die Europa, die der Sage nach der verliebte Zeus in Gestalt eines Stieres entführte, hat Haitzinger besonders gerne verwendet: "Es gibt kein schlüssigeres Kürzel als die Europa auf dem Stier, um Europa darzustellen. Und wenn man vermeiden will, aus einer Karikatur ein Bilderrätsel zu machen, dann muss man auf das zurückgreifen, was beim Zeitungsleser präsent ist."

Für Horst Haitzinger ist diese Reduktion aufs Wesentliche ein zentrales Motiv seiner Arbeit gewesen. Seine Metaphern sollten seine Leser zum Nachdenken anregen. Wenn sich jemand sein Bild 30 Sekunden angeguckt hat, war Haitzinger zufrieden. Dabei "den richtigen Ton zu treffen", war ihm ein Anliegen. So hätte er niemals die Karikaturen der Satire-Zeitung Charlie Hebdo gezeichnet. Trotzdem waren Fehler natürlich nicht ausgeschlossen. Wenn Haitzinger heute an frühere Zeichnungen zu Frauen- oder Ausländerthemen denkt, hält er sich beschämt die Hand vor die Augen: "Da hab ich Sachen gemacht, wo ich mich jetzt frage, wo warst du denn da eigentlich?" Bei seinem Herzensthema wähnt sich Haitzinger hingegen seit Jahr und Tag auf einem redlichen Weg: beim Klimaschutz. "Dass wir bei der Atomenergie ein Entsorgungsproblem bekommen würden, war mir schon klar, lange bevor es die Grünen gab", sagt Haitzinger.

Nicht nur durch die Behandlung solcher Themen, sind Haitzinger-Karikaturen Dokumente der Zeitgeschichte. Auch die Karikatur der Tagespolitik hat daran ihren Anteil. Teilweise seien das völlige Belanglosigkeiten gewesen, sagt Haitzinger. Jedoch hätten "grade die Belanglosigkeiten manchmal zu den lustigsten Pointen geführt". Heute erlebt Haitzinger die Karikatur ernster und schroffer: "Wie aggressiv und teilweise obszön Karikatur von jungen Kollegen gemacht wird, da frage ich mich schon, warum sowas überhaupt gedruckt wird." Auf der anderen Seite werde auf bestimmte Dinge auch deutlich empfindlicher reagiert. Vielleicht bildet die Karikatur damit einen Zeitgeist der Polarisierung ab. Was die einen verletzt, ist gerade Anlass genug zur Provokation, auf die wiederum mit nichts anderem als mit einer Gegenprovokation zu antworten ist. Die Dokumente politischer Zeitgeschichte sind selbst zum Politikum geworden.

Im Ausstellungsraum sind mittlerweile weitere Journalisten dazu gekommen, um den Zeichner zwischen seinen Zeichnungen zu interviewen. Eine letzte Frage also. Ob das Karikieren zynisch macht? "Die Gefahr besteht, aber ich habe es immer zu vermeiden versucht." Tatsächlich hat Haitziger, anders als viele andere Satiriker, Politiker zuweilen auch auf ein Podest gehoben. In einer Ecke der Ausstellung hängt das Bild des ehemaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher. Anlässlich seines Ausscheidens aus der Politik hatte Haitzinger ihn als Titan Atlas dargestellt, der die ganze Welt auf seinen Händen trägt.

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