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FC Bayern

25.01.2020

Als ein Mindelheimer von einem Schotten beschenkt wurde

Roter Baumwollstoff, weißer Schriftzug – und vorne drauf weder das Vereinswappen noch ein Sponsorenname: Das Trikot, das Bernd Stegmüller vor 30 Jahren von Bayern-Stürmer Alan McInally bekam, ist ein besonderes Unikat. „Der hatte einen Mordsring am Finger, mit so einem Teil dürftest du heute gar nicht mehr spielen.“
Foto: Axel Schmidt

Plus Vor 30 Jahren gastierte der FC Bayern zum Freundschaftsspiel in Mindelheim. Einer, der dabei ein besonderes Souvenir ergatterte, war Bernd Stegmüller.

In Zeiten, in denen sich Fußball-Bundesligavereine in der kalten Jahreszeit mit Trainingslagern im sonnigen Süden auf die Rückrunde vorbereiten, ist das, was sich vor 30 Jahren in Mindelheim ereignete, kaum mehr vorstellbar. Damals nämlich, am 25. Januar 1990, gastierte der amtierende Deutsche Meister, der FC Bayern München, zu einem Freundschaftsspiel in der Kreisstadt.

Das Stadion hieß damals noch nicht Julius-Strohmayer-Stadion, sondern lag schlicht „Am Mühlweg“ – und war in den Tagen zuvor von Vereinsmitgliedern und Mitarbeitern des städtischen Bauhofs nach allen Regeln der Kunst für das große Spiel vorbereitet worden. Der Rasen musste nämlich erst bespielbar gemacht und von Eisplatten befreit werden. „So etwas würde es heute doch nicht mehr geben“, sagt Bernd Stegmüller.

Auf den FC Bayern bereitete man sich nicht speziell vor

Der heute 53-jährige Familienvater war damals Kapitän der Mindelheimer Bezirksoberliga-Mannschaft – und als solcher natürlich gesetzt für das Spiel der Spiele. Eine eigene Vorbereitung auf das Spiel gab es damals nicht, erinnert sich Stegmüller. Der Mindelheimer Trainer Günther Beyer musste auch keinen seiner Spieler motivieren. „Das war doch klar, dass das für jeden das Highlight war. Wer bei den Bayern alles mitspielte: Aumann, Augenthaler, Flick, Kögl, Wohlfahrt und so weiter“, so Stegmüller. Er selbst sollte es als Verteidiger mit dem Sturmduo „Mic und Mac“ zu tun bekommen: dem Jugoslawen Radmilo Mihajlovic und dem Schotten Alan McInally. Die Bayern kamen – bis auf den verletzten Olaf Thon – damals mit der stärksten Besetzung.

„Für die lief ja schon die Vorbereitung auf die Rückrunde. Und da war es damals schon so: Bei Bayern darfst du dich nicht hängen lassen, sonst bist du weg vom Fenster“, sagt Stegmüller, der damals bei der Firma Grob eine zweite Ausbildung zum Energie-Geräte-Elekoniker machte. Doch auch die Mindelheimer warteten mit einem großen Namen auf: Einige Jahre nach seinem Karriereende in Mindelheim schnürte Franz „Bulle“ Roth gegen seinen Ex-Verein aus München noch einmal die Fußballschuhe. Gegen die Bayern, mit denen er mehrere deutsche Meisterschaften und Europapokalsiege gefeiert hatte, sollte er sein 100. und zugleich letztes Spiel für den TSV Mindelheim absolvieren.

3000 Zuschauer sahen sämtliche Stars in Mindelheim

Das geriet dann – trotz der schwierigen Platzbedingungen – zu einem Fußballfest für die rund 3000 Zuschauer. Zur Halbzeit lagen die Mindelheimer mit 1:6 zurück. Und zum zweiten Durchgang sollte Bayern-Trainer Jupp Heynckes dann auch noch den schottischen Stürmer Alan McInally bringen. „Ich weiß noch, was das für ein Schrank war. Groß, breit – und einen Mordsring hatte der am Finger. Mit so einem Teil dürftest du heute gar nicht mehr spielen“, erinnert sich Stegmüller, der ein gutes Spiel ablieferte. „Ich bin nicht der Typ, dass ich vor einem Profi in Ehrfurcht erstarre. Ich hab mich nicht zurückgenommen.“ Das merkte auch McInally. Er sollte zum 11:3-Sieg der Bayern zwar noch zwei Tore beisteuern, war aber nach dem Spiel durchaus beeindruckt von seinem Gegenspieler Stegmüller.

Der Mindelheimer fragte ihn nämlich höflich um sein Trikot als Andenken. „Er musste erst einmal fragen, ob er das hergeben darf“, so Stegmüller. Offensichtlich aber bekam McInally grünes Licht von Manager Uli Hoeneß und stand plötzlich mit seinem Dress in der Mindelheimer Kabine. „Wir saßen da noch recht abgekämpft und auf einmal stand er da. Er hat mir das Trikot wirklich nachgetragen“, wundert sich Stegmüller heute noch. Er sollte auch der einzige Spieler sein, der eine solche textile Erinnerung an dieses Spiel erhielt.

Das Trikot des FC Bayern damals wäre heute undenkbar

Ein Trikot, das es so auch heute nicht mehr geben dürfte: ohne Brustsponsor, ohne Vereinswappen, komplett aus Baumwolle. Nur auf dem Rücken stehen der Schriftzug „Bayern München“ und die Nummer 14. Die trug der „Neuner“ McInally in diesem Spiel, weil er zunächst nur auf der Bank saß.

Lange Zeit hing das Trikot zuletzt bei seinem Schwager. „Ich bin nicht so der fanatische Bayern-Fan“, sagt Stegmüller. Sein Schwager sei da anders. „Der hat bei diesem Spiel zugeschaut und sich sicher sämtliche Autogramme geholt“, lacht er. Doch mittlerweile ist das rote Trikot wieder bei ihm – und lässt die Erinnerungen wieder lebendig werden: „Wenn man darüber nachdenkt, dass wir damals gegen einige Bayern gespielt haben, die ein halbes Jahr später Weltmeister wurden – das ist schon toll.“

Unser Autor war vor 30 Jahren selbst beinahe dabei:

Als Bayern in Mindelheim spielte kam das Fußballfieber

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