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Türkheim: In Türkheim fliegen die Späne: Holz-Spektakel mit Axt und Motorsäge   

Türkheim

In Türkheim fliegen die Späne: Holz-Spektakel mit Axt und Motorsäge   

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    Manuel Haumer lässt in der Disziplin "Stock Saw" die Sägespähne fliegen.
Der Sportholzfäller träumt von einer Wettkampfteilnahme in Kanada.
    Manuel Haumer lässt in der Disziplin "Stock Saw" die Sägespähne fliegen. Der Sportholzfäller träumt von einer Wettkampfteilnahme in Kanada. Foto: Kathrin Elsner

    "Das kenne ich sonst nur aus dem Fernsehen", sagte ein Zuschauer und blickte fasziniert auf die Axt- und Motorsägenshow der besonderen Art. Im Rahmen des Tages der offenen Tür der "Haus und Holzbau im Allgäu GmbH" ließen drei Sportholzfäller und eine Sportholzfällerin von "Stihl Timbersports" die Fetzen fliegen. Eine rund 30 Kilogramm schwere und nahezu 80 PS starke Motorsäge sorgte für besonderes Aufsehen.

    In wenigen Sekunden fliegen die Holzscheiben beim Sportholzfällen in Türkheim

    "Bitte halten Sie allen Kindern die Ohren zu", warnte der Moderator eindringlich, bevor Lukas Wagesreiter die sogenannte "Hot Saw" startete und ohrenbetäubender Motorsägenlärm noch mehr Zuschauerinnen und Zuschauer zur Show der Königsklasse im Sportholzfällen lockte. 

    Nadine Münzenmaier war mit einer Zeit von 10,49 Sekunden ein Jahr lang
Weltrekordhalterin in der Disziplin "Stock Saw", in der zwei
Holzscheiben innerhalb einer 10cm breiten Markierung abgesägt werden müssen.
    Nadine Münzenmaier war mit einer Zeit von 10,49 Sekunden ein Jahr lang Weltrekordhalterin in der Disziplin "Stock Saw", in der zwei Holzscheiben innerhalb einer 10cm breiten Markierung abgesägt werden müssen. Foto: Kathrin Elsner

    Für Fotos des außergewöhnlichen "Hot-Saw"-Spektakels blieb kaum Zeit, denn für das Absägen der geforderten drei Holzscheiben benötigte der dreifache österreichische Meister nicht einmal sieben Sekunden. "Es ist ein gutes Gefühl als Sportler, wenn´s funktioniert", sagte der 23-Jährige nach seinem Auftritt. In Österreich gilt der gelernte Elektriker als das größte Sportholzfällertalent seines Landes.

    Nadine Münzenmaier aus Neuffen ist eine von drei deutschen Timbersportlerinnen und zeigte ihr Können an der Axt beim sogenannten "Underhand Chop", bei dem der Athlet auf dem Holzblock stehend diesen von beiden Seiten durchschlagen muss. Die einstige Reiterin sattelte im Jahr 2017 auf die ungewöhnliche Extremsportart um. "Es war Zufall, ich habe auf einer Messe die Show der Timbersportler gesehen und es hat mich gleich gefesselt", erinnert sie sich mit leuchtenden Augen. Ihr größtes Ziel sei der deutsche Meistertitel, verriet die 35-jährige Landwirtin und bereitete ihre handelsübliche Motorsäge für die nächste Wettbewerbsdisziplin vor.

    Nadine Münzenmaier ist eine von drei deutschen Timbersportlerinnen und
zeigte ihr Können an der Axt beim sogenannten "Underhand Chop", bei dem der Athlet auf dem Holzblock stehend diesen von beiden Seiten
durchschlagen muss.
    Nadine Münzenmaier ist eine von drei deutschen Timbersportlerinnen und zeigte ihr Können an der Axt beim sogenannten "Underhand Chop", bei dem der Athlet auf dem Holzblock stehend diesen von beiden Seiten durchschlagen muss. Foto: Kathrin Elsner

    Bei der Disziplin "Stock Saw" werden mit einem Abwärts- und einem Aufwärtsschnitt innerhalb eines markierten zehn Zentimeter breiten Bereiches zwei sogenannte Cookies (Holzscheiben) von einem waagerecht angebrachten, 40 Zentimeter durchmessenden, Holzstamm abgesägt. "Mit einer Zeit von 10,49 Sekunden war ich in dieser Disziplin ein Jahr lang Weltrekordhalterin", erinnert sich die dreifache deutsche Vizemeisterin. So manch einer stellte sich die Frage, warum die Sportholzfällerin zarte Stoffschuhe statt Schnittschutzstiefeln trug, bis sie das Geheimnis lüftete: Einem Kettenhemd ähnliche Strümpfe aus Stahlketten.

    Mit einem simplen Werkzeug wie einer Axt lösen die Sportholzfäller Begeisterung aus

    Einen genauso imposanten Eindruck machten die im Anschluss präsentierten zwei Meter langen Einzel-Zugsägen. Eine Holzscheibe am Stück mit der sogenannten Single Buck abzusägen kostete augenscheinlich Kraft, gelang jedoch auch zwei fachkundigen jungen Männern aus dem Publikum. Den Abschluss der Show bildete die Königsdisziplin "Springboard", bei der die Sportler mit einer Axt Kerben in einen senkrechten Baumstamm hackten, um nacheinander zwei Trittbretter (Springboards) als Standfläche anbringen zu können. Das an der Stammspitze befestigte Holzstück wurde zuerst vom Breitenthaler Matthias Thoma abgeschlagen, der somit das Duell knapp gegen Lukas Wagesreiter gewann. Mit 49 Jahren ist der Forstwirt einer der ältesten aktiven Sportholzfäller Deutschlands, der den Wettkampfsport im Jahre 2001 begann, als die Wettkampfserie "Stihl Timbersports" in Deutschland und Europa etabliert wurde. "Am meisten fasziniert mich, dass man mit dem simplen Werkzeug Axt so viel fertig bringen kann", sagte er und verriet, dass das Sportholzfällen in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland ein Volkssport sei.

    "Springboard" ist die Königsdisziplin des Sportholzfällens, bei der die
Sportler mit einer Axt Kerben in einen Baumstamm hacken, um Trittbretter
als Standfläche anzubringen und abschließend das an der Stammspitze
befestigte Holzstück abzuschlagen. Auf dem Foto links Lukas Wagesreiter,
rechts Matthias Thoma.
    "Springboard" ist die Königsdisziplin des Sportholzfällens, bei der die Sportler mit einer Axt Kerben in einen Baumstamm hacken, um Trittbretter als Standfläche anzubringen und abschließend das an der Stammspitze befestigte Holzstück abzuschlagen. Auf dem Foto links Lukas Wagesreiter, rechts Matthias Thoma. Foto: Kathrin Elsner

    "Es ist abwechslungsreich, man kann sich auspowern und es ist ein tolles Ganzkörpertraining", findet Nadine Münzenmaier, die sich wünscht, dass sich in naher Zukunft noch mehr Frauen für den ungewöhnlichen Wettkampfsport begeistern lassen. "Eigentlich kann es fast jeder machen, denn die Technik ist wichtiger als die Kraft", findet sie. Derzeit seien in Europa so wenige Frauen aktiv, dass die Anfang November stattfindende Weltmeisterschaft in Stuttgart eine reine Männerdomäne bleiben wird. Das Schöne an dem extravaganten Wettkampfsport sei, dass die Gemeinschaft so gut zusammenhalte, verriet Manuel Haumer aus Gmünd. "Es ist ein großes Miteinander, man hilft sich gegenseitig, national und international", sagte er begeistert.

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