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Ulm

24.07.2016

Alte Telefunken-Schätze in Gefahr

Mehr als 1000 Exponate befinden sich im Telefunken-Museum in Ulm. Doch jetzt müssen die Technik-Schätze raus.
Bild: Alexander Kaya (Archivfoto)

Das Telefunken-Museum auf dem Airbus-Gelände steht vor dem Aus. Jetzt hoffen die Betreiber, dass sie neue Räume für die Technik-Schätze finden.

Nach dem Iveco-Magirus-Museum ist ein weiteres Stück Ulmer Technikgeschichte bedroht: Nachdem das amerikanische Finanzkonsortium Kohlberg-Kravis-Roberts (KKR) im März den Radartechnik-Standort Ulm „Airbus Defence and Space“ gekauft hatte, kündigte der Investor den Betreibern des AEG/Telefunken-Museums im Firmengelände in der Wörthstraße 85. Gespräche innerhalb der Firma seien erfolglos geblieben, sagt der Sendener Detlev Gröbe, ehemaliger Projektleiter bei AEG/Telefunken und einer der Enthusiasten des Teams, das sich um das Museum kümmert. Die etwa 1000 Exponate, ein wertvolles Stück Ulmer Technikgeschichte, sollen vom Gelände, weil sie dem Investor keinen Gewinn bringen und Flächen von etwa 500 Quadratmetern belegen.

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Am Freitag stellte Stadtrat Hans-Walter Roth (CDU) einen Antrag an OB Gunter Czisch (CDU), sich für den Erhalt dieses Stückes Technikgeschichte einzusetzen. Czisch hatte in seiner Schwörrede am vergangenen Montag die Vision eines künftigen Ulmer Technik-Museums angesprochen.

Es müsse verhindert werden, dass die Exponate verscherbelt werden, verschwinden oder gar als Schrott auf dem Müll landen, sagt Detlev Gröbe. Das Archiv von AEG/Telefunken scheine bereits verschwunden, und es herrsche große Verunsicherung unter den Betreibern des Museums, das gerade im vergangenen Jahr zunehmend Besucher zu verzeichnen hatte – Firmenkunden, aber auch Gruppen von Schülern aus Gymnasien und Auszubildende sowie private Interessierte. Die Kündigung für die vom AEG/Telefunken-Museum belegten Flächen erfolgte zum 31. August. Viel Zeit bleibt also nicht, für die Exponate, die die Entwicklung der Funktechnik ab den 30er Jahren bis etwa 2010 abbilden, eine – zumindest vorläufige – Unterbringungsmöglichkeit zu finden. An einen Museumsbetrieb sei natürlich dabei nicht zu denken, erklärt Ulrich Seemüller vom Stadtarchiv Ulm. Es gehe schicht um die Rettung eines Stückes der Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt. Dazu braucht es kühle Räume mit niedriger Luftfeuchtigkeit, damit die Metallteile der Geräte nicht korrodieren. Bei AEG/Telefunken wurden die ersten Rundfunk- und Fernsehgeräte gebaut und die Radartechnik entwickelt, die in der Sammlung ebenfalls abgedeckt ist. Von daumennagelgroß bis zur Größe eines Schrankes reichen die Formate der Exponate, unter denen auch eine Enigma-Verschlüsselungsmaschine ist. Funktechnik der Polizei befindet sich in der Sammlung – vor allem Produkte, die in Ulm hergestellt wurden, aber auch solche anderer Standorte. Angebotene größere Exponate habe man in der jüngeren Vergangenheit aus Platzmangel bereits abweisen müssen, erklärt Detlev Gröbe.

Engagierte aus Ulm und der Umgebung versuchen, das Museum zu retten. Unter ihnen ist der Ulmer Filmemacher Günter Merkle. Der Protel-Chef wünscht sich einen übergreifenden „Förderverein der Technikgeschichte Ulm/Neu-Ulm“, in den sich die bisherigen Aktivitäten des „Arbeitskreises Ulmer Technikgeschichte“ einbinden ließen. Dieser Arbeitskreis veranstaltet regelmäßig Abende der Ulmer Technikgeschichte. Auch die Stadt Neu-Ulm sollte in diese Arbeit – bevorzugt über die Wirtschaftsförderung – einbezogen sein, sagt Merkle. „Die Bewahrung von Kulturgut ist eine regionale Aufgabe. Was jetzt das AEG/Telefunken-Museum getroffen hat, kann morgen eine andere Firma treffen. Man muss das auf professionelle Füße stellen.“

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