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Ulm

17.11.2017

Daimler schließt Forschungszentrum, doch neue Jobs könnten entstehen

Diese Werksbauten des Daimler-Forschungszentrums auf dem Ulmer Eselsberg schuf der New Yorker Architekt Richard Meier Anfang der 90er-Jahre. Auch das Ulmer Stadthaus ist sein Werk.
Bild: Alexander Kaya

Der Weltkonzern verlagert seine Innovationsaktivitäten näher an den Stammsitz. Am Standort Ulm sind bis zu 250 Mitarbeiter betroffen. Daimler will am Eselsberg voll auf IT setzen.

Schwerer Schlag für die Region: Daimler schließt sein Forschungszentrum auf dem Eselsberg. Die Unternehmensleitung teilte nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall am Donnerstag um 14 Uhr den Beschäftigten per Mail mit, dass die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten vom Standort Ulm weg verlagert werden. Der Abzug solle bis Ende 2018 vollzogen sein.

Auf Nachfrage bestätigte ein Daimler-Sprecher entsprechende Pläne, die bisher nur gerüchteweise kursierten. Im Zuge einer Verbesserung von Effizienz, Effektivität, Wettbewerbsfähigkeit und Kostenstruktur sei auch das Forschungsnetzwerk auf den Prüfstand gekommen. Dieser Check habe ergeben, dass es angesichts des Wandels in der Automobilindustrie hin zu Themen wie autonomes Fahren, Elektromobilität oder Connectivity, also der Verbindung mit Internetdiensten, strategisch sinnvoll sei, die Forschungsaktivitäten in Deutschland auf die großen Standorte Sindelfingen und Untertürkheim sowie das neue und hochmoderne Prüf- und Technologiezentrum in Immendingen zu konzentrieren. Der Umzug der Forschungsabteilung aus Ulm sei kein Programm, um Arbeitsplätze abzubauen.

Allen 200 Mitarbeitern würden Stellen an den genannten Standorten angeboten. Allerdings ziehe sich Daimler nicht komplett vom Eselsberg zurück. Pressesprecher Oliver Wihofszki bringt sogar "einige Hundert zusätzliche Arbeitsplätze für IT-Experten" ins Spiel, die bei der Daimler-Tochter TSS entstehen könnten. Der Umzug der Pkw-Forschungsabteilung biete erst die Möglichkeit und den Raum, Ulm als wichtigen IT-Standort für Daimler weiter auszubauen. Wie der Daimler-Sprecher betont, habe der Abzug der Pkw-Forschungsabteilung keine Folgen für das Buswerk in Neu-Ulm. Das Werk der Tochterfirma Evobus mit rund 3800 Beschäftigten sei auf einem guten Kurs.

Daimler in Ulm: Geplanter Umzug "eine Zumutung"

Enttäuscht zeigte sich dennoch das Ulmer Stadtoberhaupt vom geplanten Umzug: "Das ist sehr bedauerlich, weil Daimler Teil des Gründungsmythos der Wissenschaftsstadt ist", so Gunter Czisch. Allerdings sei eine Chance in der schlechten Neuigkeit verpackt: Der Eselsberg werde ein immer stärkeres Zentrum der Entwicklung für autonahe Software-Entwicklung, weil Daimler in TSS investieren wolle. Conti, BMW und Audi forschen längst im ehemaligen Nokia-Gebäude in dieser Sparte. Überhaupt habe das Aus für die Nokia-Handysparte in Ulm gezeigt, dass auch der Fortgang einer Firma ein gutes Ende nehmen könne. Nur so konnte Ulm zum Zentrum für "Car-IT" werden. Czisch hofft nun, dass die Mitarbeiter des Daimler-Forschungszentrums eine ebenso magnetische Anziehungskraft auf Investoren ausüben, wie es bei Nokia war. Und die Daimler-Forscher nicht alle nach Sindelfingen, Untertürkheim oder Immendingen wechseln.

Bald Geschichte: Ein Motor auf dem Prüfstand im Ulmer Daimler-Forschungszentrum.
Bild: Alexander Kaya

Als "eine Zumutung" bezeichnet Petra Wassermann, die Erste Bevollmächtigte der Industriegewerkschaft Metall, die Entscheidung für die nach ihren Informationen 250 Stammbeschäftigten. Hinzu kämen zudem etwa 200 Studenten und Doktoranden am Standort Ulm. Der regionale Betriebsrat sowie der Gesamtbetriebsrat seien über diese Entscheidung erst äußerst kurz davor in Kenntnis gesetzt worden. Für den Entwicklungsstandort Ulm bedeute diese Entscheidung nach Meinung von Wassermann eine Schwächung. Denn eine enge Vernetzung, auch räumlicher Natur, gehe verloren. Erst am Freitag wolle die Daimler-Geschäftsleitung ihre Entscheidung erläutern. Anschließend finde eine Betriebsversammlung statt, nach der die Gewerkschaft in einer Pressekonferenz deutlich Stellung beziehen wolle.

Daimler - ein Teil der "Wissenschaftsstadt Ulm"

Seit 1993 war Daimler fester Bestandteil des Konzepts "Wissenschaftsstadt Ulm". Das Ressort Forschung und Technologie ist innerhalb des Konzerns eingebunden in die Entwicklung von Produkten aller Geschäftsbereiche. Jahrelang tüftelten etwa Daimler-Mitarbeiter in Ulm, um die Reibung und den Verschleiß zwischen Kolbengruppe und Zylinderlaufbahn zu reduzieren. Als "Nanoslide" vermarktet Daimler jene Technik. Daimler TSS, jene Sparte, die die Stuttgarter in Ulm künftig stärken wollen, startete 1998 als kleines Entwicklungsteam mit sieben Mitarbeitern und ist heute Daimler-Spezialist für zukunftsweisende IT-Gesamtlösungen mit heute über 1000 Beschäftigten, davon rund 500 in Ulm.

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