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Ulm

24.07.2014

Das Ulmer Münster wird Stein für Stein saniert

Der Turm des Ulmer Münsters wird saniert. Insgesamt sind 25 Millionen Euro für zehn Jahre Arbeit veranschlagt.
Bild: Florian Ankner

Der Turm des Ulmer Münsters wird saniert. Insgesamt sind 25 Millionen Euro für zehn Jahre Arbeit veranschlagt. Es werden 500.000 Euro Spenden pro Jahr benötigt.

Drei Meter lang ist der Plan, der in der Ulmer Münsterbauhütte hängt und in den kommenden zehn Jahren den Arbeitsalltag vorgeben wird. Jeder einzelne Stein des mittelalterlichen Teils des welthöchsten Kirchturms ist darauf eingezeichnet und farblich markiert. Lila bedeutet „Austausch“, gelb „Konservierung“.

25 Millionen Euro brauchen die Konservatoren und Steinmetze für diese Mammutaufgabe - aufgebracht von der Kirchengemeinde, Landeskirche, Denkmalamt und aus Spenden. Zumindest theoretisch, denn die Finanzierung ist nach den Worten von Dekan Hermann Gohl zwar die nächsten vier, fünf Jahre gesichert. Doch es bleibe eine gewaltige Anstrengung.

Viele Steinbrüche gibt es nicht mehr

Anstrengend ist auch die Arbeit von Münsterbaumeister Michael Hilbert und seinen Steinmetzen in der Münsterbauhütte. 180 Kubikmeter Stein müssen komplett ausgetauscht werden, was gut 2700 Einzelstücken entspricht. Aus elf verschiedenen Sandsteinen wurde der zwischen der Grundsteinlegung 1377 und etwa 1530 erbaute mittelalterliche Teil des 161 Meter hohen Turms errichtet: Mal Molassesandstein, Schlaitdorfer Sandstein oder Oberkircherner Sandstein.

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Das Problem: Die Steinbrüche auf der Alb aus der einst das Baumaterial nach Ulm geschleppt wurde, gibt es nicht mehr. Und so ist die Steinbeschaffung unter der Ägide von Landeskonservator Professor Michael Goer eine Wissenschaft für sich. Denn nicht nur aus Gründen des Denkmalschutzes müssen die Steine den Vorbildern möglichst ähnlich sein. Fündig wurden Denkmalschützer unter anderen im Lauchheim (Kreis Biberach) und in Dietenhausen bei Freiburg, wo jetzt eigens für das Ulmer Münster Steine abgebaut werden.

Ähnlich sollen die Baumaterialien nicht nur in optischer Hinsicht sein: Wie Goer erklärt, können unterschiedliche Steine chemisch reagieren, was die Haltbarkeit beeinträchtigt. Besonders drastisch seien die Auswirkungen an der Nahstelle zwischen Mittelalter und 19. Jahrhundert. Als 1844 mit der Vollendung des Münsters im neogotischen Stil auf etwa 70 Meter Höhe begonnen wurde, setzten die Münsterbaumeister vielfach Muschelkalk auf Sandstein. Dieser tropft nun durch seine Auswaschungen auf den Sandstein, was dieses porös macht. ein Leitfaden, wie mit dieses unverträglichen Nachbarn umgegangenen werden soll, ist in Arbeit.

2700 Steine werden ausgetauscht, 1800 restauriert. Der Austausch ist aus Sicht von Beata Hertlein, beim Regierungspräsidium für Denkmalschutz zuständig, immer das letzte Mittel der Wahl. Denn jeder einzelne Stein des Münsters sein ein „Primärquelle der Geschichte“. Für fachkundige ist das Münster wie ein offenes Buch: Die Steine verraten nicht nur durch Inschriften viel, sondern bergen durch ihre Spuren der Bearbeitung Informationen über längst vergangene Zeiten.

Für jeden der 1800 Steine die restauriert werden, entwickeln die Denkmalschützer zusammen mit der Münsterbauhütte eine eigenes Konzept. Die Reinigung sowie die Beseitigung von Moosen und Flechten machen den Anfang. Ein Entsalzung sowie die Injektion eines Bindemittels sind gängige Methoden, die folgen.

Im Mai kommenden Jahres soll mit den Außenarbeiten begonnen werden. Die Zeitfenster Jahr für Jahr sind klein: Nur bei absoluter Frostfreiheit können die Steinmetze ausrücken. Der Winter ist die Zeit in denen die Steine passgenau behausen werden. Der Mörtel ist eine weitere Wissenschaft für sich: Eduard Schleicher, Chef von Schwenk Zement und Aktivposten beim Münsterbauverein, ließ eigens eine Fugenmaße entwickeln, die nach Austrocknung nicht an Volumen verliert was die Bildung von Hohlräumen verhindert.

Bis zu 500.000 Euro Spenden pro Jahr benötigt

Klaus Peter Baur, als Kirchenpfleger der Gesamtkirchengemeinde, derjenige der den Überblick über die Finanzen bewahrt, bezeichnete die Finanzierung des auf zehn Jahre ausgelegten 25-Millionen-Euro-Vorhabens für die nächsten vier, bis fünf Jahre gesichert. Allerdings setze die Planung eine hohe Spendenbereitschaft voraus: 400000 bis 500000 Euro müssen dafür Jahr für Jahr generiert werden.

Etwa 100000 Euro werden Jahr für Jahr in die „Baugaben“-Spendenboxen geworfen, die im Ulmer Münster stehen. Der Münsterbauverein möchte mit Beginn der Sanierungsarbeiten wieder vermehrt an den ursprung des Baudenkmals als Bürgerkirche erinnern. Bei 4500 behandlungsbedürftigen Steinen und fast 180000 Einwohnern in der Doppelstadt als potenzielle Spender nur ein scheinbar leichtes Ansinnen.

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