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10.08.2017

Das stille Sterben der Schmetterlinge

Ein Admiral in voller Pracht: Solche Anblicke sind in manchen Regionen zur Seltenheit geworden – das kritisieren Umweltschützer. Weil viele Grünflächen zu oft gemäht würden, erlitten Schmetterlinge grausame Schicksale.
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Ein Admiral in voller Pracht: Solche Anblicke sind in manchen Regionen zur Seltenheit geworden – das kritisieren Umweltschützer. Weil viele Grünflächen zu oft gemäht würden, erlitten Schmetterlinge grausame Schicksale.
Bild: Günther Beck (Symbolbild)

Weil es immer weniger Insekten gibt, schlagen Umweltschützer Alarm. Denn viele Grünflächen würden zu häufig gemäht, auch in der Region. Was Experten fordern.

Wo Blumen blühen könnten, erstrecken sich nur Wüsten aus zerhackten Pflanzen: Wenn Ralf Schreiber, der Vorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) im Kreis Neu-Ulm, in diesen Tagen mit dem Fahrrad in der Region unterwegs ist, kocht in ihm der Ärger hoch. „Es könnte so schön sein.“ Ist es aber nicht: Denn aktuell kommen entlang vieler Straßen, Feldwege und Uferböschungen Mäh- und Mulchgeräte zum Einsatz. Zurück bleibt dann häufig nur ein Teppich aus zerhäckseltem Grün – und kein Blümchen steht mehr. Dabei wären blühende Wiesen aus Sicht von Naturschützer Schreiber wichtig: Als Lebensraum für Insekten wie Bienen und Schmetterlinge. Deren Bestand habe in den vergangenen Jahren rapide abgenommen. Vielerorts schlagen Imker und Umweltschützer deshalb Alarm. Auch im Landkreis Neu-Ulm, wo nach ihrer Einschätzung im Namen der Landschaftspflege durch Kommunen und Behörden viel zu viel gehäckselt wird. Der Appell lautet: Sähen statt mähen.

Ist die Mulchmaschine gefahren – sie mäht und zerkleinert das Grüngut gleichzeitig – bleibt häufig nicht viel Leben zurück: „Falter, Eier, Raupen – alles wird getötet“, kritisiert Wolfgang Gaus, der Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum (GAU). Und fügt hinzu: „Das ist katastrophal.“ Für Kopfschütteln sorge bei ihm, dass momentan zwar überall „vom großen Insektensterben“ gesprochen werde – aber offenbar niemand bereit dazu sei, etwas dagegen zu unternehmen. Und beispielsweise mehr Flächen mit Wiesenblumen zu bepflanzen. Einen Grund dafür verortet Biologe Gaus bei den Kosten: Nach Auffassung vieler Verantwortlicher sei es günstiger, regelmäßig zu mähen. Doch es gebe Gegenbeispiele.

Das „Stehenlassen“ könne sich rechnen, glaubt Gaus. Genauso wie sein Leidensgenosse Schreiber: Blumenwiesen könnten zwei bis drei Jahre stehen gelassen werden, wenn sie richtig angelegt seien, sagt er. Doch auch die Optik spiele wohl eine Rolle, vermutet der LBV-Vorsitzende: „In Schwaben muss alles wohl immer schön ordentlich aussehen.“ Was Pflanzenwuchs angeht, bedeute das: kleingehäckselt. Denn im Herbst sehe eine Blumenwiese eben „etwas verwelkt“ aus.

Dennoch sollten Städte und Gemeinden bei öffentlichen Flächen eine Vorbildfunktion einnehmen – und die Pflanzenwelt erhalten, fordern Umweltschützer. Es gehe dabei nicht um unübersichtliche Stellen an Straßen, Kreuzungen und Kreisverkehren, betont Gaus. „Sicherheit im Verkehr hat natürlich Vorrang.“ Allerdings werde in weiten Teilen des Landkreises Neu-Ulm flächendeckend gemulcht.

Doch es gibt Hoffnung: An einigen Stellen haben die Naturschützer positive Beispiele ausgemacht. So blühe es etwa momentan (noch) in Neu-Ulm im Gewerbegebiet Schwaighofen entlang der Otto-Renner-Straße. „Da summt und brummt es“, sagt Gaus. „Das ist sehr lobenswert.“ Und auch in Illertissen sprieße es aus Sicht der Naturschützer vorbildlich, zumindest entlang der Straße in Richtung Autobahnauffahrt. Freilich sind in der Vöhlinstadt viele weitere Wiesen zu finden: Als Bienen- und Gartenstadt lege man Wert auf blühende Grünflächen, sagt Bauhofleiter Michael Kienast. „Wir versuchen, unsere Grünflächen bienenfreundlich zu gestalten.“ Ein Beispiel sei ein Areal in der Franz-Eugen-Huber-Straße, wo eine Wildblumenwiese gepflanzt worden sei. Und auch am Vöhlinschloss blühe es naturnah.

Wohin das häufige Mulchen – je nach Lage und Bodenbeschaffenheit wird es pro Jahr drei- bis viermal ausgeführt, führen kann, – zeige sich laut Schreiber neben der A7 nördlich des Dreiecks Hittistetten. Dort wurde kürzlich die komplette Vegetationsschicht abgetragen. Durch die häufigen Mäharbeiten sei der Boden ausgedünnt worden. Ein Umweltfrevel? „Jein“, sagt Schreiner. Denn das Areal biete die Chance, eine Wiese zu sähen. Es wäre immerhin eine grüne Wüste weniger.

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