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Pfaffenhofen

26.08.2020

Der Rothuferweg in Pfaffenhofen: Idylle oder ungepflegte Wildnis?

„Unsere grüne Lunge“ nennt Bürgermeister Sebastian Sparwasser diesen Platz am Rothufer. So grün und unbebaut solle es dort auch bleiben. Die neuen Liegen und Bänke bieten außerdem Platz, um die Sicht in die Ferne zu genießen.
Bild: Sophia Huber

Plus Am Spazierweg an der Roth in Pfaffenhofen scheiden sich die Geister. Für das Projekt hat der frühere Bürgermeister Walz lange gekämpft. Eine Bestandsaufnahme.

In der Geschichte der Marktgemeinde hat vermutlich kein Weg für so viel Uneinigkeit bei den Bürgern gesorgt wie dieser mit den vielen Namen: Uferpromenade, Weg an der Roth, Spazierweg Roth-Aue, oder auch Rothuferweg. Selbst die Bezeichnungen dafür haben eine bald zwei Jahrzehnte währende Geschichte. Seit einigen Wochen sind der angelegte Schotterweg sowie das Naherholungsgebiet entlang des Flusses in Pfaffenhofen fertiggestellt. Und immer noch scheiden sich daran die Geister.

Einige Spaziergänger und Anwohner sind unzufrieden

Wenn Bürgermeister Sebastian Sparwasser durch den Ort läuft, wird er von seinen Bürgern oft auf Themen oder Missstände im Ort hingewiesen und das findet er auch gut so. Besonders häufig wird er in diesen Tagen am Rothuferweg angesprochen. Von einer Dame beispielsweise, die im Vorbeigehen sagt: „Ein bisschen pflegen muss man den Weg aber schon“, und dabei auf einen wuchernden Busch zeigt, der umgeknickt ins Wasser hängt und an manchen Stellen auf den Spazierweg ragt.

Sparwasser stimmt ihr zu. Keiner habe gedacht, dass das Springkraut am Ufer so schnell wachse, geradezu wuchere. Er wolle mit den Mitarbeitern des Bauhofes sprechen, die die Äste kürzen sollen. Die Passantin zweifelt daran: „Da kommt man nicht hinterher.“

Auch so sieht es an manchen Stellen des Ufers aus. Früher sei die Böschung viel gepflegter gewesen, finden einige Anwohner.
Bild: Sophia Huber

Kritik am Rothuferweg gibt es nicht erst seit der Fertigstellung des Spazierweges vor wenigen Wochen. Bereits bei den Planungen im Jahr 2013 regte sich bei vielen Bürgern Widerstand gegen das Vorhaben des damaligen Bürgermeisters Josef Walz. Es wurden sogar Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die damals geplante „Uferpromenade“ gesammelt – mit Erfolg. Nach dem Bürgerbegehren, 1489 Stimmen gab es gegen die Promenade, stockte das Vorhaben.

Der damalige Bürgermeister Josef Walz konnte den Widerstand nicht verstehen

Im August 2019 wurde das Projekt unter einem anderen Namen erneut angegangen und verwirklicht. Auch im Gemeinderat kam zu diesem Zeitpunkt wieder die Diskussion auf, ob das Naherholungsgebiet überhaupt von den Menschen gewünscht sei. Doch der Ex-Bürgermeister wollte damals, kurz vor Ende seiner Amtszeit, keine Grundsatzdebatte mehr führen.

Walz sprach in seiner letzten Neujahrsansprache im Januar von einem Projekt, das sehr langen Atem erforderte. Er konnte den Widerstand nicht verstehen. Denn schon im Jahr 2002 wurde von Bürgern der Wunsch nach einer Uferpromenade geäußert und so war das Vorhaben in ein Förderprogramm aufgenommen worden, sagte Walz zu Beginn des Jahres.

Heute ist er im Ruhestand, Beschwerden und Kritik bekommen die Verwaltung oder sein Nachfolger zu hören. Der kann die unterschiedlichen Ansichten verstehen: „Früher haben die Anlieger das Ufer genutzt und selbst gepflegt.“ Jetzt sei das Gebiet größtenteils der Natur überlassen. „Ursprünglich war es schon die Idee, dass es hier relativ wild wachsen soll“, antwortet der Bürgermeister. Er überlegt kurz: „Aber ja, die Meinungen gehen auseinander.“

Vorher hätte man in die Roth sehen können, jetzt sei alles zugewachsen

Er will noch einmal das Gespräch mit den Anliegern suchen. Die erzählen, sie haben der Verwaltung schon öfters Bescheid gegeben, doch es sei nichts passiert. „Ich habe mir das ganz anders vorgestellt. Dass die Böschungen wegkommen und das Ganze einfach schöner wird“, berichtet eine Bürgerin, deren Garten zur Roth hinausführt. Früher habe man außerdem immer in das Flüsschen gesehen, das sei jetzt auch nicht mehr möglich.

Trotz der kritischen Stimmen beobachtet der Rathauschef auf der anderen Seite eine große Begeisterung für den Weg. Auch von Personen, die zu Beginn gegen das Vorhaben waren. „Wenn man sonntags gegen 14 Uhr hier vorbeikommt, ist wirklich viel los. Man trifft viele Spaziergänger und manchmal wird auch bis zu zwei Stunden geratscht“, sagt Sparwasser. Familien mit Kindern, aber auch Rentner oder Hundehalter nutzen den Weg an der Roth sehr gerne.

Es gibt eine neue Brücke und Liegen und Bänke wurden angebracht

Auch Bänke und Liegen aus Holz sollen zum Entspannen einladen. „Und man kommt auf dem Weg bis nach Diepertshofen“, sagt Sparwasser. Besonders gelungen sei auch die neue Brücke. Er würde gerne eine kleine Einweihungsfeier nachholen, wenn die Corona-Pandemie es zulässt. Das Projekt hat die Gemeinde schließlich 435 000 Euro gekostet.

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