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Weißenhorn

17.11.2017

Diese Erfindung räumt viele Preise ab

So sieht das Modell des Ozeanreinigers im Maßstab 1:100 aus. Über eine Solarplatte wird das Boot mit Strom versorgt. 
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So sieht das Modell des Ozeanreinigers im Maßstab 1:100 aus. Über eine Solarplatte wird das Boot mit Strom versorgt. 
Bild: Alexander Kaya

Schüler des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums haben ein Modellboot entwickelt, das selbstständig Müll aus dem Wasser fischt. Das Projekt beeindruckt die Fachwelt.

Drohnen, die Minen aufspüren, Schlafkissen, die bei einem Brand in der Nacht die Feuerwehr rufen – diese und noch mehr erstaunliche Entwicklungen sind jüngst auf der internationalen Fachmesse für Ideen, Erfindungen und Neuheiten, kurz Iena, in Nürnberg präsentiert worden. Auch das Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium (NKG) war dort mit einem Stand vertreten. Das Physik-Oberstufenseminar stellte dort sein aktuelles Projekt vor: ein autonom fahrendes Boot, das Plastikmüll aus Gewässern fischt. Die Fachwelt zeigte sich davon sehr beeindruckt.

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Schon vor der Messe haben die 15 Gymnasiasten mehrere Preise erhalten für ihre Erfindung, die sie mit Unterstützung der Firma Peri entwickelt und gebaut haben. (wir berichteten). In Nürnberg kamen noch zwei weitere dazu, nämlich eine Goldmedaille und der Große Preis der Europäischen Erfindervereinigung im Bereich Jugend. Mehrere hundert Teams und deren Schöpfungen hat eine fachkundige Jury bei dem Wettbewerb bewertet. „Der Ozeanreiniger ist unsere erfolgreichste Erfindung bisher“, sagt Lehrer Martin Mangold.

Eine offizielle Begründung, warum gerade das NKG-Projekt den europaweiten Preis erhielt, haben die Schüler und ihr Betreuer nicht erhalten. Doch Mangold nennt mehrere Kriterien, die die Maschine auszeichnen: Sie bietet einen Lösungsansatz für ein großes Problem der Menschheit, nämlich die zunehmende Anhäufung von Müll in den Weltmeeren. Sie fährt von allein, gesteuert von Sensoren. Und sie wird über ein Solarmodul mit regenerativer Energie versorgt.

Diese Erfindung räumt viele Preise ab

Auf dem Gutterweiher in Weißenhorn hat die Schülergruppe ihr Modell erfolgreich getestet. „Es lässt sich sehr gut steuern und ist relativ wendig“, erzählt Moritz Mayländer. Auch die Energieversorgung funktioniere zuverlässig. Und falls die autonome Steuerung versagt, sagt der Schüler, könne das kleine Boot mit einer Fernsteuerung gelenkt werden. Über ein Förderband transportiert es das eingesammelte Gut – bei den Testfahrten war es Popcorn – in einen Auffangbehälter. „Wir hatten Sammelraten weit über 90 Prozent“, sagt Mangold.

Für einen Einsatz im Ozean müsste die Maschine natürlich noch deutlich größer sein und weiterentwickelt werden. In hoher Stückzahl, so die Idee, könnten die Sammler einmal von einer Plattform im Meer ausschwärmen und den Müll dorthin wieder zurückbringen. Vorerst, sagt Mangold, könnte das Gerät in kleineren Nischen eingesetzt werden. Und wenn es sich bewährt, in größerem Stil Dienst verrichten.

Mangold erzählt von einem Hotelbesitzer, der bei der Messe in Nürnberg ein potenzielles Einsatzgebiet vorschlug: Die Maschine könnte das Wasser reinigen, bevor Gäste den hoteleigenen Strand aufsuchen. Schüler Leonard Penschke berichtet von weiteren aussichtsreichen Gesprächen mit potenziellen Investoren: „Wir haben Kontaktdaten ausgetauscht und warten nun auf Rückmeldung.“ Auch bei Vertretern von Umweltschutzorganisationen sei die Technik auf großes Interesse gestoßen, berichtet Hasan Sari. Er hatte den Vorschlag gemacht, sich bei dem Seminar der Ozeanverschmutzung zu widmen.

Auch mit Mitarbeitern des Patentamts haben sich die Seminarteilnehmer während der vier Tage in Nürnberg unterhalten. Ergebnis: Zum Patent lässt sich der Ozeanreiniger inzwischen nicht mehr anmelden, weil er bereits öffentlich präsentiert wurde. „Wir können ihn aber als Gebrauchsmuster schützen lassen“, sagt Mangold.

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