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Neu-Ulm

10.12.2018

Drei Lobgesänge – und alle drei kommen gut an

Die Zuhörer waren von den drei Magnificat-Vertonungen durch den Paulus-Chor und mehreren Solisten in der Pauluskirche in Neu-Ulm sehr angetan. Das Konzert war ausverkauft.
Bild: Alexander Kaya

In der Petruskirche begeistern beim Konzert die Magnificat-Vertonungen von Telemann, Vivaldi und Bach die Zuhörer. Ein Manko gibt es aber dennoch.

Das Magnificat, der Lobgesang Marias auf Gott aus dem Lukas-Evangelium, ist seit dem Mittelalter einer der meistvertonten Texte der Bibel. Zwischen John Dunstable, Orlando di Lasso und Gegenwartskomponisten wie Arvo Pärt, Knut Nystedt oder Martin Palmeri haben zahlreiche Komponisten unterschiedlichste Magnificat-Vertonungen geschaffen. Drei davon – allesamt Werke aus dem Barock, die doch in sich sehr verschieden sind – wählte Petrus-Kantor Oliver Scheffels für ein Konzert am Vorabend des zweiten Adventssonntages in der ausverkauften evangelischen Neu-Ulmer Stadtkirche aus. Der liturgische Text wird sowohl in der katholischen wie in der evangelischen Kirche gerne zum Advent aufgeführt.

Sechs Solisten: Der Aufwand zeigte bereits, was es bedeutet, drei Kompositionen auf den identischen Text nebeneinander zu stellen, sind die Anforderungen der drei Barock-Komponisten Georg Philipp Telemann, Antonio Vivaldi und Johann Sebastian Bach doch sehr verschieden. Der Altarraum der Petruskirche war fast zu klein für alle Sänger des angewachsenen Petrus-Chors, für die Instrumentalisten des collegium musicum Ulm unter Konzertmeister Petr Hemmer, für die Solistinnen Agnes Schmauder (Sopran), Berenike Huber (Sopran) und Anneka Ulmer (Alt) und für die Solisten Wolfgang Frisch-Catalano (Tenor), Christian Huber (Bass) und Michael Burow-Geier (Bass). Oliver Scheffels selbst dirigierte nicht nur das Konzert, sondern übernahm – wo erforderlich – auch die Cembalo-Partien. Die Enge verlangte von den Solisten regelmäßig weite Wege zum Einsatz – einziges Manko des am Ende viel bejubelten Konzerts, bei dem sich insbesondere der Petrus-Chor stark zeigte.

Sechs Solisten zeigen in der Petruskirche ihr Können

Telemanns Version des lateinischsprachigen Lobpreises ist Gebrauchsmusik, die trotzdem großen Glanz verbreitet. Die Arien geben den Solisten Raum für emotionale Interpretation – für die Zartheit, mit der Berenike Huber agierte ebenso wie für ein machtvolles Duett zweier Bässe.

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Vivaldis Vertonung des identischen Textes kommt ganz anders daher: Innerlich, fragend, sich am Geschehen reibend, nachvollziehbar expressiv, mit dem Höhepunkt eines wunderschönen „Et exultavit“, bei dem der Chor die drei ausführenden Solisten quasi unterbricht.

Die bekannteste der drei aufgeführten Vertonungen dürfte Johann Sebastian Bachs D-Dur-Fassung sein, die er aus einer 1723 uraufgeführten Vertonung etwa sieben Jahre später entwickelte. Diese Version mit ihren sieben Solo-Arien ist unverkennbar Bach, die transponierte Botschaft des Heilsgeschehens und der Erhöhung der Niedrigen ist unmissverständlich – doch damit zugleich auch weniger spannend als die seltener aufgeführten Vertonungen zuvor. Einen glanzvollen Schlusspunkt setzte der Petrus-Chor nach dem „Suscepit Israel“-Terzett mit der Fuge „Sicut locutus est“ und dem sich sogleich anschließenden „Gloria“.

Es ist ein mutiges Unterfangen, dem Publikum drei Mal den identischen Text auf verschiedene Weise zu präsentieren, weil es gerade von Chor und Solisten viel Wandlungsfähigkeit und Konzentration verlangt. Über die verfügten alle Beteiligten zur Begeisterung der Zuhörer – für die sich nebenbei die Möglichkeit ergab, die jeweils eigene Lieblings-Variante zu bestimmen.

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