Newsticker

NRW will bei Verstoß gegen Maskenpflicht Sofort-Bußgeld von 150 Euro einführen
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Ein Erfolgsrezept für den Einzelhandel

Pfaffenhofen

14.03.2020

Ein Erfolgsrezept für den Einzelhandel

Es ist einiges los am frühen Abend in der Hauptstraße in Pfaffenhofen. Täglich nutzen viele Pendler und Besucher von außerhalb die gute Lage der Geschäfte, um einkaufen zu gehen. Im Hintergrund zu sehen ist das Modehaus Bausch, das nach einer Umbauphase neu eröffnet. Ein Geschäft, das seit fast 70 Jahren erfolgreich ist.

Plus Seit 68 Jahren schafft es das Modehaus Bausch in Pfaffenhofen, Stammkundschaft zu halten und Neukunden zu gewinnen. Denn sonst fehlen an der Hauptstraße einige Fachgeschäfte

Wenn Christine Bausch-Zwerenz von den Elementen spricht, meint sie damit: erdige Töne, luftige Stoffe, flammendes Rot und metallische Elemente. Das ist nur eine kleine Auswahl der neuen Trends, die am Donnerstagabend bei einer Modenschau im Modehaus Bausch präsentiert wurden. Auf den dicht besetzten Plätzen hörte man „Sehr schick!“, „Die Schuhe sind ja interessant“ oder „Wow, mal was anderes“. Bausch-Zwerenz scheint zu wissen, was ihren Kundinnen gefällt.

Seit 68 Jahren gibt es das Modehaus Bausch in Pfaffenhofen. Christine Bausch-Zwerenz ist die dritte Generation der Geschäftsführung. Ihr Laden ist eine beliebte Anlaufstelle in der Region, doch wie hält sich ein Kleidungsgeschäft in Zeiten des wachsenden Online-Shoppings? Die Modenschau in den frisch renovierten Räumen zeigt einen möglichen Grund: „Eigentlich bauen wir alle fünf Jahre um“, sagt die Inhaberin. „Wir wollen nicht verstaubt wirken, sondern modern bleiben.“

Die Zukunft in der Mode ist nachhaltig

Seit einigen Tagen ist der neueste Umbau abgeschlossen, in der oberen Etage gibt es jetzt eine Dessous-Abteilung. Bausch-Zwerenz gewinnt in der Woche im Schnitt fünf Neukunden, was für den Einzelhandel sehr selten ist. Vor Ort gebe es keine Konkurrenz, ihr einziger Rivale sei das Internet. Doch sie sieht eine Mentalitätsänderung, vor allem bei jüngeren Menschen: „Natürlich gibt es die gemütlichen Online-Besteller, aber auch diejenigen, die auf ihre CO2-Bilanz achten wollen und auf nachhaltige Mode setzen“, sagt die Modeexpertin. Dass man Bestellungen zurückschicke, die dann geschreddert werden, könne nicht die Zukunft sein. Das Modehaus kooperiert mit nachhaltigen Marken, die ihre Kleidung aus Bio-Baumwolle herstellen oder ausschließlich in Europa produzieren. Bausch-Zwerenz selbst ist Mitglied im Bund Naturschutz.

Ein Erfolgsrezept für den Einzelhandel

Erfolgsrezept: Individuelle Beratung und Kundenbindung

Bei der Modenschau traf man viele Frauen, die seit Jahren begeisterte Bausch-Gängerinnen sind. Kundenbindung gehört ebenfalls zur Erfolgsgarantie der Inhaberin. „Wir haben schon früh ein Bindungssystem aufgestellt, schicken den Kundinnen persönlich über WhatsApp die neuesten Angebote, bespielen Print- und Online-Medien, aber bieten auch Ausflugsfahrten an, zum Beispiel auf die Wiesn“, erzählt Bausch-Zwerenz. Die individuelle Beratung trägt ihrer Erfahrung nach zum Erfolg ihres Hauses bei. Zudem fährt die Textilexpertin oft zu Messen oder nach Italien, um die Kleidungsstücke auszusuchen. Ein „Vorzeigeprojekt“ nennt Pfaffenhofens Bürgermeister Josef Walz das Geschäft an der Hauptstraße. Er möchte die Hauptstraße und auch den Einzelhandel im Ortskern weiter ausbauen. „Wir sind sehr interessiert daran, einzelne Läden zu fördern, denn das macht den Ort attraktiver“, sagt Walz. Es brauche allerdings auch die richtigen Pächter und Investoren, um eine Geschäftsstraße zu beleben.

Gute Entwicklung im Ort, allerdings wenig Fachgeschäfte

Alfons Endres, der Vorsitzende des Pfaffenhofer Gewerbeverbandes, meint, dass sich Pfaffenhofen allgemein in den vergangenen zehn Jahren bereits gut entwickelt habe. Es gibt neben den Bäckern und Metzgern zum Beispiel auch ein Blumenhaus, ein Hörgerätehaus oder ein Sanitätshaus, welches sehr gut laufe. Der „Stachus“, wie Endres den Geschäftskern der Gemeinde nennt, wird täglich von vielen Pendlern besucht. „Teilweise kommen die Leute aus Finningen zum Einkaufen, weil wir hier mit Lidl, Rewe und Rossmann alles an einem Punkt haben. Nicht alle Wege führen nach Pfaffenhofen, aber immerhin acht“, sagt Endres und lacht. Vor allem die beiden Staatsstraßen würden viel Kaufkraft in den Ort führen. Der Leerstand an der Taverne-Kreuzung sei deswegen besonders blöd und peinlich.

Dennoch: Der Gewerbeverband hat keine Handhabe, was die Ansiedlung von Geschäften in der Gemeinde betrifft. Dennoch habe der Verein das Bestreben, den Ort noch lebenswerter zu machen. „Was in Pfaffenhofen fehlt, ist der Facheinzelhandel“, sagt Endres. Da sehe er auf jeden Fall Bedarf, beispielsweise für einen Optiker. Dass sich keiner ansiedelt, liegt seiner Einschätzung nach nicht an fehlenden Räumen, sondern an der Nähe zu Weißenhorn oder Neu-Ulm, zwei Städte, die bereits einige Fachgeschäfte bieten. Er hoffe allerdings, dass es vielleicht mal ein Optiker probieren würde – zwei bis drei Leerstände gebe es ja. Der Vorsitzende meint auch, dass ein kleines Hotel in Pfaffenhofen nicht schlecht wäre. Vielleicht gibt es dafür ja einen geeigneten Investor für die Taverne?


Lesen Sie auch:

Wegen Corona: Landratsamt sagt Wahlparty ab

Langjährige Lokalpolitiker plaudern aus dem Nähkästchen

Live-Blog zur Kommunalwahl im Landkreis Neu-Ulm

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren