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Ulm

05.03.2020

Eine Orgel zum Bauklötze staunen: Tüftler bauen Instrument aus Lego

Stephan Schumann (links) und Saher Elsheikh präsentieren ihren Plan: Sie wollen die Orgel für St. Martin in Wiblingen mit Lego-Steinen nachbauen. Mindestens 50 Kilogramm soll das Modell wiegen. Sie brauchen dafür zahlreiche goldene Steinchen, die vor allem in den USA produziert werden.
Bild: Dagmar Hub

Während Wiblingen auf eine große Orgel für die Basilika St. Marin wartet, entsteht in einem Tüftel-Keller eine Kopie des Instruments – aus Lego.

Die Basilika St. Martin in Wiblingen bekommt eine Hauptorgel. Der Termin für die Einweihung steht inzwischen fest – Pfingsten 2021. Aber eigentlich bekommt das Gotteshaus zwei Orgeln: Während Claudius Winterhalder im Schwarzwald das große Instrument baut, das nach langer Zeit des Wartens 2021 endlich auf der Orgelempore thronen und die Basilika auch optisch vollenden soll, basteln drei Männer derzeit mit Legosteinen ein detailgetreues Modell exakt dieser Orgel. Im Maßstab 1:10 entsteht sie im Wiblinger Keller von Burkhard Siemoneit , der bereits andere riesige Legomodelle wie das der Basilika selbst und der Open-Air-Bühne im Klostergarten gebaut hat. Sonntage verbringt er seit Januar im Keller – mit seinen Freunden Stephan Schumann und Saher Elsheikh. Denn das immerhin 1,50 Meter lange, 90 Zentimeter tiefe und 1,20 Meter hohe Modell soll schon zum Herbst fertig sein und Spenden einwerben fürs Original – für dessen Finanzierung fehlt derzeit noch mehr als eine halbe Million Euro.

Die Lego-Orgel sollen neben dem Original in der Wiblinger Kirche stehen

Wahrscheinlich wird das in jedem Fall mehr als 50 Kilogramm schwere Modell in der Wiblinger Basilika aufgestellt werden. Siemoneit greift dafür tief in die Tasche, finanziert er doch das Modell bislang selbst – und hofft, dass sich die Kosten einigermaßen im Rahmen halten. Ein ganzes Stück Empore ist schon fertig. „Wenn die Idee da ist, geht es ziemlich schnell. Aber es dauert oft lange, bis die Idee zur Umsetzung da ist“, erklärt Sahir Elsheikh. Der Ägypter kam erst im Frühjahr 2019 mit seiner Familie nach Ulm und arbeitet hier als Software-Entwickler für einen Autoteile-Zulieferer. Aber bereits in Stuttgart , wo er zuvor lebte, ging er gern zu einem Lego-Stammtisch. „Als Kind habe ich in Ägypten Lego gebaut. Aber natürlich ganz andere Sachen. Als ich nach Ulm kam und den Stammtisch der Klötzlebauer entdeckte, war ich glücklich“, erzählt der 30-Jährige. Siemoneit zeigte ihm die Wiblinger Basilika und erklärte ihm sein Projekt. „Da war ich ganz aufgeregt“, sagt Elsheikh.

Beim Orgelmodell-Projekt ist er vor allem zuständig für die Beschaffung der unzähligen goldfarbenen Legosteine, die nötig sind, um das Gold der Empore, der Orgelpfeifen selbst und der Stuckverzierungen nachbauen zu können. Goldfarbene Legosteine werden vor allem in den USA verkauft, und es gibt verschiedene Töne wie „Warm Gold “, „Metallic Gold “ oder „ Pearl Gold “, für das sich die Legobauer schließlich entschieden, weil es immerhin 729 verschiedene Steinvarianten in diesem Farbton gibt – deutlich mehr als in anderen Goldtönen. „Sie sind aber sehr teuer“, weiß Siemoneit inzwischen, und Elsheikh ergänzt mit Blick auf die Steinchen-Kiste: „Für uns ist diese Kiste tatsächlich eine Schatzkiste. Wertvoll wie Gold sind die Steine für uns.“

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Die Lego-Baumeister bauen auch die Orgelpfeifen mit Klötzchen nach

Wie aber baut man beispielsweise Zierelemente der Empore nach, die einst aus feuchter Leinwand gebildet und mit Goldfarbe überzogen wurden? Vor diesem Rätsel standen die drei Klötzlebauer eine ganze Weile, bis sich die Lösung fand. Und in den Orgelpfeifen, die sie als Modelle bereits entworfen haben, sitzen beispielsweise Automotor-Legosteine, deren Form perfekt passt.

Um so detailliert wie nur irgend möglich bauen zu können, lassen sich Siemoneit , Elsheikh und Schumann von Franz Barth beraten. Er ist der stellvertretende Vorsitzende des Wiblinger Orgel-Fördervereins und bringt Wissensgrundlagen mit in die Planung ein – zum Beispiel über querliegende Orgelpfeifen und über den Spieltisch. Diese Ratschläge helfen zusätzlich zu den Zeichnungen und der Fotomontage, die sich die drei Lego-Baumeister von der künftigen Hauptorgel für die Arbeit besorgt haben, eine ganze Menge. Denn falsch aussehen soll am Ende bei diesem Modell nun wirklich nichts.

Im Hintergrund der Orgel werden die drei Fenster der Empore entstehen, und selbst der Lichteinfall soll bei der späteren Beleuchtung berücksichtigt werden. Und einen großen Traum teilen die drei Männer, die so unterschiedlich sind, die ihre Legobau-Leidenschaft aber zu Freunden gemacht hat: Dass aus ihrem Orgelmodell, wenn es eines Tages fertig gebaut sein wird, auch Klänge kommen können. Für deren Programmierung wird Sahir Elsheikh zuständig sein. Zunächst aber muss die Orgel selbst entstehen – in drei Modulen, damit sie aus dem Keller der Familie Siemoneit transportiert werden kann.

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