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Unterhaltung

13.02.2016

Er träumt von Merkel und dem Hammelbraten

Sie singen, sie witzeln, sie werden politisch: Kabarettist Otto Göttler und seine musikalische Partnerin Geli Huber waren im Theater Neu-Ulm zu Gast.
Bild: Dagmar Hub

Kabarettist Otto Göttler und seine musikalische Partnerin Geli Huber bringen das schwäbische Publikum herzlich zum Lachen

Jede Textstelle verstanden die Schwaben sicher nicht, aber mitsingen konnten sie: Otto Göttler, Musikkabarettist und Meister echter bairischer (und anderer) Volksmusik begeisterte im Theater Neu-Ulm mit seiner musikalischen Partnerin Geli Huber sogar die Schwaben. Politisch, eigenständig und gradlinig kam der 67-jährige Giesinger, 1986 Gründer des Bairisch-Diatonischen Jodelwahnsinns, daher – aber auch musikantisch genial mit Zwiefachen mit ihren abwechselnden ungeraden und geraden Takten. Akkordeon, Concertina, Trompete und Ukulele spielte Göttler bei seiner „Unverschämten Wirtshausmusik“, immer begleitet von der auch eigenständig komponierenden Geli Huber.

Wer er ist und warum er ist, wie er ist, das beschreibt Otto Göttler unverklärt am liebsten im Lied – dann, wenn er den „Untergiesinger Grantler-Blues“ singt oder von seiner Kindheit im Münchner „Glasscherbenviertel“, von den Kriegsversehrten, die am Fuß des Giesinger Bergs mit ihrer Musik ein paar Münzen zu ihrer kargen Rente hinzuverdienten. Schlaglichtartig berichten die „Liadl“ Kindheitsbilder – vom grob zuschlagenden Kaplan seiner Schulzeit, der auch mit Wein und Gewalt dem Anspruch des Zölibats nicht Herr wurde zum Beispiel.

Es ist eine von Göttlers großen Stärken, aus Momentaufnahmen Liedtexte zu machen, die packen. Deshalb findet sich auch die Kaisheimer Kleinkunstbühne „Thaddäus“ in einem Lied, und das mitternächtliche Aufspielen beim Wirt schafft ein lebhaftes Kopfkino.

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Da ist die eine Seite Göttlers: die frechen Texte, die Derbheiten und Geistvoll-Nachdenkliches zusammen verpacken in echte Volksmusikklänge fernab von der Süßlichkeit des Volkstümlichen. Und da ist die andere Seite des Otto Göttler: die scharfe, anarchisch-rebellische Beobachtung des politischen Geschehens, so tagaktuell, dass die 19-Uhr-Nachrichten noch ins Konzert eingehen. So scharfsichtig Göttler Weltpolitik analysiert – über seinen gesungenen Traum kann das Publikum herzlich lachen: Der amerikanische Nachrichtendienst NSA überwacht versehentlich statt Angela Merkels dienstlichem ihr privates Handy und zeichnet auf, wie Merkel am Freitag ihrem Ehemann Anweisungen für den Einkauf der Zutaten für mecklenburgisch-vorpommerschen Hammelbraten gibt. Dann passiert der NSA ein Übersetzungsfehler, und statt Salbei kommt in den USA Salpeter an den Hammel...

Stolpernde Idole wie Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer nimmt Göttler gern auf die Schippe, Windräder, Solar-Felder, den Dax und die Banken. Der Mensch mag es ekelhaft, er ist genetisch auf Zwist angelegt, davon ist der alte Haudegen inzwischen überzeugt – und malt zur vierten Zugabe in Neu-Ulm noch ein besonderes Szenario: Kopftücher für Ehemänner. Beim Treffen Erdogan/Merkel habe die Kanzlerin im Gegensatz zu Erdogans Ehefrau kein Kopftuch getragen, sagt Göttler. Wäre nicht eines für den Kanzlerinnen-Ehemann angemessen gewesen?

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