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Handwerk I

13.05.2015

Fleischer sind sauer auf Lidl

Als „Attacke gegen gutes Handwerk“ bezeichneten Kreishandwerksmeister Michael Stoll und die beiden Obermeister Gunther Kühle und Josef Bader (von links) die Marketingkampagne des Lebensmitteldiscounters Lidl.
Bild: Manfred Deger

Rundumschlag der Innung von der Frage der Qualität bis zum Mindestlohn. Discounter und Politiker werden heftigst kritisiert

Der Discounter Lidl will mit dem Billigimage Schluss machen und startet eine Werbekampagne, die die Qualität in den Mittelpunkt stellt. Das stößt der Fleischerinnung Günzburg/ Neu-Ulm sauer auf. Josef Bader, Obermeister der Fleischerinnung Krumbach-Illertissen und Ehrengast bei der Mitgliederversammlung der Nachbarinnung, kritisierte, dass Lidl einen Spagat zwischen Ramschpreisen und Tierwohl wage und so den Qualitätsbegriff verneble. Laut Lidl erkenne man gutes Fleisch an einem niedrigen Preis. Darauf lasse sich jedenfalls diese Werbung reduzieren sagte er und bemerkte, dass der Landesinnungsverband in seiner Kritik auch vom Verein „Slow Food Deutschland“ unterstützt werde, der sich für einen bewussten und genussvollen Umgang mit Essen und regionalen Produkten einsetze und die Kampagne als „Attacke gegen gutes Handwerk“ bezeichne.

Auch die Politik bekam bei der Mitgliederversammlung der Innung im Gasthof Hobel in Illerberg ihr Fett ab: Als „unwissende Frevler, die Löcher in das Fundament des deutschen Handwerks fressen“ bezeichnete Gunther Kühle, der Obermeister der Fleischerinnung Günzburg/Neu-Ulm, die Bundes- und Europapolitiker. Im besonderen Fadenkreuz seiner Kritik war Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Deren Äußerung, sie sei „überrascht, dass 99 Prozent der Handwerksbetriebe schon immer den Mindestlohn bezahlen“, nannte Kühle eine „von Vorverurteilung bestimmte Unwissenheit und einen Beweis dafür, dass Politiker vom Schreibtisch aus und fern jeder Realität Entscheidungen treffen“. Die Ministerin habe wohl vorausgesetzt, dass die Betriebe die Mitarbeiter vor dem Mindestlohngesetz wissentlich ausgenutzt hätten.

„Das ist eine Kriminalisierung des Handwerks und unseres Berufsstandes“, schimpfte der Obermeister. Nicht weniger drastisch behandelte er die Versuche der EU-Politik, den deutschen Meisterbrief abzuschaffen. Damit werde handwerkliche Bildung, die auf jahrhundertealter Erfahrung basiere, diskriminiert. Der Meisterbrief sei ein hohes Gut und werde weltweit als höchste Qualifikationsstufe geachtet. Er bilde die Grundlage für die internationale Wertigkeit deutscher Produkte.

„Hier wird bewusst versucht, das Handwerk zu schwächen und die Marktmacht der Konzerne zu stärken. Stein für Stein wird dem Fleischerhandwerk der Boden entzogen, Meisterbetriebe dürfen nicht mehr selbst schlachten, demnächst verbietet man uns auch noch das Zerlegen und degradiert uns zu reinen Verkaufsgehilfen. Dagegen müssen wir kämpfen“, forderte Kühle seine Innungskollegen auf. (mde)

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