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Holzheim

25.03.2020

Gestrandet im Inselparadies: Holzheimer sitzt auf den Philippinen fest

Hier wirkt Thomas Beil noch entspannt. Zusammen mit einem guten Freund hat er einen Thai-Massage-Kurs in der Inselprovinz Bohol absolviert. Mittlerweile wäre seine Reise zu Ende, doch alle Flüge der Rückholaktion wurden abgesagt und er sitzt auf der Insel Cebu fest.
Bild: Mo Canlas

Plus Eigentlich wollte Thomas Beil aus Holzheim ein paar entspannte Tage auf den Philippinen verbringen. Jetzt versucht er verzweifelt, nach Deutschland zurückzukommen. Wegen der Corona-Krise geht kein Flugzeug mehr.

Idylle pur: weiße Strände, glasklares Wasser und ein erfrischender Cocktail in der Hand. Eine Traumvorstellung und für Thomas Beil aus Holzheim war das bis vor wenigen Tagen Realität. Wenn er jetzt aus dem Fenster seiner Ferienwohnung schaut, sieht er leere Straßen, geschlossene Geschäfte und vereinzelt ein paar Menschen, die mit Mundschutz ausgerüstet versuchen, Lebensmittel zu bekommen. Die Corona-Krise ist auch auf den Philippinen angekommen.

Der Holzheimer sitzt jetzt auf Cebu fest

Seit eineinhalb Wochen sitzt Beil auf Cebu, einer Provinz der Philippinen, fest. Der gebuchte Rückflug am 18. März wurde gecancelt, nachdem die Regierung des Landes am 12. März den „lockdown“ beschlossen hatte – ähnlich wie die Ausgangsbeschränkung in Deutschland. Seitdem sitzen viele deutsche Touristen auf den Inseln fest. Als Beil am 3. März nach Cebu geflogen ist, waren die Auswirkungen des Coronavirus dort niemandem wirklich bewusst, vor allem nicht den Filipinos, wie er erzählt. Gut gelaunt und voller Erwartung und Vorfreude postete der 52-Jährige kurz vor Abreise noch ein Bild auf Facebook.

Nachricht der deutschen Botschaft in Manila - Flüge wurden gestrichen.
Bild: Screenshot privat

Beil lebt eigentlich in Holzheim und arbeitet als technischer Redakteur. Er hat sich dazu entschieden, einen neuen Weg einzuschlagen und wollte gemeinsam mit einem deutschen Freund, der auf den Philippinen lebt, eine Schulung zum Thai-Masseur machen. Deswegen die große Reise. „Eineinhalb Wochen waren wir in unserer Ausbildungsstätte in Bohol und haben den Kurs absolviert“, berichtet Beil am Telefon. „Nach dem Kurs wollten wir noch ein bisschen Urlaub auf mehreren Inseln machen, doch jetzt sitzen wir fest.“ Wie viele Urlauber kommen Thomas Beil und sein Kumpel Mo Canlas nicht mehr nach Deutschland zurück. „Auch die Fähre holt niemanden mehr von den Inseln, da die Leute sich nicht vermischen sollen“, sagt Beil. Drei Tage lang hatten die beiden Freunde noch Urlaubszeit auf Camiguin Island, der erste und letzte Stopp der Inseltour.

Gestrandet im Inselparadies: Holzheimer sitzt auf den Philippinen fest

Die Insel wurde gesperrt

Dann wurde die Insel gesperrt: „Wir haben den letzten Inlandsflug zurück nach Cebu bekommen und da sitzen wir jetzt seit mehr als einer Woche fest“, sagt der Holzheimer. Bei der Fluggesellschaft, bei der er gebucht hatte, erreiche man niemanden mehr. Nach der Registrierung für das Rückholprogramm bekomme man keine Antwort und die deutsche Botschaft in Manila könne keine Auskunft geben. Beil und viele andere Deutsche sind verzweifelt: „Ich frag mich wirklich, wer die Zehntausenden von Leuten sein sollen, die in den Rückholfliegern sitzen – denn hier wird keiner geholt.“ Um nach Deutschland gebracht zu werden, muss man sich für das Rückholprogramm anmelden: Elf Mal haben sich Beil und Canlas registriert und elf Mal kam keine Mail zurück. Die Botschaft in Manila sei ausgelastet, nur eine Frau arbeite dort. Da heiße es, man soll auf die E-Mail warten. Oder die Botschaft sei geschlossen. Bereits drei Rückholflüge nach Frankfurt wurden storniert.

"Man wird komplett alleine gelassen"

Die nächste Chance gibt es kommenden Samstag und am darauffolgenden Montag. „Bis jetzt ging kein einziger Flieger, aber wir hoffen weiter“, sagt der 52-Jährige. „Man ist einfach komplett alleine gelassen.“ Auf der Instagram-Seite der Botschaft gibt es viele Kommentare: deutsche Urlauber, die sich austauschen, die keine Infos bekommen und sich untereinander in WhatsApp-Gruppen organisieren. „Es ist eine Sauerei“, schreibt eine Urlauberin. Eine andere hat Angst um ihre Familie, die gestrandet ist und nicht zurückkommt.

Auf der Instagram-Seite "Germanyinphl" gibt es ab und zu Infos, in den Kommentaren tauschen sich die Deutschen aus.
Bild: Screenshot privat

Das Coronavirus hat auch die Philippinen hart erwischt: „Hier hat alles geschlossen, Apotheken, Restaurants und die Busse fahren nicht mehr“, erzählt Beil. Glücklicherweise haben er und sein Freund ihr Airbnb verlängern können, denn Hotels werden bald geschlossen. Ohne Mundschutz darf keiner auf die Straße: „Wir haben jemanden, der für uns Lebensmittel an den Straßenständen holt“, sagt Beil. Sobald man rausgehe, werde gescannt, ob man Fieber habe.

Gestrandet auf einer einsamen Insel – was sich nach Erholung anhört, ist für einige Touristen zu einem nervenaufreibenden Drama geworden. Thomas Beil und seine Leidensgenossen hoffen, dass am Samstag endlich ein Flug in die Heimat geht.

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