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27.07.2010

"Ich bin so was von überhaupt..."

Günter Grünwald begeisterte in Vöhringen. Foto: ub
Bild: ub

Vöhringen Genau genommen ist er ein Kletterkünstler. Wieso? Ganz einfach - er kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, ohne dabei die kabarettistische Balance zu verlieren. Günter Grünwald, so meint man, plaudert lustig drauf los, so wie's ihm grad einfällt, spricht von der wohlstandsverwöhnten Jugend, die sich in Langeweile aalt und landet beim Besuch von Onkel Hans im Krankenhaus am Tag der offenen Tür, was nicht mehr taufrisch ist. Er spult ein Zwei-Stunden-Programm ab, gespickt mit bekannten und unbekannten Alltäglichkeiten, die ihn offenbar mehr nerven als Politgeplänkel in Berlin oder München.

Fast ausverkauft

Der Saal im Wolfgang-Eychmüller-Haus ist so gut wie ausverkauft. Man will den Mann live erleben, der zur Freitagscomedy im Bayerischen Fernsehen genau so gehört wie die Butter aufs Brot. Er steht allein auf der Bühne, keine Requisite, nichts. Günter Grünwald, der Dauerredner, der ohne Punkt und Komma mit ungedrosseltem bayerischen Zungenschlag erzählt, wie ihn der Zugreisende mit der "Das-ist-mein-Platz-Mentalität" aufregt, wie ihn die Handyritis Jugendlicher nervt und wie er unversehens in eine NPD-Versammlung mit Skinheads gerät, die er mit "ganz ruhig, Brauner" im Zaum zu halten weiß. Er witzelt, frotzelt, kalauert buchstäblich über Gott und die Welt, über den Festplatten-Receiver bei seinem ultramodernen Flachbildschirm, auf dem sich zu nächtlicher Stunde "nackerte Weiber" tummeln, die er anrufen soll und nicht weiß warum, "die kenn ich ja gar nicht." Wieso sollte er auch mit "total versauten Girls" parlieren? Aber es gibt auch Vertreter des männlichen Geschlechts, die ihm eigenartig vorkommen, sie tragen Leder, "aber keine Tracht." Der Schlenker mit Seitenhieb auf die Kirche fehlt selbstredend auch nicht. Aber mit den Zeugen Jehovas hat er auch nichts am Hut, wenngleich er gegen sie "wirklich nichts hat", wie er beteuert. Günter Grünwald ist nicht ätzend, nicht boshaft, er gleitet zwar bisweilen etwas unter die Gürtellinie. So wie er seinen ersten Auftritt als Kabarettist im Altenheim schildert, wo Senioren den Kuchen in sich hinein schaufeln und den Kaffee gleich aus der Kanne trinken oder dass ihm das dreckerte Vöhringen lieber ist als das geschleckte Ansichtskarten-Heidelberg. Wobei er natürlich nicht sagen will, dass Vöhringen dreckig ist, nur ein bisschen umständlich zu erreichen. Ja, ja die vielen Kreisel und dann noch der "für immer geschlossene Bahnübergang."

Wenn er sich mit seinem Hinterteil auf seine Brille setzt, weil sie auf dem Stuhl und nicht auf dem Tisch liegt, ist die Brille natürlich im Eimer. Aber er hat ein Wundermittel, um sie zu reparieren - Tesafilm. Davon ein kleines Stückchen, garniert mit dunklen Haaren, unter die Nase geklebt und fertig ist die Hitler-Parodie, die ebenfalls zu den Dacapos zählt. Aber sei's drum - Grünwald kommt an, nicht zuletzt, weil er mit dem Publikum umzugehen weiß. Ein Profi durch und durch. Aber auch ein sympathischer, der kurz vor dem Auftritt kleine Häppchen in der schlichten Garderobe isst und freundlich erlaubt, dass man ihn auf der Bühne ablichten darf und sogar mit Blitz, was nicht selbstverständlich ist. Wenn er auf der Bühne erscheint, brandet Beifall auf. Das stimuliert, auch wenn Günter Grünwald das wohl jeden Abend erlebt, so wie die Lacher, die punktgenau auf jeden Gag folgen. Zum Schluss viel Beifall.

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