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Publikumsstimmen

18.04.2015

Im Bann der „Bakchen“

„Auch wenn es harte Kost ist, mir hat es super gefallen.“Zuschauer Christoph Ellegast

Nach der Uraufführung im Theater Ulm zeigen sich die Zuschauer tief bewegt. Lob gibt es für die Bühne – und die Schauspieler

Euripides und Pussy Riot: Fast 2500 Jahre liegen zwischen der Popularität des griechischen Dichters und der fünf russischen Feministinnen. John von Düffel verknüpfte beides in seiner „Die Bakchen“-Bearbeitung im Großen Haus des Ulmer Theaters: Viel Beifall beim Publikum, doch gleichzeitig tief betroffene Zuschauer, von denen die Wenigsten nach der Schlussapplaus bereit waren, sich zu äußern. Der Stoff beschäftige sie so sehr, dass man sich erst wieder sammeln müsse, bekundeten viele.

Anders Britta Kirbach aus Blaubeuren. „Menschliche Abgründe“, sagt sie. „Starker Tobak. Aber es hat mir sehr gut gefallen, weil das Stück stringent konzipiert ist und super gespielt. Auch das Bühnenbild ist diesmal sehr eindrucksvoll.“

Christoph Ellegast aus Warthausen ist ebenfalls gerade vom Bühnenbild Mona Hapkes beeindruckt. „Die verschiedenen Ebenen - das ist originell, ohne dass der Einsatz der Technik überzogen wird, und auch der Einsatz der Videos kommt als Ergänzung zum Drama gut. Ich hätte mich vorher aber mehr einlesen sollen.“ Vom Spiel und der Sprache der Schauspieler zeigt sich Ellegast sehr angetan. „Auch wenn es harte Kost ist, es hat mir super gefallen.“ Bleiben wird für ihn der letzte Satz des Werkes, sagt Ellegast. Was schlimmer kommen könne als das angerichtete Leid? „Die Dauer.“

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Die Ulmerin Veronika Pfrommer differenziert zwischen schauspielerischer Leistung und Stück. „Schauspielerisch gut, endlich auch ein Stück, in dem richtig gut gesprochen wird. Vor allem Sidonie von Krosigk hat mich überzeugt.“ Die junge Schauspielerin bringe in Ulm viele Facetten auf die Bühne. „Und in diesem Stück zeigt sie eine Präsenz, die in ‚Kabale und Liebe’ nicht so stark kam.“ Zum Stück selbst sagt Pfrommer, dass Mythologie noch nie ihre Leidenschaft war. „Trotzdem hat mir das Stück in der Verquickung des Wunsches nach weiblicher Selbstbestimmung gut gefallen. Freilich weckt es Assoziationen – ob aus dem Schenkel geboren oder Jungfrauengeburt: Etwas Derartiges braucht es wohl in jeder Religion.“

Sehr positiv äußert sich auch die Neu-Ulmerin Helga Albert. „Die Schauspieler waren heute Abend sehr klar, sowohl in der Darstellung als auch in der Sprache. Richtig Tiefgang entwickelt das Stück allerdings erst nach der Pause.“ Das Bühnenbild lobt Albert sehr. „Insgesamt auf jeden Fall empfehlenswert.“

„Mir erschließt sich die Sache nicht ganz“, sagt die Ulmerin Renate Wagner. „Aber ich hatte es schon als Schülerin nicht so mit den Griechen.“ Großartig aber findet sie in dieser Inszenierung das Bühnenbild, „und die Beleuchtung agiert unglaublich toll, sparsam auf dem Holz, das ist gut.“ Trotzdem sei die Inszenierung kein Schaulaufen der Bühnentechnik. Die von Wilhelm Schlötterer dargestellte Figur des Gründervaters von Theben beweise „Mut zur Hässlichkeit“, sagt Wagner. „Aber warum muss er das Kleid aus ‚Così fan tutte’ anziehen?“ Fabelhaft fand die Ulmerin den Einsatz des Ballett-Ensembles in der Choreografie von Yuka Kawazu. „Und diesmal wurde durchweg gut gesprochen. Das hat es dringend gebraucht! Nur warum sich Theiresias so affig benehmen muss, so wenig als weiser alter Mann, das begreife ich nicht.“

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