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Naturgewalt

01.12.2017

Im Iran fließt sauberes Wasser mit Neu-Ulmer Hilfe

Philipp Enderle zeigt dem iranischen Energieminister Reza Ardakanian Flaschen mit Wasser vor und nach der Aufbereitung.
Bild: Atec

Wie die Firma Atec in einer Erdbebenregion mit innovativer Technik tausend Menschen versorgt

Nur noch Häuser wie Gerippe stehen. Zwischen Ruinen irren Menschen umher. Andere Bilder des iranischen Staatsfernsehens zeigen Bilder von Zeltstädten. In den südlichen Kurdengebieten bebte vor zwei Wochen die Erde. Mehr als 400 Menschen starben, Tausende wurden verletzt.

Weite Teile der iranischen Provinz Kermanschah wurden zerstört, eine der am stärksten betroffenen Städte ist Sarpol. Eine Stadt, zu der Philipp Enderle und Volker Allmendinger eine besondere Beziehung haben. Beide arbeiten für die Firma Atec aus Neu-Ulm, die vor einigen Monaten eine containerbasierte Trinkwasseraufbereitungsanlage in die 45000-Einwohner-Stadt verkaufte. Das gute Stück im Wert von 100000 Euro wurde bei Atec in Neu-Ulm komplett anschlussfertig in einem 20-Fuß Seecontainer vormontiert und getestet. Und hätte vor Ort in der Notsituation eigentlich schnell in Betrieb genommen werden können. Die Anlage sei allerdings von einem Zwischenhändler als Schauobjekt verwendet worden und wartete auf einen späteren Einsatz in einer anderen Region.

Und dann bebte am Sonntag, 12. November, die Erde. Die Trinkwasserversorgung in Sarpol wurde durch das schwere Erdbeben stark in Mitleidenschaft gezogen, das vormals klare Wasser mutiere zu einer trüben Brühe. „Der Wasserversorger konnte das Wasser mit den bestehenden Sandfiltern nicht mehr zur Trinkwasserqualität aufbereiten“, sagt Enderle. Er und sein Kollege Allmendinger dachten sofort an „ihre Anlage“ vor Ort, als sie die schrecklichen Bilder im Fernsehen sahen. Klar war ihnen: Eine Anlage, die 30000 Liter Wasser am Tag reinigen kann, ist mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Das langt für eine Kleinstadt. Und deswegen flogen die Zwei einen Tag nach dem Erdbeben in die Region, um in Absprache mit ihren iranischen Partnern die Inbetriebnahme zu betreuen. Ein Wagnis: Denn ohne Visum stiegen die Neu-Ulmer in den Flieger nach Teheran um dann von der iranischen Hauptstadt nach Kermanschah weiter zu reisen. Die Erlösung bei der Passkontrolle: Die zwei Helfer durften einreisen. Überhaupt spricht Enderle von einem außerordentlich freundlichen Empfang in einem Land, das aufgrund islamistischer Umtriebe mit einem oft zweifellhaften Ruf leben muss. „So viel Hilfsbereitschaft habe ich noch nie erlebt“, sagt Endlerle, der auch schon in unwegsamen Gebieten Zentralamerikas unterwegs war. „Aber anstrengend war es auch.“ Zweieinhalb Stunden dauerte es vom Hotel in sicheren Gefilden zum Wasserwerk von Sarpol. Das war äußerlich zwar unversehrt, doch wie Enderle vor Ort erfuhr, hatte das Beben die Quelle unterirdisch verschmutzt. Der Plan der Neu-Ulmer ging auf: Die Trinkwasseraufbereitung „Made in Neu-Ulm“ klappte wie am Schnürchen. Die Anlage lieferte vom ersten Moment der Inbetriebnahme glasklares Trinkwasser. Die Firma Atec setzt hier auf eine innovative Technik: Membrane mit einer unvorstellbar kleinen Porengröße von etwa 0,1 Mikrometer sorgen für eine komplette Entfernung von Bakterien und Trübstoffen. „Ultrafiltration mit getauchten keramischen Membranen“ nennt diese Technik ein Fachmann wie Enderle. Seit 25 Jahren stellt Atec in Neu-Ulm mit derzeit 15 Beschäftigten Filtrationsanlagen für die Wasseraufbereitung her. Der Einsatz im Iran ist nicht der erste exotische Einsatzort: In Costa Rica und El Salvador sorgt ebenfalls Neu-Ulmer Technik für sauberes Wasser – allerdings ohne einen Zusammenhang zu Katastrophen wie jüngst im Iran. (heo)

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