Newsticker

Corona-Krise: UN-Klimakonferenz wird verschoben
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Im Musical will Mogli im Dschungel bleiben

Ulm

14.01.2020

Im Musical will Mogli im Dschungel bleiben

Etwas anders als bei Disney: Mogli (Ali Marcel Yildiz) wächst in der Wildnis auf – und will am Ende dieser Version der Geschichte auch dort bleiben.
Bild: Dagmar Hub

Charmant und authentisch: Das Dschungelbuch im CCU begeistert junge Besucher. Am Ende herrscht Eintracht zwischen Mensch und Tier.

Ohne das „Dschungelbuch“ in irgendeiner Form kennenzulernen, werden wahrscheinlich nur wenige Kinder groß. Aus Rudyard Kiplings Entwicklungsroman, den er zum Ende des 19. Jahrhunderts verfasste, wurden Filme, Bücher, Merchandising-Figuren. Das Tourneetheater „Theater Liberi“ aus Bochum brachte im ausverkauften Congress-Centrum Ulm das Dschungelbuch als Musical für die ganze Familie auf die Bühne.

Die Aufführung überraschte manch einen Zuschauer durch das Wiedersehen mit einer in der Region recht bekannten jungen Frau: In der Inszenierung des im ganzen deutschsprachigen Raum tourenden Theaters überzeugte – als das Mädchen Narami, das Mogli kennenlernt, aber auch als Wolfsmutter, Affenfrau und witziger Geier – die in Neu-Ulm aufgewachsene Wiebke Isabella Neulist, die ihre ersten Bühnenerfahrungen in der Region machte. Sie spielte unter anderem die Titelfigur im Musical „Lilli Langohr“ zum Münsterturmjubiläum 2015. Inzwischen hat die 25-Jährige ihren Master im Studiengang Bachelor an der Münchner Theaterakademie August Everding mit Auszeichnung bestanden und steht auf vielen Bühnen als Musical-Darstellerin.

Musical "Dschungelbuch" im Congress Centrum Ulm

Wiebke Isabella Neulists Agilität und Spielfreude sowie ihre stimmlichen Qualitäten gaben der Inszenierung des Theater Liberi in den verschiedenen Rollen Charme und Witz. Denn für die Darsteller im „Dschungelbuch“ gilt es, nicht nur die Bewegungen der Tiere und ihre Stimmen – wie in der Affenhorde – verinnerlicht zu haben, sondern in Teilen des Familienmusicals geht es auch darum, gleichzeitig in deutscher Sprache als Tier zu sprechen und sich über die merkwürdige Sprache der Menschen zu wundern und zu amüsieren.

Im Musical will Mogli im Dschungel bleiben

Moglis Geschichte, die des durch ein Unglück von seiner Familie getrennten und mit einem Wolfsrudel im Dschungel aufgewachsenen Jungen, ist eine der bekanntesten Erzählungen der Kinder- und Jugendliteratur. Seit mehr als hundert Jahren wird dieses Stück heiß geliebt und 1967 erlangt es endgültig Kultstatus, als Vorlage für die letzte der Verfilmungen von Walt Disney. Und in jeder Version ist die Erzählung zugleich auch Ausdruck der jeweiligen Grundhaltungen einer Zeit. Stehen bei Kipling noch die harten Gesetze der Natur im Dschungel und die Verantwortung im Vordergrund, veränderte bereits Disney die Geschichte – samt ohrwurmträchtiger Hits – durch Leichtigkeit und die Betonung auf dem Wert von Freundschaft.

CCU: Theater Liberi bringt das "Dschungelbuch" in Ulm auf die Bühne

Aber während bei Disney Mogli am Ende durch das Mädchen Shanti seinen Weg zurück zu den Menschen findet und dies auch die Tiere befürworten, weil Mogli eben Mensch ist, ist der Ausgang beim Theater Liberi ein anderer: Der heranwachsende Junge Mogli (Ali Marcel Yildiz) will mit dem Mädchen Narami, das ihn bezaubert, befreundet sein. Er will aber auch, nachdem der Tiger Shir Khan keine Gefahr mehr für ihn darstellt, im Dschungel bleiben. Denn Mogli ist überzeugt: Shir Khan ist nur deshalb böse, weil er nicht genügend Freundschaft erfahren hat und einsam ist.

Freundschaft und Toleranz heilen in dieser Geschichte jugendlicher Identitätssuche alles. Das ist angesichts einer Begegnung mit dem Tiger eine etwas gewagte These, und vom veganen Leben dürften weder Schlangen wie Kaa noch Wölfe, Bären oder ein Panther wie Baghira zu überzeugen sein. Auch wenn das Musical seine ganz eigenen, neuen Songs hat und die beliebten Disney-Ohrwürmer nicht vorkommen, die vermutlich mancher erwartete: Für die jungen Zuschauer im CCU war es in jedem Fall eine begeisternde und familiengerechte Aufführung, deren Charme vor allem in den sehr authentischen Bewegungen der Tierdarsteller liegt. Großen Eindruck machte besonders Rick Middelkoop als Tiger Shir Khan und als Chef der Affenbande.

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren