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Nacktbaden

12.04.2014

Im Sommer fallen die Hüllen

Nackter Badespaß: Für viele Menschen gehört die Freikörperkultur zum Sommer dazu. Auch wenn Nacktbaden bislang bayernweit verboten war, wurde es vielerorts geduldet – solange keine anderen Badegäste sich störten.

Bayernweites Verbot außer Kraft. Wie die Gemeinden darauf reagieren

Noch sind die Seen in der Region den meisten zum Baden ein paar Grad zu kalt. Nichtsdestotrotz suchen schon jetzt zahlreiche Sonnenanbeter den Weg in die Naherholungsgebiete und genießen die wärmenden Strahlen. Wenn die Temperaturen steigen, fallen bei ihnen in der Regel die Hüllen. Bei manchen sogar ganz. Was früher verboten war, ist es in diesem Jahr nicht mehr. Im Oktober ist eine Verordnung ausgelaufen, nach der in ganz Bayern Nacktbaden verboten war. Der Freistaat will es künftig den Kommunen selbst überlassen, ob sie es ihren Bürgern erlauben, hüllenlos zu planschen – oder eben nicht.

Doch die meisten Städte und Gemeinden haben bisher darauf noch gar nicht reagiert. So auch in der Region. In Neu-Ulm beispielsweise gibt es zwar eine Grünanlagenverordnung, die festlegt, was in den Naherholungsgebieten der Stadt erlaubt und was verboten ist. Nacktbaden ist darin aber nicht enthalten. „Wir hatten in Neu-Ulm bisher kein großes Problem mit Nacktbadern, von daher bestand noch keine Notwendigkeit, eine eigene Verordnung zu erlassen“, erklärt Thomas Nägele vom Ordnungsamt.

Dabei gibt es auf Neu-Ulmer Flur durchaus die ein oder andere Anlaufstelle für Fans der Freikörperkultur. Der Brandstätter See zwischen Burlafingen und Steinheim ist seit vielen Jahren Treffpunkt nackter Badegäste. Da der See in Privatbesitz ist, liegt das hüllenlose Treiben nicht mehr im Verantwortungsbereich der Stadt.

„Unangenehme Vorfälle“ in der Vergangenheit

Dafür denken hier momentan die Eigentümer nach, ob sie künftig etwas gegen die Nacktbader unternehmen wollen. „Wenn sich alle anständig benehmen, haben wir da überhaupt kein Problem damit“, erklärt Beate Brandstätter-Krix. Aber: „Es gab in der Vergangenheit mehrere unangenehme Vorfälle. Deswegen überlegen wir, ob wir es nicht gleich ganz verbieten sollen.“ Männer, die sich hinter Büschen verstecken, spannen und Fotos von jungen Mädchen machen, seien nicht hinzunehmen, sagt Brandstätter-Krix.

Freikörperkultur (FKK) am Baggersee? Gibt es in Senden nicht, sagt Hauptamtsleiter Jürgen Schwer – und verweist auf die Vöhringer Seite des Gewässers. Nur dort gibt es eine Liegewiese für Nacktbader. Bis jetzt. Laut Freistaat könnten demnächst wohl die Kommunen aufgerufen sein, sich damit zu befassen. „Darum wird sich dann der neue Stadtrat kümmern“, sagt Schwer. Bisher sei das Thema aber „noch nicht in Sicht“.

Auch um das sogenannte „Porno Island“ ist es ruhig geworden. Vor einigen Jahren sorgten die Seen zwischen Senden und Illerzell für Schlagzeilen – besser gesagt ein schmaler Schilfstreifen, auf dem sich immer wieder Sextouristen vergnügt haben sollen. Doch dann wurde der Uferbereich abgeholzt – das schützende Schilf verschwand. Seitdem herrscht angeblich Ruhe.

In einem umwachsenen Bereich auf der Vöhringer Seeseite wurde FKK bisher geduldet, sagt Hauptamtsleiter Jürgen Herzog. „Mit dem Ende des Verbots ist das offiziell erlaubt.“ Jetzt könne die Liegewiese, die an sonnigen Tagen von vielen Menschen genutzt wird, ohne gesetzliche Bedenken betrieben werden. Zu Problemen sei es dort in den zurückliegenden Jahren nie gekommen: „Wir haben anständige Nacktbader“, sagt Herzog.

Nicht zu viel nackte Haut: Auf der Liegewiese am Roggenburger Weiher müssen Sonnenanbeter Badebekleidung tragen. Das regelt die Betriebsordnung.

Nicht alle halten sich an das Verbot

Allerdings halten sich nicht immer alle daran, weiß der zukünftige Bürgermeister Mathias Stölze. Bei einer Bootstour mit seiner Familie habe er auf dem Steg mal ein nacktes Pärchen erspäht. „Groß gestört“ habe das aber niemanden. Bei gutem Wetter tummeln sich bis zu 100 Besucher auf dem Gelände am See. Einen Antrag, dort einen FKK-Bereich zu schaffen, gibt es bisher nicht.

Auch das Weißenhorner Freibad ist laut Satzung für Nackedeis tabu. Ab und zu sonne sich zwar mal jemand „oben ohne“, aber das werde meistens toleriert, sagt Karl-Walter Simmendinger, der in der Weißenhorner Stadtverwaltung für die Bäder zuständig ist. Einen festen Bereich für nackte Bader einzurichten, sei noch nie angedacht gewesen.

Im Illertisser Freizeitbad Nautilla gab es bis vor einem Jahr FKK-Abende. Dann wurden sie abgeschafft – „aus betriebswirtschaftlichen Gründen“, wie Geschäftsführer Harry Behne sagt. Etwa 40 bis 50 Personen hätten die Abende im Schnitt genutzt, zu wenige für einen profitablen Betrieb. Friedlich sei es dabei meist abgelaufen, sagt Behne. Im normalen Betrieb komme es hingegen ab und an zu „Übergriffen“. Ein Beispiel: Im Juni 2013 hatten ein 65-jähriger Mann und seine Geliebte Sex im Nautilla – mitten auf der Liegewiese. Das weithin sichtbare „Schäferstündchen“ wurde teuer. Die Strafe lag bei 500 Euro.

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