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Weißenhorn

25.02.2015

Kein Dach – und schon Feuer drunter

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Nachdem der Stadtrat sich im Sommer 2014 für eine Dachkonstruktion am Busbahnhof entschieden hatte, wurde diese Planung nun abgelehnt.
Bild: Architekt Koch

Nach der Absage der Pläne im Stadtrat will Bürgermeister Fendt den Beschluss prüfen lassen. Wie das auch ausgeht: In diesem Jahr müssen Reisende wohl im Regen stehen.

Wie berichtet, wurde die Konzeption des Architekten Philipp Koch am Montagabend mit einem Patt von zwölf zu zwölf Stimmen abgelehnt – nachdem der Berliner bereits einige Monate lang an seiner Idee, dem sogenannten „Weißenhorner Band“, arbeitete. Im Sommer 2014 hatte Koch den Auftrag durch den Stadtrat erhalten – damals mit einer knappen Mehrheit von 13 zu elf. Diese kippte jetzt.

Auch Mühlenbesitzer Alexander Engelhard aus Attenhofen verfolgte die Sitzung: „Ich bin schockiert.“ Der Ex-Stadtrat hat das Bahnhofsgebäude gekauft und in den vergangenen Monaten restauriert. Nun wollte er erfahren, wie es mit dem anliegenden Busbahnhof weitergeht. Das Fazit: „Ich bin echt baff.“ Es sei „schade“, dass die Aufbruchstimmung im Zuge der Bahnreaktivierung nun jäh gestoppt werde, bevor das Areal insgesamt fertig ist. „Für die Außenwirkung von Weißenhorn ist das peinlich“, so Engelhard, der im Frühjahr einen Biergarten an die Gaststätte im Erdgeschoss des Bahnhofshauses anbauen will. Zerknirscht sagt er mit Blick auf die Bushaltestelle, wo noch die Holzhütten vom Winter stehen: „Vielleicht machen wir um den Biergarten einfach einen Bretterzaun außenrum, das passt dann wohl am besten dazu.“ Er hoffe, dass die „Schockstarre“ nach der Absage überwunden werde und die Stadt doch noch zu einer Lösung findet.

Derweil stellen sich Bus- und Bahnreisende in der Fuggerstadt die Frage, wie es mit dem Dach weitergeht. Im sozialen Netzwerk Facebook gab es Kritik an der Absage. Es sei den Stadträten wohl „Wurst“, ob die Leute im Regen stehen, vermutet eine Leserin. Ein anderer findet, man lasse die Bürger hier „im Regen stehen“.

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Aus Sicht mehrerer Räte ist das vorgesehene Dach zu teuer, dafür vorgesehen waren rund 750000 Euro. Architekt Koch erwartete noch Mehrkosten: So müsse das bereits gegossene Fundament ertüchtigt werden, da dieses das Dach nicht tragen könne. Außerdem sollten Poller oder Anbauten das Bauwerk gegen möglicherweise dagegen prallende Fahrzeuge schützen. Die rund 30000 Euro hätten bei der Beleuchtung eingespart werden können, so der Architekt. 24 statt der 40 vorgesehenen Leuchten würden ausreichen. Außerdem könnte die Banderole, das markante Herzstück des Dachs, günstiger konstruiert werden. Alles in allem ging Koch am Montag davon aus, dass der Bau rund 4600 Euro über dem Budgetplan liegen werde. Die tatsächlichen Ausgaben stünden aber erst fest, sobald das Dach fertig ist.

Dies stieß einigen CSU-Räten sauer auf: Gunther Kühle sprach von einem „Prachtbau“ und Josef Wanner wollte „nicht am Ende doch 850000 Euro zahlen“. Ihr Fraktionskollege Günther Hogrefe betonte, die Kostendebatte müsse ungeachtet der Zustimmung im vergangenen Sommer geführt werden. „Heute ist heute.“

SPD-Rat Thomas Schulz sah sich hingegen veranlasst, sich gegenüber Koch für „manche Äußerungen“ seiner Kollegen zu entschuldigen. Bernhard Jüstel (WÜW), der sich jahrelang für die Rückkehr des „Bähnles“ eingesetzt hatte, sah in dem Dach einen „Zweckbau“. Bürgermeister Fendt nahm Architekten in Schutz – dieser habe gute Arbeit geleistet und könne nichts für Fehler im Fundament. Er bemängelte den Tonfall mancher Äußerungen: „Wenn Planer beleidigt werden, ist eine Grenze erreicht.“

Heuer wird es wohl nichts mehr

Jetzt wird die Absage wohl das Landratsamt beschäftigen. Wie die Prüfung auch ausgeht – heuer wird es wohl nichts mehr mit einem Dach. „Das hat sich erledigt“, glaubt Fendt. Zudem würde ein Bau wohl teurer, als bisher angenommen. „Die Phase der niedrigen Angebote ist vorüber.“

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