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Ulm

23.05.2019

Kinderkonzert im Stadthaus: Auch ein Schlauch macht Töne

Trichter plus Schlauch – das einfachste Blasinstrument der Welt. Moderator Albrecht Schmid hatte viel Interessantes zu erzählen.
Bild: Dagmar Hub

Im Rahmen der Wiblinger Bachtage lernen Schüler, wie verschiedene Blasinstrumente funktionieren. Fasziniert sind sie auch von den Geschichten, die es zu hören gibt.

Jede Menge Schüler stürmen den Saal des Stadthauses, darunter auch Kinder aus Pfuhl, Nersingen und Offenhausen: Bei den Konzerten für Schüler, die Albrecht Schmid im Rahmen der Wiblinger Bachtage unter dem Motto „Heilig´s Blechle“ einrichtete, besuchen viele der etwa 400 Kinder erstmals im Leben ein Konzert. Und auch für diejenigen unter den Zweit- bis Sechstklässlern, die mit Musik bereits persönliche Erfahrungen gemacht haben, weil sie ein Instrument – vor allem Klavier und Flöte – spielen, ist es ausgesprochen spannend: Schmid trifft als Moderator genau den Nerv der Schüler – zwischen interessanter Information mit Tiefgang, Überraschungsmomenten und gewitzter Unterhaltung mit Niveau.

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Die Pfuhler Grundschullehrerin Daniela Hornung war schon öfter mit Schulklassen bei Schülerkonzerten der Wiblinger Bachtage. Obwohl sie aktuell eine zweite Klasse hat und damit aus der eigentlichen Zielgruppe der Konzerte fällt, wollte sie gern dabei sein, und ihre Schülerinnen und Schüler sitzen im Stadthaus sogar ganz vorne in den ersten Reihen. Emilia mit den langen blonden Haaren und ihre Freundin Sulaf mit den schwarzen Zöpfen sind gespannt und aufgeregt, was sie erwartet. Dass man Musik mag ist wichtig, findet Emilia, die noch kein Instrument spielt. Sulaf hat zu Hause eine Gitarre, die sie auch schon ausprobieren durfte, die Bezeichnungen der Saiten kennt sie jedoch nicht, erzählt das Mädchen. Aber an der Grundschule könne man nachmittags Gitarre, Flöte und Keyboard spielen lernen, berichtet sie. Mit Flöten beginnt es: Kinder dürfen den fünf Musikern des Ludwigsburger Blechbläser-Quintetts unterschiedliche Exemplare zuordnen. Wer könnte welches Instrument spielen? Die Kinder, die auf die Bühne dürfen, ordnen die Flöten fast durchgehend der Statur der Musiker zu – wer ziemlich stattlich wirkt, muss doch das größte der Instrumente spielen!

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Die große Kontrabasstuba wird mit einem "Boah" begrüßt

Dann folgt die Überraschung: Der Beginn des Konzerts ist ein fürchterliches Fiepsen, denn Klaus Dann, Hubertus von Stackelberg, Harald Domes, Michael Preuser und Dorian Kraft sind allesamt renommierte Blechbläser – aber Flöte spielen sie nicht. Dafür gibt es übers Blech enorm viel Wissenswertes zu erfahren: Warum man auf der Posaune am besten das Glissando spielen kann beispielsweise, oder warum das Saxofon trotz seiner Optik kein Blechblasinstrument ist. Jubel tobt und ganz viele „Boah!“-Rufe, als die Kontrabasstuba in den Saal getragen wird. Was das Instrument wohl wiegt? Zwölf bis 15 Kilogramm, erfahren die Kinder. Die Kontrabasstuba glänzt golden, die kleinere Basstuba „nur“ silbern. Die ist bestimmt weniger wertvoll, meinen Kinder – und liegen ganz falsch, denn der Silberglanz auf der Basstuba kommt vom echten Silber. Wie lange wären eigentlich die Schläuche eines Horns, würde man sie abwickeln? Acht Meter, lernen die Kinder – und staunen, wie einfach man mithilfe eines Schlauches und eines Trichters aus der elterlichen Küche ein stimmbares Instrument bauen kann, mit dem ein Profi-Musiker sogar im Ensemble mitspielen kann.

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Georg Friedrich Händels „Wassermusik“ erklingt. Albrecht Schmid erzählt vom König, der im Boot auf der Themse fährt und das langweilig findet und deswegen Musiker auf einem weiteren Boot bei sich hat, die diese Musik spielen. „Denn Radios gab es damals in der Barockzeit noch nicht.“ Wie unterschiedlich die gleiche Komposition auf modernen Blasinstrumenten und auf barocken Instrumenten klingt, wenn man sie unmittelbar nacheinander hört! Dass man mit Instrumenten sogar Bilder in den Kopf malen kann, zeigt Schmid mit eigenen Stücken vom Radrennfahrer oder dem Marathonläufer. Beim Kampf zweier Fliegengewicht-Boxer scheinen die Trompeten klanglich aufeinander loszugehen.

So viel Szenenapplaus bekommen die Künstler der Wiblinger Bachtage trotz deren hoher Resonanz beim Publikum selten: Vor allem aber sind die Schülerkonzerte ein wichtiges Element der Bachtage, um Kindern Zugang zur Musik zu ermöglichen.

Die Wiblinger Bachtage laufen noch bis Sonntag. Heute, Freitag, 24. Mai, um 20 Uhr spielen Christian Elin (Saxofon/Bassklarinette) und Maruan Sakas (Klavier) in der Versöhnungskirche unter dem Motto „Couleurs arabes“ Wiblingen Jazzmusik, die von den Klängen fremder Länder inspiriert ist.

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