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Neu-Ulm

26.04.2016

Mann (24) erpresst Sex-Bekannte über Dating-App Tinder

Logo von Tinder (r.) auf einem Smartphone: Zwei Millionen Menschen in Deutschland nutzen die Flirt-App. Foto: Franziska Kraufmann
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Die junge Studentin und der 24-Jährige haben sich über Tinder kennengelernt.
Bild: Franziska Kraufmann (dpa)

Dass die Studentin noch einen anderen Mann traf, damit kam ein 24-jähriger Neu-Ulmer nicht klar. Er versuchte seine Sex-Bekanntschaft zu erpressen.

Es war ein Klick auf seinem Smartphone und ein Satz mit schwerwiegenden Folgen: Ein 24-jähriger Auszubildender musste sich kürzlich vor dem Amtsgericht Neu-Ulm wegen versuchter Nötigung verantworten. Er hatte über die Dating-App „Tinder“ eine Bekanntschaft erpresst und ihr gedroht, ein Sex-Video zu veröffentlichen, wenn sie seinen Forderungen nicht nachkomme. Die 20-jährige Studentin ist zur Polizei gegangen und hat Anzeige erstattet – nun erklärte sie sichtlich eingeschüchtert vor Gericht wie es zum Treffen mit ihrem Erpresser kam.

Beschrieben wird die App „Tinder“ im Internet als Möglichkeit, Menschen aus der Umgebung kennenzulernen. Konkret läuft das so ab: Die App zeigt dem Nutzer das Bild mehrerer Menschen aus der Umgebung an, per Klick entscheidet der Nutzer, ob er diese Person kennenlernen möchte oder nicht, diese wird dann per Nachricht darüber informiert.

Das Drama nahm seinen Lauf

Auch auf dem Handy der jungen Studentin ist so eine Mitteilung eingegangen – vom 24-jährigen Neu-Ulmer. „Wir haben uns insgesamt zweimal gesehen: Beim ersten Mal haben wir uns gleich gut verstanden und Sex gehabt. Beim zweiten Mal war das genauso.“ Die junge Studentin, die die Liaison offenbar nicht so ernst genommen hatte, hat in der Zeit noch einen anderen Mann getroffen. Und da liegt nach Auffassung des Angeklagten das Problem: „Wir hatten einen Deal“, sagte er der Richterin.

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„Wir haben ausgemacht, dass niemand einen anderen Sexpartner haben darf.“ Zwar sei das zwischen den beiden noch keine Liebesbeziehung gewesen, aber Gefühle habe er immerhin schon für die junge Frau entwickelt. Und so nahm das Drama seinen Lauf: Der 24-Jährige wollte seine Internet-Bekanntschaft am Ulmer Westbad zum dritten Date abholen. Dort habe diese dem Angeklagten erzählt, sie habe wenige Stunden zuvor einen anderen Mann getroffen. „Dann war ich so sauer“, sagte der 24-Jährige vor Gericht. In seiner Wut hat er der jungen 20-Jährigen gedroht, ein Sex-Video vom Abend zuvor zu veröffentlichen.

Was die junge Frau da noch nicht gewusst hat: „Es gibt kein Sexvideo, das habe ich erfunden“, gab der 24-Jährige zu. Der Angeklagte, der wutentbrannt nach Hause gefahren ist, hat dort noch einmal sein Handy zur Hand genommen und juristisch schwerwiegende Worte eingetippt: Er hat die junge Frau aufgefordert, sie solle zu ihm kommen, um mit ihm Oralverkehr zu haben, ansonsten werde er das Video veröffentlichen. Um dem Nachdruck zu verleihen, hat er einen Countdown gestartet und ebenfalls per Nachricht von Zehn heruntergezählt. Die Studentin hat daraufhin zunächst ihre Freundin und dann verunsichert die Polizei kontaktiert.

Eine Nötigung mit sexuellen Handlungen sei ein schweres Vergehen, dass eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren nach sich zieht, machte die Staatsanwältin dem jungen Mann deutlich.

Der Angeklagte versuchte noch, sein Verhalten zu erklären: „Ich hab’ Gefühle. Wissen Sie wie das ist, wenn man jemanden mag?“, wollte er von Richterin Gabriele Buck wissen. Auch sie gab dem Auszubildenden zu verstehen, dass sie so etwas gar nicht dulde und verurteilte den jungen Mann zu neun Monaten Haft auf Bewährung. (kat)

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