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BUND

19.07.2013

Massive Kritik an Bahnhofsplänen

Bild: Andreas Brücken

Umweltschützer halten Tiefgaragenbau und vierspurige Friedrich-Ebert-Straße für falsch

Ulm Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert die Pläne der Stadt zum Citybahnhof Ulm. Besonders die vorige Woche im Bauausschuss bekräftigte Tatsache, dass die Friedrich-Ebert-Straße vierspurig bleiben soll, sowie der Bau einer „riesenhaften Tiefgarage“ mit 800 Stellplätzen unter dem Bahnhofsplatz ist den Umweltschützern ein Dorn im Auge. „Das ist ein Rückfall in die 1970er-Jahre“, findet der Ulmer BUND-Chef Dieter Fortmann. „Mit solchen Maßnahmen zieht man noch mehr Autoverkehr in die Stadt. Dabei will man mit dem Verkehrsentwicklungsplan seit über 20 Jahren das Gegenteil erreichen.“

Wie berichtet, hat der Bauausschuss des Ulmer Gemeinderats mit deutlicher Mehrheit beschlossen, im Herbst einen Ideenwettbewerb zur Neugestaltung des Bahnhofsplatzes auszuloben. Dabei sollen sich die Teilnehmer an strikte Vorgaben halten. Dazu zählt, dass die Friedrich-Ebert-Straße, die am Bahnhof vorbeiführt, auch künftig vier Spuren für Autos und zwei Spuren für Straßenbahnen und Busse aufweisen soll. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, die Spuren für den Autoverkehr von vier auf zwei zu begrenzen und hatte dies auch mit einer Verkehrsprognose bis ins Jahr 2030 begründet. Diese Variante hätte den Vorteil, dass mehr Raum für den eigentlichen Bahnhofsplatz bliebe. Die Mehrheit der Räte hielt die Reduzierung der Spuren aber für zu gewagt und befürchtete massive Engpässe.

„Bürgerbeteiligung ad absurdum geführt“

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Die mit Elan begonnene und von Gemeinderat und Stadtverwaltung gewünschte Bürgerbeteiligung werde ad absurdum geführt, wenn jetzt überraschend derartige Beschlüsse gefasst würden, kritisierte Dieter Fortmann. Diese stünden im Widerspruch zur bisherigen Planung. Ein Grundgedanke der Citybahnhof-Idee sei es gewesen, den Bahnhof näher an die Innenstadt anzubinden und eine fußläufige Verbindung zu erleichtern. Bleibe es auf der Friedrich-Ebert-Straße bei vier Autospuren, wäre dieses Ziel verfehlt. Fortmann verweist auf das Beispiel Neue Straße, wo ein Rückbau und eine fußgängerfreundliche Lösung ohne Verkehrskollaps gelungen seien.

Die Verantwortlichen beim BUND hoffen, dass der Ulmer Gemeinderat sich trotz der Entscheidung vorige Woche mittelfristig doch noch eines Besseren besinnt und auf den Vorschlag der Verwaltung umschwenkt. Außerdem schlagen sie vor, die Kapazität in der geplanten Tiefgarage auf höchstens 400 Stellplätze zu verringern, denn das Prinzip „mit dem Auto zum Bahnhof“ dürfe nicht Grundlage der Planungen sein. Der Platz vor dem Bahnhof solle keine leere und trostlose Fläche bleiben, sondern es sollten Bäume gepflanzt werden, um den Bereich aufzuwerten.

BUND-Fachmann und Stadtplaner Dietmar Reinborn geht es um die fußläufige Erreichbarkeit des Bahnhofes: „Die Fußgänger müssen bequem Bahnhofsvorplatz und Friedrich-Ebert-Straße über- wie unterqueren können.“ Dazu müsste die Straßenbahn- und Bushaltestelle nach Süden verschoben und die Unterführung sehr transparent und völlig barrierefrei ausgeführt werden. Wie die IHK und Teile des Ulmer Einzelhandels befürchtet der BUND, dass die Fahrgäste künftig vom Bahnhof direkt in die Sedelhöfe geleitet werden und nicht in die Fußgängerzone. Der Umweltverband will zudem den sogenannten Posttunnel am Hauptbahnhof erhalten und zur nördlichen Schillerstraße verlängern. So könnte eine Ost-West-Verbindung für Radfahrer geschaffen werden.

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