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Neu-Ulm

23.12.2015

„Mister Volksbank“ blickt zurück

Zum letzten Mal sitzt Werner Deubel heute auf dem Chfsessel.
Bild: Alexander Kaya

Werner Deubel geht nach fast 25 Jahren im Vorstand der Neu-Ulmer Volksbank in den Ruhestand. Was ihm fehlen wird. Und was nicht

Die schillernden Hundertwasser-Bilder auf die Werner Deubel von seinem Schreibtisch Jahrzehnte blickte, wenn der gedankliche Zerstreuung im von Bilanzen bestimmten Bankalltag suchte, bleiben hängen. Sein letzter Handgriff am Arbeitsplatz als Vorstand der VR Bank Neu-Ulm geht dann in Richtung Schrank. Dort nimmt er seinen eleganten Hut der Firma Mayser aus dem obersten Fach, streift sich den Woll-Mantel über, hebt die Kopfbedeckung noch kurz als Empfehlung auf dem Weg zum Aufzug. Und dann ist Werner Deubel plötzlich Pensionär.

Um „seine Bank“ macht sich der fast 64-Jährige keine Sorgen. Steffen Fromm beispielsweise, der nun zusammen mit Wolfgang Seel und Alois Spiegler die Verantwortung trägt, kennt er seit 25 Jahren, als dieser als einfacher Sachbearbeiter bei ihm angefangen haben. Der „genossenschaftliche Gedanke“ werde nicht zuletzt deshalb auch künftig in der VR-Bank weiter leben. Froh ist Deubel, der im Oktober 1981 als Vorstand der Raiffeisenbank Senden seine Karriere auf Führungsposten begann, dass er „unfallfrei“ durch die Jahrzehnte als Banker auf durch stürmische See gekommen sei. Über die Feiertage und auch danach wird der Vater einer Tochter, die als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin arbeitet, Zeit haben, seine berufliche Laufbahn Revue passieren zu lassen.

Er wird sich erinnern an eine Zeit, als die Buchführung noch auf mechanischem Weg erfolgte, an die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung im Jahre 1970 und an seinen ersten PC 1984: Ein IBM XT. Damals eine Revolution. Heute ist allein Deubels Mobiltelefon um ein vielfaches leistungsfähiger als der Urtyp der heute bekannten PCs. Erinnern wird sich Deubel an zahlreiche Fusionen: 1991 die erste Fusion der Raiffeisenbank Senden mit der Volksbank Neu-Ulm. Es folgten im Jahr 2000 die Zusammenschlüsse mit der Raiffeisenbank Burlafingen und im Jahr 2004 mit der Raiffeisenbank Thalfingen. Streifen werden die Erinnerungen auch die stressigen Tage. Etwa im Spätherbst des Jahres 1985, als die Bayerische Raiffeisen-Zentralbank (BRZ) wegen hoher Risiken im Immobilienkreditgeschäft vor dem Aus stand.

1993 wurde der begeisterte Skifahrer und Hobbykoch für seine 25-jährige Tätigkeit in der Genossenschaftsorganisation mit der Ehrennadel in Silber des Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes ausgezeichnet. Jetzt wird Deubel Pensionär und freut sich darauf. „Ein Leben ohne Zeitdruck“ will er genießen, mit seinem Cabrio aus purer Lebensfreude durch die Gegend fahren und „Termine“ lediglich seinen Enkeln sowie der Gattin Marion gewähren. Fernweh hat der Allgäuer nicht: „Ich muss nicht nach Australien.“ Dafür aber gerne an die oberitalienischen Seen oder weitere Rad-Kilometer bei seinem langjährigen Projekt einheimsen: Deutschlands komplette Grenze auf dem Drahtesel abfahren. Irgendwo zwischen seinem Wohnort Ay, der Nordsee um dem Comer See wird Deubel im Frühjahr in Radklamotten anzutreffen sein, wenn den Herren Fromm, Spiegler und Seel mal wieder 20 bis 30 neue Ordner an Vorschriften auf den Tisch geknallt werden. Und das künftig nur noch in Englisch. „It’s time to say goodbye“, sagt da Deubel. 47 Jahre sind vergangen seitdem Deubel mit dem Beginn der Ausbildung zum Bankaufmann bei der Raiffeisenbank Scheidegg begonnen hat. 17296 Tage in genossenschaftlich organisierten Banken hat aus Deubel „Mister Volksbank“ gemacht, doch die Zeit für einen Generationswechsel sei nun mal gekommen.

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