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Schwörkonzert

18.07.2016

Nachtromantik und üppiges Chor-Bankett

Musiker meistern die „Graner Messe“ von Franz Liszt mit Bravour

Die „Schwörkonzerte“ hatten immer musikalische Schwergewichte im Angebot – gerne wird man sich da zum Beispiel an die Bruckner-Aufführungen im Ulmer Münster erinnern. Auch das diesjährige Schwörkonzert als Bestandteil der „Reger“-Konzertreihe bot alles auf, um sich unvergessen zu machen.

Den größten Anteil daran dürfte wohl die Aufführung der enormen „Graner Messe“ von Franz Liszt sein, die mit der Wiblinger Kantorei (Einstudierung Albrecht Schmid), dem Petruschor Neu-Ulm (Einstudierung Oliver Scheffels), Motettenchor der Münsterkantorei und dem Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm unter Leitung von Friedemann Johannes Wieland im Münster zur Aufführung kam. Als die klassizistische Basilika der Stadt Gran (ungarisch: Esztergom) entstand, erhielt Liszt 1855 vom Ungarischen Kardinalprimas den Auftrag, zur 1856 anstehenden Einweihung eine „Missa solemnis“ zu komponieren. Liszt, der das gleichnamige Werk Beethovens immer bewundert hatte, setzte seine Messe mit keineswegs sparsamen musikalischen Mitteln um: Orchester, großer Chor und Solisten, dazu eine kraftvolle Bläser- und Schlagzeugbesetzung einschließlich Tamtam sowie Harfe und Orgel. Die Graner Festmesse mit ihrem Klang zwischen geistlichem Werk und pathetischer Staatsmusik sei, so sagte Liszt selbst, weniger komponiert als vielmehr „gebetet worden“. Das „Kyrie“ leitet ein, ein sich immer weiter steigernder Hymnus, nach dem eine weitere dramaturgische Verbreiterung der Messe kaum denkbar erscheint. Und doch: Das folgende „Gloria“ wie auch das „Credo“ übertrafen den Glanz des an sich schon opulenten Kyrie.

Großartig gespielt vom Orchester, mit imponierend eingesetzter Bläserriege, die an Bläserchoräle erinnerten, aber auch die mal im Duett, mal als Quartett agierenden Gesangssolisten Julia Sophie Wagner (Sopran), Theresa Holzhauser (Mezzosopran), Andre Khamasmie (Tenor) und Sebastian Noack (Bariton) wussten die Präsenz des Werks noch zu steigern. Nur ein Beispiel: Wie sich aus dem opulentesten Orchester- und Chorklang dann gegen Ende des „Credo“ auf einmal mit brillanter Sicherheit ein intimer, klangschöner Augenblick entfaltet, an dem allein diesen vier Sängern der ganze (Klang-)Raum gehört, das war großartig musiziert. Den warmen, opulenten und als großen Bogen gespielten Klang dieser Messe verstanden alle Mitwirkenden unter Wielands Dirigat bis zum anrührenden und fast schon bescheidenen Finale im „Agnus Dei“ durchzuhalten. Diesen weiten Bogen zu spannen verdiente großen Applaus.

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Begonnen hatte der Abend wesentlich bescheidener und inniger: Max Regers „Einsiedler“ nach einem Gedicht von Friedrich Hebbel entrückte mit Bariton Sebastian Noack in eine ferne waldromantische Gegenwelt. Die Qualität der Ausführenden machte sich darin hörbar, dass die subtilen, wehmütigen, nur selten von Steigerungen durchbrochenen Klangflächen Regers mit hoher Klarheit und Differenzierung gestaltet wurden.

Und auch Schumanns entrücktes „Nachtlied“ mit seinem großbogigen, schmerzlichen Klangzauber wird als besänftigende Klammer nach der Liszt’schen Üppigkeit zu einer Wanderung durch somnambules Naturerleben voller Lichter und Sterne, umfangen von Dunkelheit. Auch hier gelang die schöne Balance von Chorstimmen und Orchesterfarben, auch hier wurde der poetischen Musik Platz zum Atmen gelassen. Begeisterte Ovationen dankten den Musikern für ihre Interpretationen.

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