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Neu-Ulm

27.11.2019

Nächtlicher Angriff mit Elektroschocker in Neu-Ulm

In Neu-Ulm wurde ein Gastronom brutal überfallen – die beiden Täter wollten an dessen Einnahmen. Vor Gericht zeigt sich: Auch zwei Hintermänner spielten eine Rolle.
Foto: Alexander Kaya (Symbol)

In Neu-Ulm wurde ein Gastronom brutal überfallen – die beiden Täter wollten an dessen Einnahmen. Vor Gericht zeigt sich: Auch zwei Hintermänner spielten eine Rolle.

Es ist kurz nach 23 Uhr an einem Sonntag im Frühjahr, als sich in einem Neu-Ulmer Wohngebiet ein brutaler Raubüberfall ereignet: Ein Gastronom steigt nahe seines Wohnsitzes aus seinem Auto, zwei junge Männer fragen ihn nach dem Weg zur nächsten Polizeistation. Doch das ist nur ein Vorwand: Plötzlich holt einer der beiden einen Elektroschocker hervor und versetzt dem heute 56-Jährigen am Hals einen Stromschlag. Der andere versucht, ihm währenddessen seine Umhängetasche zu entreißen. Darin vermuten die Angreifer mehrere Tausend Euro Bargeld – die Einnahmen des Gastronoms aus den vergangenen Tagen. Das Opfer hält sich jedoch auf den Beinen und schreit um Hilfe – die Täter ergreifen ohne Beute die Flucht. Der jüngere der beiden kann schließlich von herbeigeeilten Nachbarn überwältigt werden.

Wegen des Vorwurfs des versuchten schweren Raubs und der gefährlichen Körperverletzung mussten sich nun der mutmaßliche Täter, ein 16-Jähriger, und sein Komplize vor dem Schöffengericht des Landgerichts Memmingen verantworten. Doch die Angreifer waren nicht alleine auf der Anklagebank. Denn die Tat, die sich laut Anklageschrift wie eingangs beschrieben abspielte, war offenbar detailliert geplant. Neben ihnen saß ein ehemaliger Angestellter des Opfers, der sich ebenso wie der Komplize in Untersuchungshaft befindet. Der 25-Jährige soll die beiden Angreifer zuvor und am Tatabend mit wichtigen Informationen versorgt haben.

Überfall in Neu-Ulm: Einer der Angreifer legt umfassendes Geständnis ab

Das Verfahren gegen den Komplizen wurde bald nach Prozessbeginn abgetrennt. Wie sein Anwalt erklärte, leide der 23-Jährige unter einer Erkrankung: Ein psychiatrisches Gutachten müsse zuerst seine Schuldfähigkeit klären. Die Vorsitzende Richterin Sabine Schuhmaier stimmte dem zu.

Der 16-Jährige, der dem Opfer den Elektroschock versetzt haben soll, legte gleich zu Beginn ein umfassendes Geständnis ab. Er habe den 25-Jährigen Restaurant-Mitarbeiter erst dieses Jahr kennengelernt. Zunächst hätten sie im Spaß über einen möglichen Überfall auf den Gastronom gesprochen: „Doch daraus wurde bald Ernst“, sagte er. Das erbeutete Geld sollte seinen Angaben zufolge unter ihnen aufgeteilt werden.

Die Version des 25-Jährigen klang anders: Die Idee für den Überfall habe der Ex-Freund der Tochter des Gastronoms gehabt. Zwischen diesem und seinem Schwiegervater in spe habe es nämlich schon seit geraumer Zeit Streit gegeben. Außerdem habe der mutmaßliche Strippenzieher in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt. Zur Verantwortung kann der vierte Tatverdächtige derzeit nicht gezogen werden – er wird aktuell per Haftbefehl gesucht. Allerdings gab der Ex-Angestellte des Gastronoms zu, ihm den Kontakt zu dem 16-Jährigen vermittelt zu haben – und diesem am Tag des Angriffs per Telefon wichtige Informationen übermittelt zu haben. Zum Beispiel, wann der Gastronom an seinem Wohnsitz ankommen würde.

Opfer lehnt Schmerzensgeld ab

Der 16-Jährige sagte, er sei während des Angriffs von den lauten Schreien des Opfers abgeschreckt worden: „Ich hätte nicht gedacht, dass der Taser ihm so weh tut“, sagte er. Er habe Angst bekommen und sei abgehauen. Weit gekommen, ist er aber nicht: Ein aufmerksamer Nachbar kam dem Opfer zur Hilfe und riss den Angreifer zu Boden. Es folgte ein heftiges Gerangel, schließlich biss der 16-Jährige seinem Kontrahenten in den Oberarm. Die Folgen, ein blauer Fleck am Trizeps, sind auch mehr als ein halbes Jahr später noch zu sehen, wie der Nachbar vor Gericht zeigte. Sein beherztes Eingreifen bereut er nicht: „Als ich die Schreie gehört habe, habe ich keine Sekunde gezögert.“

Der Gastronom hegt offenbar keinen Groll gegen seine Angreifer: Von seinem ehemaligen Mitarbeiter lehnte er 2500 Euro Schmerzensgeld ab, von dem Angreifer 300 Euro: Er wolle kein Geld, sondern mit den Geschehnissen endlich abschließen. Noch immer habe er mit den Folgen zu kämpfen: „Ich bin ängstlich, wenn ich vor die Tür gehe. Vor allem, wenn es dunkel ist“, sagte er. Die Entschuldigungen der beiden Angeklagten nahm er an – auch wenn er von seinem Ex-Angestellten tief enttäuscht ist: „Ich habe ihn wie ein eigenes Kind behandelt, Arbeit und ein Dach über dem Kopf gegeben.“

Die Verhandlung wird in der kommenden Woche am Landgericht fortgesetzt.

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