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Neu-Ulm: Filmemacherin Sibylle Tiedemann wird 70: Erinnerung ist ihr Thema

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Filmemacherin Sibylle Tiedemann wird 70: Erinnerung ist ihr Thema

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    Sibylle Tiedemann feiert am 2. August ihren 70. Geburtstag. Bekannt wurde sie mit Werken wie "Kinderland ist abgebrannt" und "Estland mon amour".
    Sibylle Tiedemann feiert am 2. August ihren 70. Geburtstag. Bekannt wurde sie mit Werken wie "Kinderland ist abgebrannt" und "Estland mon amour". Foto: Dagmar Hub

    Es ist ein bisschen wie ein geschlossener Kreis: Die Filmemacherin Sibylle Tiedemann, Trägerin unter anderem des Deutschen Filmpreises, Mitglied der Deutschen Filmakademie und auch mit dem Kunstpreis der Stadt Neu-Ulm ausgezeichnet, lebte an vielen Orten. Lange Zeit in Berlin, wo sie ihre Produktionsfirma gegründet hatte, und auch in Italien, wo sie als Gastdozentin gearbeitet hatte. Sie reiste um die Welt, um die letzten lebenden Ulmer Juden zu finden. Inzwischen wohnt sie in genau jenem Haus in Neu-Ulm, in dem sie geboren wurde - am 2. August 1951, vor 70 Jahren.

    Sibylle Tiedemann bleibt auch mit 70 Jahren kreativ

    Ihre Mutter Waltraud sei gerade beim Marmeladekochen gewesen, als die Geburt des dritten Kindes begann und die fünf Jahre ältere Schwester und der gerade zweijährige Klaus noch ein kleines Schwesterchen bekamen, hatte man ihr erzählt. Ihren 70. Geburtstag aber, den will Sibylle Tiedemann nicht in diesem Elternhaus begehen. Sie brach zu Freunden nach Berlin und in den Urlaub nach Mecklenburg-Vorpommern auf.

    Ruhestand, Stillstand ist Sibylle Tiedemanns Ding nicht: Gerade eben drehte sie einen Imagefilm für die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen in Baden-Württemberg, der die zentralen Elemente von deren Arbeit auch in Zeiten der Pandemie aufzeigt - unter anderem filmte sie auch in der Ulmer Gedenkstätte Oberer Kuhberg, und zu gerne würde sie diesen kürzeren Film zu einem längeren ausbauen, erzählt Sibylle Tiedemann. Zudem ist sie an vielen Orten aktiv - unter anderem als Jurorin beim Förderpreis Junge Ulmer Kunst.

    Erinnerungsarbeit an die NS-Zeit in Tiedemanns Filmen

    Ihrem Thema, der Erinnerungsarbeit an die NS-Zeit, bleibt sie lebenslänglich treu - wobei immer auch viel persönliches Erleben in ihre Arbeit einfließt. "Kinderland ist abgebrannt" beispielsweise entstand 1997, nachdem ihre - 2018 fast 95-jährig verstorbene - Mutter ein Klassentreffen ihrer Mädchenschule besucht hatte und Sibylle Tiedemann ihre Mutter gefragt hatte, was aus den jüdischen Mitschülerinnen geworden war. Für die preisgekrönte Dokumentation suchte die Tochter dann überlebende Ulmer Jüdinnen in Israel, in den USA und in Kanada und ließ sie wie auch die aus christlichen und sozialdemokratischen Milieu stammenden Klassenkameradinnen erzählen.

    Auch andere ihrer Filme beschäftigten sich mit jüdischen Biografien im 20. Jahrhundert, mit dem Holocaust und mit den Überlebenden, "Hainsfarth hatte einen Rabbi" beispielsweise oder "Briefe aus Chicago". Sibylle Tiedemanns große Stärke: sich Biografien mit viel Feingefühl anzunähern, sorgfältig zu recherchieren und intensive Emotionen - den Schmerz, das Lächeln und die Liebe zu Menschen und Natur - mit Tiefgang und ohne Pathos zuzulassen. Die Vergänglichkeit allen Seins liegt ihrer Arbeit zugrunde.

    In "Estland mon amour" wird Sibylle Tiedemann persönlich

    Ihr persönlichster Film aber entstand ungeplant und aus einem eigenen schmerzhaften Erleben heraus: "Estland mon amour" dokumentiert die Suche nach den Umständen des Todes des Bruders, der im Juli 1996 tot in Estland aufgefunden worden war, jenem Land, das er liebte. Klaus Tiedemann war Ende der 80er-Jahre aus einem bürgerlichen Leben in der schwäbischen Provinz ausgebrochen, um sich im Baltikum auf die Suche zu machen danach, woher der früh verstorbene Vater gekommen war, der in Neu-Ulm als angesehener Arzt gearbeitet hatte, der aber nie mehr als vage über seine Herkunft gesprochen hatte.

    Pointen und Gags braucht Sibylle Tiedemann nicht in ihrer Arbeit. Die nimmt das Leben in den Blick, zu dem der Tod unausweichlich gehört.

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