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Neu-Ulm

14.03.2018

Neu-Ulm wehrt sich gegen Sex-Parkplatz

Private Schäferstündchen sind hier nicht erwünscht: Der Besitzer eines Schrebergartens in Neu-Ulm warnt mit einem Schild vor Sex auf seinem Parkplatz.
Bild: Alexander Kaya

Ein Parkplatz, liebestolle Gäste und ein verärgerter Kleingärtner - wie diese Konstellation in Neu-Ulm und darüber hinaus für Gesprächsstoff sorgt.

Der Wetterhahn, der auf einer der Gartenlauben thront, dreht sich unter lautem Knarzen im Wind, ansonsten herrscht eine beruhigende Stille bei den Schrebergärten hinter der Eislaufanlage des Neu-Ulmer Donaubads. Dass es hier nicht immer so idyllisch zugeht, wie es die Eigentümer der Parzellen gerne hätten, zeigt ein Schild: „Das ist ein Parkplatz und Privateigentum und kein Fickplatz“, steht darauf zu lesen, darunter prangt das Piktogramm eines Paares in eindeutiger Stellung. Der Hinweis hängt, in Holz gerahmt, an einem einzelnen Parkplatz – wohl nicht ganz unbegründet, wie ein Blick auf den Boden erahnen lässt: Dort liegen mehrere aufgerissene Kondompackungen, ebenso ein benutztes Präservativ. Das Schild hat schon über die Grenzen von Neu-Ulm hinweg Wellen geschlagen – dabei ist immer noch unklar, wer es überhaupt angebracht hat.

Mit dem Neu-Ulmer Stadtverband der Kleingärtner hat es auf jeden Fall nichts zu tun, wie dessen erster Vorsitzender Dieter Kammerer auf Nachfrage unserer Redaktion am Dienstag sagt. Zwar sind manche Parzellen am Donaubad dem Verband zugeordnet – aber eben nicht die, zu der jener Parkplatz mit dem Schild gehört. Der Garten sei privat und dessen Besitzer habe da ein „Späßle gemacht“, sagt Kammerer. Dass jedoch Parkplätze bei Kleingartenanlagen gerne einmal zum öffentlichen Liebesspiel genutzt werden, das wisse er nach mittlerweile zehn Jahren als Vorstandsmitglied im Stadtverband. „Egal, wo das ist, da tummeln sich auch Leute rum. Aber: Was wollen Sie machen?“

Auch Martin Paul, Marketing-Leiter des Donaubads, distanziert sich auf Nachfrage unserer Redaktion entschieden von dem Hinweisschild. Er finde es schade, dass die städtische Einrichtung in der Öffentlichkeit in die Angelegenheit mit hineingezogen werde. Denn: „Der Parkplatz gehört zu einer Parzelle, die nicht einmal direkt bei uns angrenzt“, sagt er und fügt hinzu: „Sie liegt einfach nur ums Eck.“ Dass sich auf dem Parkplatz des Donaubads keine sexuellen Eskapaden abspielen, da ist sich Paul sicher: Denn regelmäßig patrouilliere dort nachts ein Sicherheitsdienst, grundsätzlich sei nichts bekannt oder gemeldet worden.

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Ein Blick auf den Boden zeigt: So manch einer hat sich an dem Ort trotz Verbot schon vergnügt.
Bild: Alexander Kaya

Ebenso wenig sind Hinweise an die Stadt Neu-Ulm herangetragen worden, wie Pressesprecherin Sandra Lützel mitteilt. „Es gab keine Mitteilung, dass dort nachts irgendwelche Sachen vonstatten gehen.“ Doch selbst wenn: Da es sich um Privatgrund handelt, sei die Stadt gar nicht zuständig. Die Neu-Ulmer Polizei kann sich die ganze Aufregung auch nicht so recht erklären. Man sei des Öfteren vor Ort, bei nächtlichen Streifenfahrten oder Verkehrskontrollen zum Beispiel. Doch Pärchen beim Sex hat man nicht erwischt, sagt Michael Wecker von der Polizei Neu-Ulm. Auch Beschwerden gab es keine. Zum Schild an sich merkt Wecker an, dass ein Eigentümer grundsätzlich eines an seinem Parkplatz anbringen kann – solange es keinen strafrechtlich relevanten Inhalt habe oder die Verkehrssicherheit gefährde.

Bekannt ist der Parkplatz beim Donaubads jedoch offenkundig in der hiesigen Sex-Szene im Internet. So heißt es unter der Kategorie „Finde den geilsten Parkplatzsex in Neu-Ulm“ auf einer einschlägigen Website: „Schöner großer Parkplatz öfters Paare da welche Zuschauen nicht abgeneigt sind. Einzelne Frauen noch selten.“

Waldsee in Senden in den Schlagzeilen

Ein anderer Ort im Neu-Ulmer Landkreis schaffte es vor geraumer Zeit ebenfalls wegen des dortigen Freiluftsex bundesweit in die Schlagzeilen: der Waldsee in Senden, genauer gesagt dessen unter dem Namen „Porno Island“ bekannte Halbinsel. Die dort Badenden – meist aus der Swinger- und Homosexuellen-Szene – hatten für Unfrieden unter den Bürgern gesorgt, weil sie sich ungeniert vergnügt hatten. Die Rede war von wilden Orgien oder gar Sex-Touristen, die von weit her angereist waren.

Der Waldsee in Senden: das dortige Treiben hatte auch für Unfrieden gesorgt.
Bild: Barmer (Archivbild)

Vor Kurzem hat der Sendener Stadtrat allerdings eine Regelung beschlossen, die zumindest die Bürger, die angezogen im Naherholungsgebiet spazieren gehen, freuen dürfte: Nacktbaden ist am Waldsee mittlerweile verboten.

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