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Neu-Ulm

10.01.2021

Preisgekrönte moderne Gebäude in Neu-Ulm: Ein Rundgang der anderen Art

Rot gestrichene Häuser am Gedeckten Weg nahe der Caponniere 4.

Plus Viele moderne Gebäude in Neu-Ulm sind von bekannten Architekten geplant und mit Preisen ausgezeichnet worden. Ein Rundgang mit ungewöhnlichen Perspektiven führt an ihnen vorbei.

Warum nicht einmal einen Stadtspaziergang machen, der an mit Architekturpreisen bedachten Beispielen modernen und experimentellen Bauens und Wohnens vorbeiführt? Freilich, ein solcher Spaziergang erfordert andere Perspektiven und Blickwinkel als die vorhergehenden und er führt in Bereiche Neu-Ulms, die nicht zu den klassischen Spaziergeh- oder Flaniermeilen gehören.

Er führt nämlich in Militärgelände des 19. und 20. Jahrhunderts, die jetzt mit Wohnungen bebaut sind. Dafür lässt dieser Spaziergang Gebäudekomplexe wahrnehmen, die zum Teil sogar Vornamen haben und von bekannten Architekten stammen.

Der heutige Spaziergang beginnt im Gedeckten Weg in der Nähe der Caponniere 4, einem Teil des Ulm/Neu-Ulmer Festungsringes. Die Caponniere 4 war lange von Fabrikgebäuden überbaut gewesen und ist heute wieder freigelegt.

In dunklem Rot leuchten im Gedeckten Weg – der Name stammt ebenfalls aus der Festungsbauzeit und beschreibt einen gegen Beschuss geschützten Verbindungsweg – am Glacis Energieeffizienzhäuser. „Jeanne“ nennt sich das vor vier Jahren fertiggestellte Projekt. Auffällig ist ein Löwenkopf zwischen „Jeanne“ und der Caponniere – an seiner Stelle wurde 1844 der Grundstein für die Festung am rechten Donauufer und damit letztlich für Neu-Ulm gelegt. Der Spaziergang führt durchs Glacis ostwärts. Links biegt hier der Künetteweg ab – eine weitere Straße, die ihren Namen aus dem Festungsbau ableitet. Eine „Künette“ war eine tiefer gegrabene Rinne in einem Festungsgraben. Im Künetteweg 5 und 7 steht ein winkelförmiges Gebäude aus zwei Komplexen, das „Jules et Jim“ heißt und das nach seiner Fertigstellung im Jahr 2015 sowohl mit dem Deutschen Ziegelpreis als auch mit dem Thomas-Wechs-Preis ausgezeichnet wurde und beim Deutschen Bauherrenpreis eine Anerkennung erhielt.

Das Gebäude „Jules et Jim“ am Künetteweg ist nach dem gleichnamigen Film von Francois Truffaut benannt.

Die städtische Wohnungsgesellschaft Nuwog schuf mit „Jules et Jim“ ein Modellprojekt, das speziell für Familien gedacht ist, weil ins Gebäude eine Kindertagesstätte integriert ist. Da barrierefrei, gibt es Wohnraum für alle Generationen unter einem Dach, die sich – in Nicht-Corona-Zeiten – auf der „Promenade Sociale“ treffen können. Die Vornamen, die die Berliner Architekten Kleine Metz für die Gebäude vorschlugen, stammen aus dem Film „Jules et Jim“ von Francois Truffaut; die weibliche Hauptfigur des Films spielte die 2017 verstorbene Charakterdarstellerin Jeanne Moreau.

Diese Gebäude in der Münsterblickstraße sind Teil eines Modellvorhabens der städtischen Neu-Ulmer Wohnungsgesellschaft Nuwog.

Vorsicht ist angesagt beim Überqueren der Reuttier Straße, von wo aus der Spaziergang ein kleines Stück stadtauswärts geht, um dann links in die Straße Im Starkfeld abzubiegen. Rechts geht es nun in die Vorwerkstraße , wo – mitten in der sogenannten Elefantensiedlung – von der Nuwog 2017 im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus ein mit zwei Preisen bedachtes Gebäude entstand (Hausnummer 23/1). Einer davon ist ein Sonderpreis „kostengünstiger, energieeffizienter Wohnungsbau“ des Deutschen Ziegelpreises 2019.

Das ausgezeichnete Gebäude in der Reuttier Straße 71.

Über die Finninger Straße geht es zurück zur Reuttier Straße, vorbei an der Neu-Ulmer Polizeiinspektion. Winzig nehmen sich die letzten erhaltenen alten Häuschen an der Reuttier Straße neben den Neubauten aus, deren jüngster (Reuttier Straße 71) im Rahmen des Modellvorhabens „effizient bauen, leistbar wohnen“ im Jahr 2020 auf dem Gelände der alten Stadtgärtnerei entstand. Biegt man von der Straße Alte Stadtgärtnerei in den Efeuweg und von dort wieder rechts zur Münsterblickstraße ab, gelangt man bei den Hausnummern 2/2 und 2/3 zu weiteren Nuwog-Gebäuden dieses Modellvorhabens, mit dem das bayerische Innenministerium die Baukultur verdichteten, erschwinglichen Wohnens wiederbeleben will.

Zum Glacis zurück geht es am Vorfeld entlang und über die Fußgängerbrücke, die die Bradleystraße über die Ringstraße hinweg mit dem Glacis verbindet, und von dort aus durch die Grünflächen des Glacis westwärts zum Gedeckten Weg. Auch „Glacis“ und „Vorfeld“ sind Begriffe aus dem Festungsbau – ein „Glacis“ ist eine im Vorfeld des Festungsbaus auslaufende Erdaufschüttung.

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