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Ulm

24.11.2020

Prozess in Ulm: Nach Streit Feuer in Musterhaus gelegt

Auf dem Musterhaus-Gelände im Ulmer Osten ist in der Nacht zum Pfingstmontag dieses Jahres ein Haus vollständig ausgebrannt.

Plus Ein Paar hauste illegal in der Musterhaus-Siedlung in der Friedrichsau in Ulm. Weil eines der Gebäude im Juni dieses Jahres abbrannte, steht nun ein Mann vor Gericht.

Seit Montag muss sich ein 25-jähriger Mann vor der zweiten Großen Strafkammer des Ulmer Landgerichts wegen schwerer Brandstiftung verantworten. Laut Anklageschrift hat er eines der Musterhäuser von Fertigbauanbietern auf dem Messegelände in der Ulmer Friedrichsau angezündet, nachdem es einen heftigen Streit mit seiner Lebensgefährtin gegeben hatte, die das voll ausgestattete Haus gemeinsam mit dem Freund illegal bewohnte.

Sie lebten komfortabel im Musterhaus der Messe Ulm

Wie der Vorsitzende Richter zum Beginn des Prozesses sagte, werde die Kammer prüfen, ob zusätzlich ein versuchter Totschlag infrage kommen könnte, was die zu erwartende Strafe erheblich erhöhen könnte. Sowohl der Angeklagte wie seine Partnerin waren ohne festen Wohnsitz und lebten bis zur Brandlegung ziemlich komfortabel in einem von insgesamt 15 Musterhäusern in Nachbarschaft des Ulmer Messegeländes, die für mögliche Kunden zur Besichtigung und Information zur Verfügung stehen. Die Häuser in bester Lage an der Donau verfügen über Wasser, Strom und Heizung. Ganz offensichtlich gelang es den illegalen Bewohnern, Spuren zu vermeiden und bei Besichtigungen oder auch Kontrollgängen immer abwesend zu sein.

Die Frau besaß einen Schlüssel für das Musterhaus in Ulm - woher auch immer sie ihn hatte

So machte es sich das Paar in der Hausanlage gemütlich. Aber die Harmonie währte offensichtlich nicht lange. Nachdem sie mehrere Wochen verbotenerweise in dem Musterhaus gelebt hatten, kam es immer wieder zu Streit, der am Pfingstwochenende dieses Jahres offensichtlich eskalierte. Wie nach dem schweren Hausbrand ermittelt wurde, soll die Frau ihrem Lebenspartner mitgeteilt haben, sie wolle sich von ihm trennen. Weil sie sich handgreiflich bedroht fühlte, alarmierte sie zweimal die Polizei.

Doch jedes Mal flüchtete der Angeklagte, um später wieder in das Haus zurückzukehren, für das nur die Frau einen Schlüssel besaß. Mit Gewalt gelang es dem Mann, in das verschlossene Haus eindringen. Die Polizei hatte der Frau eine geschützte Bleibe vermittelt, damit sie dem Angeklagten aus dem Weg gehen konnte. Zu nächtlicher Stunde soll der Mann erneut in das Haus eingedrungen sein, um eine Matratze in Brand zu setzen. Laut Anklage legte der 25-Jährige absichtlich einen Vollbrand, wodurch der Dachstuhl vollständig ausbrannte. Passanten entdeckten das Feuer und alarmierten die Feuerwehr, die das Feuer zwar löschen, aber nicht verhindern konnte, das es zu einem Totalschaden in Höhe von 100000 Euro kam. Der mutmaßliche Feuerteufel konnte flüchten, wurde aber am nächsten Morgen festgenommen.

Mann zündete nicht nur das Musterhaus an, auch Mülltonnen in Ulm

Der Prozess wurde kurz nach dem Auftakt auf den 2. Dezember, 13.30 Uhr, im Schwurgerichtssaal vertagt. Der Angeklagte hatte auf Frage des Gerichts angekündigt, dass er dann aussagen werde.

Die Verschiebung des Verfahrens war notwendig geworden, weil sich ein neuer Verteidiger in die Unterlagen einarbeiten und mit dem Angeklagten Kontakt aufnehmen muss. Bei der ersten polizeilichen Vernehmung hatte der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft spontan ausgesagt und klargemacht, dass er für die Feuerlegung verantwortlich sei. Der Beschuldigte habe das Verbrechen als „Kurzschlussreaktion“ bezeichnet. Bei seiner Festnahme am Pfingstmontag wurde ein erheblicher Promillegehalt festgestellt.

Wie aufgewühlt der Mann nach der Trennungsmitteilung seiner Partnerin war, zeigte sich unmittelbar nach der Brandlegung: Er streifte nachts durch die Ulmer Innenstadt und zündete offenbar wahllos zwei Mülltonnen an. Sie standen an der Hauswand eines Gebäudes direkt unter einem Fenster. Laut Anklagevertreterin soll der Mann einen Brand des Gebäudes zumindest billigend in Kauf genommen haben. Das Feuer wurde von Passanten rechtzeitig entdeckt, sodass es von der herbeigerufenen Feuerwehr gelöscht werden konnte, bevor es auf das Haus übergreifen konnte.

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