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Neu-Ulm

31.03.2015

Prügelattacke in Weißenhorn: Brüder geben Angriff zu

Die blutige Sommernacht im August vergangenen Jahres wird der 43 Jahre alter Mann wohl nie wieder vergessen: Zwei Brüder schlugen und traten brutal auf den Weißenhorner ein – und ließen offenbar nicht mal von ihrem Opfer ab, als dieses bereits blutend auf der Straße lag.
Bild: Ralf Lienert (Symbol)

Weil sie einen 43-Jährigen krankenhausreif schlugen, wurden zwei Männer vor dem Amtsgericht in Neu-Ulm zu Gefängnisstrafen verurteilt. Warum die Urteile milde ausfielen

Die blutige Sommernacht im August vergangenen Jahres wird der 43 Jahre alter Mann wohl nie wieder vergessen: Zwei Brüder schlugen und traten brutal auf den Weißenhorner ein – und ließen offenbar nicht mal von ihrem Opfer ab, als dieses bereits blutend auf der Straße lag. Auch eine Begleiterin des 43-Jährigen erhielt damals einen Faustschlag ins Gesicht. Wegen des Gewaltausbruchs mussten sich die mutmaßlichen Täter, 34 und 32 Jahre alt, gestern wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Neu-Ulmer Amtsgericht verantworten.

Dort gestanden sie ihre Taten in vollem Umfang, entschuldigten sich und legten 500 Euro in bar vor dem Angegriffenen auf den Tisch – die erste Rate eines Schmerzensgelds in Höhe von 3500 Euro. Wohl auch deswegen wurden die Männer zu vergleichsweise milden Haftstrafen von einem Jahr sowie neun Monaten und zwei Wochen zur Bewährung verurteilt. Außerdem müssen die Schläger jeweils 1000 Euro an den Ulmer Förderkreis für tumor- und leukämiekranke Kinder bezahlen.

Gegen 2 Uhr nahm die Tragödie damals ihren Anfang. Das spätere Opfer hatte sich in Begleitung seiner Freundin und deren Schwester auf einer Bank am Kirchplatz niedergelassen, als sich die Brüder näherten. Der Sitzende glaubte fälschlicherweise, in ihnen einen Bekannten zu erkennen: „Hey Dennis, bist Du das?“, rief er ihnen entgegen. Die Antwort kam in Form eines über den 43-Jährigen ausgeleerten Trinkbechers, angeblich gefüllt mit Whisky-Cola. Als das verdutzte Trio kurz darauf im Auto durch die Memminger Straße fuhr, kam es dort zur nächsten und folgenschweren Begegnung. Der Begossene ließ die Fahrerin anhalten und stellte die Brüder, die zu Fuß unterwegs waren, zur Rede. Ein Gespräch gab es jedoch nicht – stattdessen erhielt der Mann einen Faustschlag ins Gesicht und ging zu Boden. Es folgten weitere Schläge und Tritte. Der 43-Jährige erlitt einen Nasenbeinbruch und Prellungen. „Ich war blutüberströmt“, erinnerte er sich im Gerichtssaal. Auch als sich das Opfer in das Auto flüchtete, ließen die Angreifer nicht von ihm ab, es hagelte weitere Schläge und Tritte und eine Autotür traf den schon schwer verletzten Mann am Kopf.

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Der ältere Bruder, der zum Zeitpunkt der Tat laut Blutuntersuchung 2,11 Promille intus hatte, zeigte sich gestern reumütig: „So etwas darf nicht passieren.“ Er sah dem Weißenhorner in die Augen und sagte: „Das war so nicht gewollt.“ Sein jüngerer Kompagnon, damals mit einem Alkoholwert von 1,15 Promille, fügte hinzu: „Das war ein dummer Abend.“ Er wollte allerdings gesehen haben, dass der Übergossene mit einem Gegenstand auf sie zu gerannt sei. Es sei zu einer „Abwehrreaktion“ gekommen.

Der 43-Jährige, der in jener Nacht ebenfalls Alkohol getrunken hatte, akzeptierte die Entschuldigungen. Allerdings linderten diese die schmerzhaften Folgen nicht, seit der Prügelattacke leide er an Angstzuständen und Albträumen.

Der Staatsanwalt beantragte Haftstrafen von einem Jahr und zwei Monaten für den älteren (und einschlägig vorbestraften) Bruder sowie von neun Monaten und zwei Wochen für den jüngeren. Anwältin Ulrike Mangold, die das Opfer in dessen Nebenklage vertrat, bezeichnete den Angriff als „nicht nachvollziehbaren Gewaltrausch“. Die Täter hätten „wie die Tiere“ auf den Weißenhorner eingedroschen. Angesichts der Alkoholpegel zum Tatzeitpunkt empfahl sie eine Suchtberatung. Verteidiger Marcus Wirth sah statt einer gefährlichen „nur“ eine vorsätzliche Körperverletzung – seine Mandanten hätten Sportschuhe getragen (also keine mit Stahlkappen) und nun Reue gezeigt. „Das kann man ihnen abnehmen.“

Richterin hat „große Bedenken“

Während Richterin Antje Weingart bei dem jüngeren Bruder, der juristisch gesehen bislang eine weiße Weste hatte, kein Problem in einer Bewährungsstrafe sah, verhängte sie diese bei dem älteren „mit großen Bedenken“. Der 34-Jährige war bereits zwei mal einschlägig vorbestraft, im jüngsten Fall war die Bewährungszeit im März vergangenen Jahres und damit wenige Monate vor der Schlägerei verstrichen. Weingart schärfte ihm ein: „Das war das letzte mal, dass Sie bei mir eine Bewährung bekommen.“ Allein die Einsicht des verheirateten Mannes, der einer geregelten Arbeit als Lagerist nachgeht und mit seiner Frau eine Familie gründen will, habe sie dazu bewogen.

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