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Ulm

30.11.2018

Raubmord im Reihenhaus: Geldnot trieb das Paar zur Bluttat

Der Angeklagte beim Auftakt des Prozesses. Fotografiert werden wollte der 40-Jährige nicht.
Bild: Alexander Kaya

In den vergangenen vier Prozesstagen versucht das Gericht durch die Beweisaufnahme hinter das Motiv der Tötung auf dem Ulmer Eselsberg zu kommen.


War es schiere finanzielle Not, die das georgisch-russischstämmige Ehepaar zu einer der schlimmsten Raubmordtaten der vergangenen Jahre in Ulm trieb, bei dem in den Morgenstunden des 6. Januar 2018 ein 59-jähriger behinderter Mann am Veltlinerweg auf dem Eselsberg auf grausamste Weise starb. Die 92-jährige Mutter, die mit ihrem Sohn unter einem Dach lebte, musste hilflos zusehen, wie ihr Sohn von den Tätern, nach einem dritten wird noch gefahndet, zu Tode gebracht wurde, indem sein Mund mit Klebeband verschlossen wurde, damit er nicht um Hilfe rufen konnte. Da Schläge auf den Kopf mit einem Eisenteil sein Nasenbein brachen, konnte er auch über Nase kaum einatmen, sodass er nach stundenlangem Todeskampf in der Ulmer Universitätsklinik starb. Die Rettungsbemühungen der Ärzte blieben erfolglos. Laut Anklage ist der 40-jährige George einer der beiden Täter und seine 46-jährige Ehefrau muss sich ebenfalls wegen Mordes vor dem Schwurgericht seit dem 12. Oktober verantworten, weil sie den entscheidenden Tipp zu dem Raubüberfall gegeben hatte. Als Zugehfrau der Arbeiterwohlfahrt betreute sie auch die 92-jährige vermögende Dame und hatte genaueste Erkenntnisse über das Haus und die Gewohnheiten der alten Frau, die ihren Schmuck im Schlafzimmer und im Bett gerne Bargeld deponierte. Aus wirtschaftlicher Not hatte das Ehepaar laut Anklage zuvor schon Wohnungseinbrüche in der Region verübt, aber die hatten nicht soviel eingebracht, damit man sich längere Zeit über Wasser halten konnte.

Der Einbruch im Haus auf dem Eselsberg versprach wesentlich mehr und in der Tat erbeuteten die Täter mit Schmuck im Wert von 10 000 Euro, der von den Angeklagten in Italien in Euro verscherbelt sein soll, wo die Schwester der Angeklagten wohnte. Auf der Rückfahrt wartete schon die Ulmer Kripo und nahm sie in ihrer Wohnung fest. Im Rahmen der bisherigen Beweisaufnahme wollte als erste Zeugin die Mutter des Getöteten auftreten, die, aufgewacht durch Lärm, ins Wohnzimmer kam und das Drama um ihren Sohn mit ansehen musste. Die Täter flüchteten darauf und wurden von der Angeklagten in ihrem Wagen aufgenommen wurden, mit dem sie vor dem Haus am Veltlinerweg gewartet haben soll. Zuvor hatten sie noch ein wertvolles Halsband der 92-jährigen entrissen und mit genommen, das die Frau trug. Die tätigte sofort den Notruf, aber die Rettungsversuche kamen zu spät.

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Traumatisiert nach dem Raubüberfall

Die alte Dame erschien jedoch nicht vor Gericht. Statt dessen verlas der Vorsitzende Schwurgerichtskammer ein ärztliches Attest, wonach sie aus medizinischen Gründen nicht als Zeugin öffentlich auftreten könne. Das liege einerseits an den Vorerkrankungen und psychischen Probleme nach dem Raubüberfall, die einer dauerhaften Medikamenteneinnahme bedürfen. Ein Auftritt vor Gericht sei deswegen auf Dauer nicht zumutbar. Warum litt das Paar an finanzieller Not? Die Betreuerin war gesundheitlich angeschlagen und von 2017 an konnte sie ihren Job nicht mehr nachkommen und ihr Mann war arbeitslos. Ein guter Freund der Familie sagte am Freitag im Zeugenstand, er habe dem Angeklagten hin und wieder Bargeld in der Gesamthöhe von 500 Euro geliehen und immer wieder zurückgezahlt bekommen. Aber dass sie sich in solcher finanziellen Not befanden, habe sich nie angedeutet. Der 35-jährige Abteilungsleiter einer internationalen Spedition, zuständig für den kaukasischen Traum, schilderte die harmonische Beziehung seiner Familie zu dem Ehepaar, das jetzt des Mordes beschuldigt wird. „Wir haben uns oft zum Essen zusammengesetzt“, sagte er. Einen Mord zu begehen, habe er den beiden nie und nimmer zugetraut. Als sein Freund arbeitslos wurde, habe er sich immer wieder um eine Stelle bemüht. So vermittelte er einen Job bei einer Krumbacher Firma für Autoteile. Zuletzt plante er, einen Imbissstand in Blaustein zu betreiben. Doch fehlte ihm an Geld.

Von der Bluttat im Radio gehört

Auch ein weiterer guter Bekannter des Angeklagten, ein Autohändler in Neu-Ulm, war auch überrascht, als er von dieser Bluttat im Radio hörte: „Das hätte ich ihm nie zugetraut“, sagte er im Zeugenstand. Er hatte ihm vor einem Jahr seinen alten Mercedes der S-Klasse abgekauft, den er wohl aus wirtschaftlicher Not abgestoßen hatte. Auch er habe dem Angeklagten hin und wieder Geld geliehen, das er stets wiederbekam. Im Rahmen der Beweisaufnahme kamen auch Nachbarn der 92-Jährigen und ihres getöteten Sohnes in den Zeugenstand und schilderten ihr gutes Verhältnis zu den Beiden. Sie berichteten von einer gewissen Ängstlichkeit und einer dauerhaften Furcht vor Einbrechern. Das Haus sei sehr gut gesichert worden und immer abgeschlossen gewesen. Doch die Täter wussten von einem direkten Zugang von der Tiefgarage zur Wohnung. Sie hatten das notwendige Werkzeug, um eine Tür zu knacken. Dass der 59-jährige Sohn bei dem dadurch verursachten Lärm aufwachte und nach der Ursache forschte, hatte für ihn tödliche Folgen. Der Indizienprozess wird am 14. und am 21. Dezember fortgesetzt und ist bis zum 28. Juni 2019 mit noch 30 Zeugen- und zwei Gutachterauftritten terminiert.

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