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Anstieg

27.02.2011

Schweinegrippe: Mehr Fälle in Neu-Ulm

Die Schweinegrippe ist auf dem Vormarsch, auch in Neu-Ulm.
Bild: DPA

Mediziner beobachten einen Anstieg der Schweinegrippe-Fälle im Landkreis Neu-Ulm.

Eine Krankmeldung hat in einem Pfaffenhofener Betrieb für Aufregung gesorgt: Der Sohn einer Mitarbeitern soll an der sogenannten Schweinegrippe leiden, vorsorglich beurlaubte der Chef die Mutter. Vor zwei Jahren schwappte die Grippewelle auch durch den Landkreis Neu-Ulm, die Angst vor einer Ansteckung sitzt bei vielen Bürgern offenbar immer noch tief. Auch Dr. Albrecht Embacher, Leiter des Fachbereichs öffentlicher Gesundheitsdienst, verfolgt die Ausbreitung genau: „Die Grippe ist nicht wieder da, sie war viel mehr niemals wirklich weg.“ Dennoch beobachtet der Mediziner in diesem Winter einen Anstieg der Schweinegrippe-Fälle im Landkreis. 46 Kranke sind bislang gezählt, im vergangenen Jahr waren es insgesamt nur fünf. Embacher: „Ich bin erstaunt, wie viele Fälle wir heuer haben.“

Inzwischen sind alle Altersgruppen betroffen

Ein weiteres Phänomen sorgt bei den Ärzten für Überraschung: Die Viren vom Typ A/H1N1, welche die Schweinegrippe auslösen, haben die bislang vorherrschenden Grippe-Viren offenbar fast verdrängt. So handele es sich bei rund 80 Prozent aller grippalen Erkrankungen um eine Schweinegrippe. Neu im Vergleich zu der Welle von vor zwei Jahren sei nun, dass die Viren zunehmend auch jungen Menschen zu schaffen machen: „Es betrifft alle Altersgruppen.“ Auch Junge mit chronischen Leiden wie Zuckerkrankheit, Herzfehlern oder Asthma sollten sich impfen lassen, rät Embacher. Zugleich warnt der Arzt vor einer Panik: „Eine Epidemie ist bislang nicht in Sicht.“ Er verweist auf die Zahlen: Im Jahr der großen Grippewelle 2009 hatte das Landratsamt 570 Kranke registriert.

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Seitdem sind Erkrankungen an der Schweinegrippe meldepflichtig – sobald sie in einem Labor entdeckt werden. Doch nicht jeder Hausarzt lässt seine Patienten bei jedem Leiden genauer testen. Ob die Krankheit derzeit auf dem Vormarsch ist, lasse sich aus der Statistik nicht ableiten, sagt Embacher: „Die Dunkelziffer der Infektionen könnte aber recht hoch sein.“ Arbeitskreise aus Medizinern beobachteten die Schweingrippe jedoch genau und berichteten regelmäßig über den aktuellen Stand ihrer Verbreitung. Klar ist bislang: Die Grippewelle hat sich seit Ende Dezember über England in Europa ausgebreitet. Auch in Deutschland ist die Zahl von akuten Atemwegserkrankungen seit Dezember gestiegen. Dies sei laut Ansicht der Ärzte in dieser Jahreszeit aber nicht ungewöhnlich.

Aber die Schweinegrippe-Viren sind heuer aggressiver. Nun müssen sich wohl auch jüngere Landkreisbürger warm anziehen. Die Folgen einer Infektion sind je nach Fitness der Erkrankten unterschiedlich: „Es kann eine heftige Grippe sein“, sagt Embacher. Patienten litten meist an Fieber und starken Kopfschmerzen und müssten das Bett hüten: „Das beutelt einen schon.“ Die Genesung dauere je nach Kondition zwischen zwei und vier Wochen. Am Besten sei es jedoch, sich gar nicht erst anzustecken. Die Grippe überträgt sich über die sogenannte Tröpfcheninfektion, die Viren gelangen über die Schleimhäute in den Körper. Ein Beispiel: Ein Erkrankter niest auf eine Türklinke, ein Anderer fasst hin und reibt sich danach die Augen. Zur Vorbeugung empfiehlt der Leiter des Gesundheitsdienstes Hygiene: „Händewaschen ist das A und O.“

Dr. Werner Winkler, Sprecher des Apothekerverbandes im Kreis Neu-Ulm, kann von einer neuen Welle noch keine Spur entdecken: „Es herrscht Ruhe an der Front.“ In den vergangenen Wochen sei ihm gerade einmal ein Patient mit Verdacht auf eine virale Grippe begegnet. Wer an dieser erkrankt, der merke das recht schnell: „Man fühlt sich innerhalb von drei Stunden sterbenskrank.“ Die Schweinegrippe könne mit dem antiviralen Mittel Tamiflu behandelt werden. „Es sind Vorräte vorhanden.“ Eine Impfung zum jetzigen Zeitpunkt sieht Winkler eher kritisch: „Bis das durchschlägt, vergehen drei bis vier Wochen. Da können wir schon fast wieder den Sonnenschirm rausholen.“ Der Höhepunkt der Grippesaison sei wohl bereits überwunden. Als Vorbeugung gehen Krankheiten empfiehlt Winkler einen gesunden Lebenswandel: Viel an die frische Luft gehen, nicht Rauchen, ausgewogen Essen und es mit dem Alkohol auch in den anstehenden närrischen Tagen nicht übertreiben. Der Apotheker fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Eben alles das, was keiner tut.“

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