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Soziales

28.11.2017

Senden schließt das Obdachlosenheim

Seit einigen Jahren wird der Zustand des Sendener Obdachlosenheims in Freudenegg kritisiert. Nun soll es nicht mehr lange bestehen bleiben. Was nach dem Auszug der Bewohner mit dem Gebäude passiert, ist nach Angaben der Stadtverwaltung noch unklar. 

Ratten, Schimmel, keine Heizung: Bürger haben sich über die skandalösen Zustände in der Unterkunft beschwert. Nun handelt die Stadt – die Bewohner sollen bald ausziehen.

Die Ecken und die Wände sind mit Schimmel übersäht, Ratten laufen über die Flure, als ob sie ungestört wären. So schildern Menschen, die wegen der Kälte und der Einsamkeit auf der Straße Schutz gesucht haben, die Zustände im Obdachlosenheim im Auweg in Freudenegg. Einige sehen nach eigenen Angaben keinen großen Unterschied mehr zum Leben auf der Straße. Denn kalt sei es an beiden Orten: Im Obdachlosenheim funktionieren weder Heizung noch fließendes Wasser, sagen Betroffene der Neu-Ulmer Zeitung. Und beschweren sich, unter diesen Umständen wohnen zu müssen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Obdachlosen-Unterkunft, die von der Stadt geführt wird, die Schlagzeilen beherrscht. Der ehemalige Sendener Bürgermeister Kurt Baiker versprach Mitte 2013, das Heim wegen des „desolaten Zustands“ zu sanieren. Auch Stadträte hatten immer wieder auf die schlechten Wohnbedingungen hingewiesen (wir berichteten).

Lange wurde versprochen, das Haus zu sanieren

Bislang ist in dieser Hinsicht nichts passiert, obwohl auch Bürgermeister Raphael Bögge kurz nach seinem Amtsantritt 2014 das Ziel nannte, die Wohnraumsituation für Obdachlose zu verbessern. Seit dreieinhalb Jahren wurden demnach Gespräche mit verschiedenen Experten geführt. Die Verbesserung sei ein Prozess, unter anderem müssten alternative Wohnungen bereitstehen. Dafür sei unter anderem auch die Sendener Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) gegründet worden. Alles hat sich lange hingezogen – und nun auf einmal die Wende: Die Bewohner sollen schon zum Ende des Jahres ausziehen.

Nach der neuesten Beschwerde eines Bewohners hat der öffentliche Gesundheitsdienst des Landratsamts Neu-Ulm die Unterkunft kontrolliert. Regelmäßige Überwachungen, wie sie in Krankenhäusern gemacht werden, sind nach Angaben der Behörde personell nicht zu leisten – doch nach einem Hinweis sehe man sich die Situation vor Ort immer schnellstmöglich an. Die Ergebnisse dieser Kontrolle seien an die Stadt Senden weitergegeben worden, sagt Martin Küfer, Leiter des Gesundheitsdiensts.

Die Stadtverwaltung antwortet auf Nachfrage der NUZ zum Thema Obdachlosenheim: Im Gebäude gebe es eine Wasserversorgung, schreibt Stadt-Sprecher Jörg Portius. Beim Thema Heizung habe die Stadt nicht reagieren können. Der Grund: Die Bewohner haben nicht gemeldet, dass in der betreffenden Wohnung keine Heizung vorhanden ist. Vertreter der SWSG sind nach Angaben des Pressesprechers Portius gemeinsam mit dem Gesundheitsdienst durch die Räume der Unterkunft gegangen. Dabei konnten laut Portius keine Hinweise auf Ratten festgestellt werden, „Schimmel jedoch schon“.

Experten: Bis Ende 2017 geht‘s noch

Die Stadt hat daraufhin aktuelle Einschätzungen von Experten (Brandschutz, Elektrik, Gesundheitsdienst) erbeten. Diese haben laut Stadtsprecher Portius gesagt, dass es vertretbar ist, das Gebäude bis zum Jahresende zu bewohnen. Danach wird es aufgegeben, „denn es ist unbestritten, dass das Gebäude insgesamt in einem schlechten Zustand ist“, so Stadtsprecher Jörg Portius.

Seit Frühjahr 2014 unterstützen Mitarbeiter von Caritas und Diakonie diejenigen, die in der Obdachlosen-Unterkunft leben – auch dabei, wieder fit zu werden, um eine eigene Wohnung zu finden. In dem Haus sind meist acht bis 15 Menschen untergebracht, die auf dem normalen Mietmarkt keine Bleibe finden. Zum Hintergrund: Gemeinden müssen sich um Menschen, die ihr Zuhause verlieren, kümmern. Die Unterbringung von Obdachlosen ist laut bayerischer Gemeindeordnung eine kommunale Pflichtaufgabe.

Senden will nun also dafür sorgen, dass die Bewohner in Freudenegg eine bessere Bleibe bekommen. „Betroffene Personen landen selbstverständlich nicht auf der Straße“, so Portius. Bis zum Jahresende sollen sie ausziehen und werden laut Verwaltung in anderen städtischen Gebäuden, unter anderem in der Haupt- und Fontanestraße, untergebracht. Dabei wird darauf geachtet, den Umzug in Zusammenarbeit mit Caritas und Diakonie möglichst einfach für die Bewohner zu gestalten.

Ob die Unterkunft im Auweg danach noch saniert oder gleich abgerissen wird, sei noch nicht sicher.

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