1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. So entstand Neu-Ulms erste Stadtchronik

Neu-Ulm

05.10.2018

So entstand Neu-Ulms erste Stadtchronik

Copy%20of%20Buckneu(1).tif
3 Bilder
Ein Abbild, das sich auch in Bucks Chronik wieder findet: Das Ulmer Fischerstechen um 1840, gesehen von der Ulmer Seite aus. Links im Bild ist die Herdbrücke mit Herdbrucker Tor zu sehen, in der Bildmitte die Neu-Ulmer Insel, rechts von ihr die Kleine Donau mit Brücke.
Bild: Gerrit-R. Ranft (Repro)

Plus Die Stadt Neu-Ulm feiert im kommenden Jahr 150 Jahre Stadterhebung. Im zweiten Teil unserer Serie dreht sich alles um den Stadtchronisten Georg Buck.

Zwischen April und September 2019 feiert Neu-Ulm sein Jubiläum „150 Jahre Stadterhebung“. Die Neu-Ulmer Zeitung, die nächstes Jahr 70 Jahre alt wird, wirft in den kommenden Monaten ein paar Blicke in die Vergangenheit der Kommune, in ihre Gegenwart und – so weit möglich – in die Zukunft. Im zweiten Teil unserer Serie geht es um den Stadtchronisten Georg Buck.

Dem Autor selbst schien es „vielleicht überflüssig, für Neu-Ulm eine Abhandlung unter dem Namen ‚Chronik’ zu schreiben“. Erstens finde sich schon alles über die noch so junge Stadt in den Annalen und anderen Werken der Stadt Ulm. Andererseits sei die Geschichte der Stadt Neu-Ulm mit ihren grade mal hundert Jahren viel zu jung, um sich mit einer Chronik schmücken zu dürfen. Georg Buck hat dennoch im Jahr 1911 die erste „Chronik der Stadt Neu-Ulm“ vorgelegt – vermutlich, weil dies sein Dienstherr Bürgermeister Josef Kollmann von ihm verlangt hatte.

Fast acht Jahrzehnte später bekannte sich die Stadt nachdrücklich zu ihrem „Buck“, indem sie das längst vergriffene Werk neu herausbrachte. Bis dahin war Neu-Ulm noch immer ohne eine weitere grundlegende Betrachtung zu seiner Geschichte von den Anfängen an. Es sollte gar noch weitere fünf Jahre dauern, ehe 1994 zum „Jubiläum 125 Jahre Stadt Neu-Ulm“ endlich die Historie des inzwischen 183 Jahre alten Gemeinwesens aufgearbeitet wurde. Neun Autoren haben an dieser aktuellen Chronik unter dem Titel „Stadt Neu-Ulm 1869 - 1994“ mitgeschrieben. In seinem Vorwort wertete Oberbürgermeister Peter Biebl das 650 Seiten starke Werk ausdrücklich als Ergänzung zu Bucks Chronik.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.


Als „Der Buck“ erstmals erschien, war der vom Generalkommissar Carl Ernst von Gravenreuth mit Billigung des bayerischen Königs unter dem Datum des 22. April 1811 gegründete unscheinbare Ort „Ulm auf dem rechten Donauufer“, der sich bald in Neu-Ulm verwandeln sollte, gerade 100 Jahre alt geworden. Wie es der Zufall wollte, hatte der königliche Hofrat Josef Kollmann zu diesem Zeitpunkt just sein 25. Dienstjahr als Erster Bürgermeister der Stadt vollendet. Alles in allem eine gute Gelegenheit, beide Jubiläen in einer umfassenden Darstellung der Geschichte der Stadt und ihres Oberhaupts miteinander zu verknüpfen.

Der junge Offiziant Georg Buck aus Grönenbach im Unterallgäu, der erst 1904 in städtische Dienste getreten war, schien dem Bürgermeister der geeignete Verfasser des umfangreichen Werks. Geboren war er 1882 am Tag vor Heiligabend. Die Eltern Jakob und Maria Buck, geborene Kaiser, unterhielten neben der Landwirtschaft ein Gasthaus im Ort. Georg Buck sah sein Berufsziel bei der Eisenbahn oder bei der Post. Es kam anders. Nach dem Besuch der Realschule in Memmingen nahm er in Würzburg eine Kaufmannslehre auf, die er im niederbayerischen Rottenburg an der Laaber als Kanzleigehilfe abschloss. Er bewarb sich um die von der Stadt Neu-Ulm ausgeschriebene Stelle eines städtischen Angestellten. Am 20. April 1904 trat der 21-Jährige in die Stadtverwaltung ein, der er 37 Jahre lang – zuletzt als Stadtamtmann – bis zu seinem frühen Tod angehören sollte.

Bucks Städtische Chronik endet mit dem Freitag, 5. August 1910, als nachmittags zwischen zwei und vier Uhr das militärische Heumagazin beim Augsburger Tor niederbrannte. Der Autor wusste noch nicht, dass dort der erst zehn Jahre alte Neu-Ulmer künftige Maler und Bildhauer Ludwig Ade gemeinsam mit ein paar Freunden gezündelt hatte. Der Brand aber machte letztlich den Weg frei für den lange Zeit strittigen Bau der Gänstorbrücke.

Im Jahr 1913 hat Buck seiner Chronik einen kleinen zweiten Teil nachgeliefert. Er besteht wesentlich aus einer Mappe mit 20 Plänen und zahlreichen Fotos. Weil es sich so ergab, hat er zusätzlich ein paar Nachträge für die Jahre 1911 bis 1913 angefügt. Endgültig Schluss ist mit der Mitteilung, am 13. November 1913 habe erstmals das Personen-Motorboot „Istros“ (Donau) am Neu-Ulmer Schwal angelegt. Der Besitzer des Fahrzeugs, der Ulmer Katastergeometer Elsäßer, wolle mit ihm einen Personenverkehr auf der Donau von Ulm bis Günzburg einrichten, schließt Bucks Chronik endgültig.

Dass Buck seine Aufzeichnungen nicht weiterführte, dürfte mit den politischen Ereignissen der nächsten Jahrzehnte zusammenhängen, dem Ersten Weltkrieg und seinen Folgen, den Ereignissen der Nachkriegszeit, schließlich dem Zweiten Weltkrieg. Buck wurde für Wichtigeres gebraucht als zum Verfassen einer rückblickenden Chronik. So ist denn auch das Erschrecken verständlich, das den Neu-Ulmer Anzeiger erfasst hat. Am 30. Juli 1941 würdigte das Blatt aus „kaum faßlichem Anlass“ den Chronisten: Georg Buck war tot, im Alter von erst 58 Jahren auf einer Bergwanderung im Zillertal in eine Gletscherspalte gestürzt und gestorben.

Eine weitere Auflage des "Bucks" nicht in Planung

Dem Neu-Ulmer Anzeiger galt Buck schlicht als derjenige, der „als ein mit dem Wachstum der Stadt verbundener Mensch die Geschichte eines jeden Hauses kannte wie kaum ein zweiter“. Mit ganzem Herzen sei er über mehrere Jahrzehnte hin „getreues Mitglied im Zweige Neu-Ulm des Deutschen Alpenvereins gewesen. Nun hat er als Bergsteiger, inmitten der schönen Alpenwelt, allzu früh einen jähen Tod erlitten“.

Die Bedeutung der Buckschen Chronik für Neu-Ulm ergibt sich vor allem daraus, dass ihr Autor noch auf Archivalien und Bildquellen zurückgreifen konnte, die zum Teil verloren sind. So schreibt Neu-Ulms Archivarin Barbara Treu in der Einführung zur Neuauflage des „Buck“ im Jahr 1989, seine Hauptquelle sei die „Städtische Registratur“ gewesen, die nur noch als Archivtorso bestehe. Der Zweite Weltkrieg und unsachgemäße Aktenverwaltung hätten unersetzliches Material vernichtet und schwere Lücken gerissen.

Eine weitere Neuauflage des Buck ist dennoch nicht beabsichtigt. Schließlich besitzt die Stadt seit 1994 ihr eigenes 650 Seiten starkes Geschichtswerk, das zum Jubiläum 150 Jahre Stadt auch schon 25 Jahre alt wird.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren